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Am Rande des Eklats

2020
13.09

Trakehner Mitglieder- und Delegiertenversammlung

Neben dem stellvertretenden Zuchtleiter und dem Geschäftsführer des Trakehner Verbandes der im Amt bestätigte Vorstand des Trakehner Verbandes : v.l.n.r. Neel-Heinrich Schoof, Lars Gehrmann, Dr. H-P- Karp, Marion Drache, Josef Kirchbeck und H.-W. Bunte
Neben dem stellvertretenden Zuchtleiter und dem Geschäftsführer des Trakehner Verbandes der im Amt bestätigte Vorstand des Trakehner Verbandes : v.l.n.r. Neel-Heinrich Schoof, Lars Gehrmann, Dr. H-P- Karp, Marion Drache, Josef Kirchbeck und H.-W. Bunte
Wurde mit einem Ergebnis von 90% im Amt bestätigt, der erste Vorsitzende des Trakehner Verbandes, Dr. Norbert Camp
Wurde mit einem Ergebnis von 90% im Amt bestätigt, der erste Vorsitzende des Trakehner Verbandes, Dr. Norbert Camp

In Ratingen trafen sich am 12. September die Mitglieder und Delegierten des Trakehner Verbandes, um nach Ablauf der Wahlperiode einen neuen Vorstand zu bestimmen. Mit Zustimmungswerten zwischen knapp 95% und 84 % und ohne Gegenkandidaten, wurde der alte Vorstand rund um den Vorsitzenden Dr. Norbert Camp, auch als neuer Vorstand im Amt bestätigt. Lediglich bei der Besetzung des zweiten Beisitzers, kam es durch die Aufstellung eines Gegenkandidaten zu einer echten Wahlmöglichkeit. Frank Bangert stellte sich nach Vorschlag den wahlberechtigten Delegierten als Alternative vor, unterlag in der folgenden Abstimmung jedoch ganz knapp mit 25 Stimmen, gegenüber 26 Stimmen, die das mit Abstand langjährigste Vorstandsmitglied Hans-Wilhelm Bunte auf sich vereinen konnte. Somit kann der Vorstand des Trakehner Verbandes auch zukünftig in unveränderter Konstellation seine bisherige Arbeit fortführen.

