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Eskalation in Verden!

2019
08.07

Sechs Mitglieder verklagen eigenen Verband

Mit einer medialen Breitseite, die Züge einer konzertierten Aktion offenbart, startete am Wochenende eine Kampagne gegen den Hannoveraner Verband. So berichteten verschiedene Printmedien in ihren Online-Publikationen wie auch teilweise in der Print Ausgabe, dass der Anwalt Dr. Burkhard Oexmann eine Klage gegen den Hannoveraner Verband als Institution eingereicht habe. Der Fachanwalt für Pferderecht, Medizin- und Sportrecht verweist auf nicht eingehaltene Ladungsfristen zur entscheidenden Vorstandssitzung am 13. Mai 2019 und leitet daraus eine nicht rechtswirksame Beschlussfassung zur Kündigung des ehemaligen Geschäftsführers und Zuchtleiters, Dr. Werner Schade ab. Ein Zusammenhang, der nach uns vorliegenden Einschätzungen verschiedener Anwälte nicht zwingend sein muss. Unabhängig davon, ob die Ladungsfristen tatsächlich als verletzt eingeschätzt werden oder nicht, bedeute dies nicht zwingend, dass die seinerzeit mit deutlicher Mehrheit getroffene Entscheidung Dr. Werner Schade zu entlassen, unwirksam sei. Auffällig ebenfalls der große Zeitrahmen, der zwischen der Sitzung am 13. Mai und der Klage liegt. Nach Aussagen von Teilnehmern, habe es zumindest anlässlich der Vorstandssitzung am 13. Mai keinerlei Anmerkungen oder Beschwerden hinsichtlich der Beschlussfähigkeit aufgrund der Ladungsfrist gegeben. In der öffentlichen Berichterstattung verweist der Klageführende Anwalt Dr. Oexmann darauf, das sich während der Vorbereitung die Zahl der Kläger verdoppelt habe. Dem Text weiter folgend wird deutlich, von drei auf sechs Kläger. Diesen sechs Klägern stehen weiterhin ca. 11994 Verbandsmitglieder gegenüber, die nicht gegen den eigenen Verband Klage führen. Ob das Gericht die Klage zulassen wird war bisher nicht in Erfahrung zu bringen.

Auch der neuberufene Zuchtleiter des Hannoveraner Verbandes wird von der Klageführung tangiert sein. Zwar wird darauf verwiesen, man wolle dem Nachfolger von Dr. Schade nicht die Kompetenz absprechen, doch wird die Rechtmäßigkeit seiner Berufung klar in Abrede gestellt. Dabei sollte klar sein, dass ein Zuchtverband nicht unbegrenzt ohne ordentlich bestellten Zuchtleiter agieren kann, ist doch die Benennung eines Zuchtleiters Voraussetzung für die Anerkennung des Verbandes durch die zuständige Landwirtschaftskammer.

Inwieweit eine direkte Verbindung der Kläger zum Betroffenen der außerordentlichen Kündigung, Dr. Schade oder dem Unternehmen Schade & Partner besteht, war bisher nicht eindeutig festzustellen. Wer die sechs Kläger sind, ist bisher noch nicht zweifelsfrei bekannt, wenngleich sich Hinweise in unserer Recherche verdichten. Auf Nachfrage der Redaktion bereits bestätigt zu den Klägern zu gehören, hat Herr Volker Kückelhaus, der zu seinen Beweggründen für die Klage befragt, sich auf das BGB hinsichtlich der Regelung Vereinsrechtlicher Angelegenheiten beruft und darüber hinaus auf seine bisherigen Social Media - Beiträge verweist. Die Bitte um Stellungnahme/Beantwortung einzelner Fragen an den Anwalt der sechs Kläger wurde aus Zeitgründen eventuell für den morgigen Tag in Aussicht gestellt. Spätestens bei einer Zulassung der Klage und einer anschließenden, öffentlichen Verhandlung wird sich dieses Geheimnis jedoch zweifelsfrei lüften lassen. Auffällig ist sicherlich, dass parallel zur Berichterstattung bezüglich der Klageerhebung in den Printmedien, im Regionalfernsehen des Norddeutschen Rundfunks Dr. Werner Schade mit einem Filmbeitrag an die Öffentlichkeit trat. Mit minutenlangen Sequenzen, die den einstigen Verbandslenker bei der Pferdepflege zeigen und ihn im sanften Gegenlicht über grüne Wiesen galoppieren lassen, wird eine fast naiv wirkende Atmosphäre der Unschuld kreiert, bevor es dann in eingespielten Interviewpassagen ganz unverhohlen zur Sache geht. Verbandsinterna und persönliche Beschuldigungen werden dem Zuschauer ohne weitere Belege präsentiert. Besonders verstörend wirkt da, dass sich der ehemalige Geschäftsführer erneut und zum wiederholten Male äußert, die Gründe, die zu seiner Entlassung geführt hätten seien nicht bekannt. Dabei hatte er in Zeitungsinterviews im Vorfeld bereits erklärt, das ihm eine Begründung der Kündigung mittlerweile vorläge und er diese entkräften wolle. Warum er diese Gründe dann nicht von seiner Seite aus zwischenzeitlich kommuniziert und öffentlich entkräftete, bleibt offen. Ebenso stellt sich doch die Frage, aus welchem Grund den Interviewten nun, nach erfolgter Kündigung, das Gewissen so unerträglich drängend vor die Fernsehkamera zwingt um seiner Besorgnis Ausdruck zu verleihen, während aus seiner aktiven Zeit im zeitnahen Kontext, keine Beanstandungen derartiger Praktiken durch die Geschäftsführung bekannt sind. Eher im Gegenteil. Erinnert sei hier an den leidenschaftlich vorgetragenen Bericht des Rechnungsprüfers vom Brocke, im April 2019 anlässlich der Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes, als er auf „Unregelmäßigkeiten“ hinsichtlich der Abrechnung einzelner Verkäufe im Zuge des Hengstmarktes verwies. In diesem Zusammenhang hat der damalige Geschäftsführer nicht erkennbar für weitreichende Transparenz gesorgt. Im Gegenteil, einer der betroffenen Rechnungsprüfer berichtet von maßgeblicher Beeinträchtigung in seiner Amtsausübung, die vor allem von der Person des Geschäftsführers ausgegangen sei.