Neben den Wahlen zum Vorstand, standen ebenfalls eine ganze Reihe an Änderungen der Satzung und des Zuchtprogramms auf der Agenda. Teilweise eher redaktioneller Natur, barg ein Diskussionspunkt großes Konfliktpotential, die Abstimmung um die Abschaffung der im Zuchtprogramm der Trakehner festgeschriebenen Mindestnote im Zuge der Hengstleistungsprüfungen. Das dieser Punkt hochgradig umstritten im Verband ist und bereits im Vorfeld der Versammlung unter den Mitgliedern kontrovers diskutiert wurde, war bekannt. Besondere Brisanz erhielt die Diskussion durch den Umstand, dass Änderungen am Zuchtprogramm – anders als Satzungsänderungen – keinen Delegiertenentscheid darstellen, sondern durch Mitgliederentscheid zustande kommen. Zusätzlich muss eine Antragsannahme durch ein Mindestquorum von 75% erfolgen. Hohe Hürden, die offensichtlich auch bereits im Vorfeld als solche identifiziert wurden. Alleine die Tagesordnung ließ in Umfang und Struktur darauf schließen, sie sei auch als Lenkungsinstrument der Versammlung konzipiert. Während sich der Vorsitzende dann Eingangs der Veranstaltung ganze 50 Minuten Zeit für seine Rede zugestand, wurde zum Ende der Veranstaltung, acht Stunden später dann massiv auf die Zeitkomponente verwiesen um Diskussionen und Abstimmungsmodalitäten zu steuern. Auch die Frage des Abstimmungsmodus, nach der lange und teilweise durchaus emotional geführten Diskussion, wurde erkennbar instrumentalisiert. Während der Vorsitzende für den ersten Abstimmungsdurchgang von sich aus eine geheime Abstimmung vorschlug um allen Mitgliedern eine freie Gewissensentscheidung zu ermöglichen ohne sich eventuell folgenden Anfeindungen auszusetzen, änderte sich diese Vorgehensweise flugs nach dem nicht-erreichen des erforderlichen Quorums. Nach kurzer Unterbrechung der Versammlung – übrigens ohne Antrag oder Abstimmung, alleine durch Entscheid des Vorsitzenden - und Rückzug des Vorstandes zur Beratung für ca. fünf Minuten, ließ der Wahlleiter einen nun vom Vorstand eingebrachten Kompromissvorschlag abstimmen, der eine Beibehaltung einer Mindestnote bei gleichzeitiger Absenkung auf 7,0 vorsah. Nun wurde plötzlich en Block, also für alle HLP Varianten, Sporttest, 14 Tage Test und 50 Tage Test abgestimmt, ein Verfahren, das bereits im ersten Abstimmungsgang eingefordert, jedoch vom Wahlleiter konsequent abgelehnt worden war. Während vehement aus dem Plenum die Forderung nach einer Fortsetzung des geheimen Wahlmodus vorgetragen wurde, wurde vom Vorstand und dem Wahlleiter massiv auf eine offene Wahl gedrungen. Ganz offensichtlich wollte man nun den Druck der Öffentlichkeit weitgehend nutzen um die Entscheidung der Mitglieder in die gewünschte Richtung zu lenken. Der Wahlleiter ließ die Frage des Abstimmungsmodus offen bestimmen und die Handzeichen durch verschiedene Stimmzähler erfassen, deren Einzelergebnisse von ihm zu einem Gesamtergebnis zusammengetragen wurden. Dieses vom Wahlleiter verkündete Ergebnis ergab einen Entscheid von 58 zu 54 Stimmen für eine offene Abstimmung über den Kompromissvorschlag zur Mindestnote. In dem dann folgenden Wahlgang erreichte der Vorschlag mit 91 Ja und 24 Nein Stimmen letztlich die notwendige ¾ Mehrheit. Somit hatte man den unliebsamen Entscheid über die Beibehaltung der Mindestnote beim 50 Tage Test umgehend wieder einkassieren können, nur wenige Minuten, nachdem er erfolgt war. Was den gesamten Wahlvorgang dabei besonders belastete, ist gar nicht einmal der offensichtliche Disziplinierungsversuch über den Wahlmodus. Ein Zugeständnis einer Fortsetzung des geheimen Abstimmungsverfahrens wäre sicher eher geeignet gewesen, sich aufgetane Gräben zu überbrücken, zumal vorbereitete Stimmzettel den Mitgliedern vorlagen. Auch wenn eine aktuelle Recherche ergab, dass die auch vor Ort geäußerte Annahme, es gäbe ein Anrecht einzelner Mitglieder auf eine geheime Abstimmung sich nicht bestätigen lässt.
Problematischer wirkte sich da schon die in weiten Teilen nur als inakzeptabel zu beschreibende Wahlleitung aus. Sowohl die Abstimmungsgänge zur Frage des Wahlmodus, als auch die Abstimmung über den Kompromiss zur HLP Mindestnote selbst, erweckten zu keiner Zeit den Eindruck, als habe irgendjemand im Raum noch einen Überblick über die Situation. Weder wurden die von den verschiedenen Stimmzählern angegebenen Einzelergebnisse offen und nachvollziehbar bekannt gegeben, noch wurden etwaige Enthaltungen abgefragt oder die tatsächliche Zahl der noch an der Abstimmung beteiligten Personen festgestellt. Zu einem Zeitpunkt als längst ein reges kommen und gehen im Sitzungssaal zu beobachten war und vor dem Hintergrund eines geforderten Quorums, sicher mehr als eine Petitesse. Der Autor dieser Zeilen selbst konnte einen Vorgang beobachten, bei dem eine der Stimmzählerinnen eine Person am Ende des Raumes ansprach und zurechtwies, er habe in der Abstimmung für beide Antwortmöglichkeiten die Hand gehoben, also zweimal sein Votum abgegeben. Ob diese Information den Wahlleiter erreichte, warum er gegebenenfalls auf diese Information nicht reagierte und wie denn mit dem offensichtlich unkorrekten Stimmverhalten umgegangen wurde, ist nicht ersichtlich geworden. Eine ungültige Stimme wurde zumindest nicht vermeldet. Ob in diesem Fall beide Stimmen gezählt wurden, keine Stimme gezählt wurde oder die Stimme gezählt wurde, die genehm erschien, bleibt zunächst offen. Eine korrekte Kontrolle des Ergebnisses unter den zu beobachteten Verhältnissen erscheint nahezu ausgeschlossen, alles Ereignisse, die mit einer strukturiert und geheim durchgeführten Wahl zu vermeiden gewesen wären. Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt. Bereits nach dem Verfehlen des notwendigen Quorums zur Abschaffung der Mindestnote beim 50 Tage Test, war ein vehementer Verfechter einer Beibehaltung der Mindestnote vor der Tür des Sitzungssaales nach seiner Aussage persönlich von Diskussionsgegnern angegangen worden. In einer solchen Atmosphäre wirklich seinem Gewissen folgend, offen und für alle erkennbar abzustimmen, setzt da durchaus eine sehr hohe Schwelle. Zusätzlich erscheint die Wahlleitung dadurch belastet, dass sie zu keinem Zeitpunkt den Eindruck einer echten Neutralität vermitteln konnte. Die zu beobachtende Attitüde und Ausdrucksweise des Wahlleiters dem Plenum gegenüber erinnerte eher an einen pädagogisch grenzwertig agierenden Grundschullehrer, der sich einer Gruppe Sechsjähriger zuwendet, statt das sie geeignet erschien die Werte Respekt, Wertschätzung oder Souveränität widerzuspiegeln, von den allgemein unübersichtlichen Handhabung der Modalitäten, wie etwa inkorrekt zugeordneter Wahlzettel zu den jeweiligen Wahlgängen einmal ganz abgesehen. Den kurz zuvor gerade installierten Richtlinien der „Good Governance“ dürfte dieses Abstimmungsdebakel jedenfalls weder in Form noch im Umgangston entsprochen haben. Ob die unter diesen Bedingungen getroffenen Beschlüsse einer juristischen Überprüfung werden widerstehen können, wird sich eventuell zukünftig noch erweisen.                                                               S.B.