Im weiteren Verlauf des Interviews vermittelt der ehemalige Geschäftsführer den Eindruck auch nach seiner Freistellung und späteren Entlassung unverändert gut informiert zu sein über Sponsorenverträge und diesbezügliche Veränderungen. Auch über mutmaßliche Abwanderungen erfolgreicher bisheriger Auktions-Beschicker zu benachbarten Verbänden zeigt sich Dr. Schade informiert. Vor dem Hintergrund dieser Äußerungen erscheint die angefügte Stellungnahme des doch eher in Oldenburger Gefilden verorteten Hengsthalters Gerd Sosath nur schwer nachvollziehbar. Gerd Sosath ist immerhin Vorstandsmitglied des konkurrierenden Zuchtverbandes Oldenburg-International sowie Präsidiumsmitglied des Oldenburger Pferdezuchtverband e.V., seine Einlassungen vermögen einen eher geringen Erkenntnisgewinn liefern und können allenfalls als gefühlte Unterstützung gedeutet werden. Sich jedoch als Funktionsträger und Repräsentant eines Zuchtverbandes zu den Interna des in direkter Nachbarschaft befindlichen Konkurrenten derart öffentlich zu äußern ist sicher nicht verboten, muss jedoch zumindest als ungeschickt bezeichnet werden. Im Beitrag des NDR wird letztlich die nun erfolgte Klage der sechs Verbandsmitglieder klar als Unterstützung des ehemaligen Geschäftsführers kommuniziert und in direkten Zusammenhang gebracht.

Gänzlich befremdlich mutet letztlich die publizierte Begründung der Klage gegen den Hannoveraner Verband als „Versuch der Reparatur“ an. Eine Reparatur ist an sich ja eher als konstruktiver Akt zu werten, blickt man jedoch auf die Geschehnisse der vergangenen Wochen zurück, besonders auf die Zeitungsinterviews und nun den denkwürdigen Auftritt des entlassenen, ehemaligen Geschäftsführers vor laufenden Kameras - erneut in zeitlich engem Kontext zu einer bevorstehenden Auktion – kann man nicht umhin ein potentiell für den Verband schädliches Verhalten zu konstatieren. Inwieweit in einem derartigen Verhältnis eine Reparatur erfolgen soll oder kann, die mutmaßlich eine Re-Installation einer Einzelperson darstellen sollte, lässt sich selbst bei viel Phantasie und Glauben an menschliche Nachsicht kaum vorstellen. Vielmehr könnten bei den nun erfolgten Vorgängen, wie Juristen uns bestätigten, prozesstaktische Überlegungen im Hintergrund stehen, die sich auf das anstehende arbeitsrechtliche Verfahren von Dr. Schade erstrecken könnten. Je größer der Flurschaden für den jetzigen Vorstand, umso besser die Ausganslage für den ehemaligen Mitarbeiter, das könnte eine mutmaßliche Ausrichtung der Handlungen erklären. Kollateralschäden für den Hannoveraner Verband scheinen bei dieser Interessenlage billigend in Kauf genommen zu werden. Auch die in der Berichterstattung kommunizierte Befürchtung der Kläger, dargestellt durch den vertretenden Anwalt: „Aufgrund der aktuellen Krise befürchteten seine Mandanten aber, ihre Pferde nicht mehr verkaufen zu können“ lässt Fragen hinsichtlich der Intention der Klage offen. Zum einen scheint hier doch eher die Sorge um persönliche Vorteile ausschlaggebend zu sein für die Klage gegen den Hannoveraner Verband. Zum anderen stellt sich natürlich die Frage, warum ein Verkauf der Pferde offenbar nur unter der Obhut des ehemaligen Geschäftsführers bewerkstelligt werden könne. Vertrauen in eigene züchterische Fähigkeiten und daraus resultierende Qualität, die Begehrlichkeit weckt, sieht sicher anders aus. Konstruktive Ansätze zu einer Lösung des Konfliktes lassen die Ereignisse der vergangenen Wochen in keinem Fall erkennen, vielmehr eskalieren sie den vorliegenden Konflikt weiter, ohne dass zugrunde liegende, arbeitsrechtliche Verfahren in seiner Entscheidung abzuwarten. Ein Umgang mit derartigen Verfahren, der aus der Amtsführung des ehemaligen Geschäftsführers durchaus bereits bekannt anmutet.   S.B.
 
Foto: (Bischoff) Der ehemalige Geschäftsführer des Hannoveraner Verbandes, Dr. Werner Schade äußert sich in einem Fernsehinterview auch zu verbandsinternen Vorgängen

Den Fernsehbeitrag können Sie über untenstehenden Link abrufen 

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Hannoveraner-Verband-Schlammschlacht-im-Vorstand,hallonds52620.html