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Trauer in Graditz und Moritzburg

2021
06.04

Steffen Bothendorf verstorben

Steffen Bothendorf hinterlässt fachlich wie menschlich eine große Lücke   Foto: Archiv Sächsische Gestütsverwaltung
Steffen Bothendorf hinterlässt fachlich wie menschlich eine große Lücke Foto: Archiv Sächsische Gestütsverwaltung

Der Leiter des Hauptgestütes Graditz, Steffen Bothendorf ist nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Steffen Bothendorf begann im Jahr 1980 als Assistent der Zentralstelle für Pferdezucht seine Tätigkeit in Graditz. 1982 wurde er Zuchtleiter und 1984 stellvertretender Gestütsleiter. Seit 1992 wirkte er als Leiter des Hauptgestütes Graditz und Stellvertreter der Sächsischen Gestütsverwaltung. In vielen weiteren Tätigkeiten wirkte der Hippologe in die Pferdezucht hinein, etwa als Autor des Standartwerkes „Hauptgestüt Graditz, 325 Jahre Pferdezucht,“ oder auch als Körkommissar in der Trakehner Zucht. Im Jahr 2018 ging Steffen Bothendorf aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Die deutsche Pferdezucht verliert mit Steffen Bothendorf einen leidenschaftlichen Kenner der Vollblutzucht und Anhänger des blutgeprägten Sportpferdes. Unsere besondere Anteilnahme gilt seiner Familie. Die Sächsische Gestütsverwaltung veröffentlichte den folgenden Nachruf zum Tod von Steffen Bothendorf, der uns freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt wurde:

Nachruf für Steffen Bothendorf
Der langjährige Leiter des Hauptgestütes Graditz, Steffen Bothendorf, ist am 30.März 2021 im Alter von 66 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Damit ist ein bekannter und geachteter Hippologe, der über profundes Wissen und lange Berufserfahrung verfügte, von uns gegangen. Steffen Bothendorf hinterlässt seine ihn stets unterstützende Ehefrau und seine zwei erwachsenen Kinder nebst Familien und Enkelkindern.
Über 38 Jahre war das Hauptgestüt Graditz seine Wirkungsstätte, die er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in passionierter Arbeit prägte. Nach der Berufsausbildung zum Zootechniker mit Abitur im VEG Köllitsch begann er 1976 nach dem Grundwehrdienst ein Hochschulstudium der Tierproduktion an der Karl Marx Universität Leipzig. Das Studium beendete er 1980 als Diplomagraringenieur. Danach führte ihn sein Weg als Betriebsassistent an der Seite von Direktor Dr. Eberhard Neisser in das VE Gestüt Graditz mit damals 110 Englischen Vollblutstuten. Im Jahre 1982 konnte er auf die Stelle des Zuchtleiters im Gestüt wechseln. In den Jahren bis 1990 erreichten Graditzer Rennpferde fünfmal den Sieg im Derby der DDR auf der Rennbahn in Berlin-Hoppegarten sowie weitere Erfolge.
Gemeinsam mit der Graditzer Gestütsmannschaft sorgte er in der Zeit der politischen Wende dafür, dass der Dienstbetrieb für die Pferde in Graditz ohne Abstriche aufrecht erhalten blieb. Einen herben Einschnitt in seinem Berufsleben bedeutete 1991 unter der Treuhandverwaltung der Ausverkauf fast aller Vollblutstuten und Jährlinge des Gestütes. Mit Bildung der Sächsischen Gestütsverwaltung im Jahre 1992 an den Standorten in Moritzburg (Landgestüt) sowie in Graditz (Hauptgestüt) wurde Steffen Bothendorf die Leitung des Hauptgestütes und gleichzeitig die stellvertretende Leitung der Sächsischen Gestütsverwaltung übertragen. Über 25 Jahre bis zum 31.1. 2018 prägte er maßgeblich mit Oberstutenmeister Hans Joachim Smirek die Entwicklung im Hauptgestüt. In dieser Zeit gelang es, einen hochwertigen Bestand von 20 Reitpferdestuten und 5 Trakehnerstuten aufzubauen. Aus der Zucht und Aufzucht im Hauptgestüt sind seither eine ganze Reihe qualitätsvoller Hengste und Stuten sowie erfolgreicher Sportpferde hervorgegangen. Beispielgebend seien an dieser Stelle genannt die im Gestüt gezogenen Hengste Freiherr von Stein (Trakehner von Millennium) und Sir Graditz (von Sezuan).
Mit großem persönlichem Einsatz hat Steffen Bothendorf 1992 die Privatisierung der Vollblutzucht und den Aufbau eines Pachtgestütes für diese Rasse unterstützt und zum Teil auch geleitet. Eine Herausforderung bedeutete die über 20 Jahre dauernde abschnittsweise sich vollziehende Rekonstruktion und Erneuerung des Schlossgebäudes, der Stallungen und Außenanlagen unter Leitung der Staatlichen Hochbauverwaltung in Leipzig. Dabei hat Steffen Bothendorf viele eigene Ideen eingebracht. So wurden die Haltung und Aufzucht von Gastpferden in Graditz in den Gestütsbetrieb integriert. Neben den jährlichen Gestütsschauen etablierten sich unter seiner Leitung eine Reihe züchterischer Veranstaltungen. Dazu zählen die Ausgestaltung der Sächsisch Thüringischen Pferdetage im Gestüt, ebenso die Züchterstammtische oder die im August jeden Jahres stattfindenden Trakehner Fohlenchampionate sowie die Trakehner Landesschauen 1992, 1999 und 2007. Auch die Jungzüchter fanden die Unterstützung von Steffen Bothendorf zu Landesausscheiden bis hin zum Bundesjungzüchterwettbewerb. Ein besonderer Höhepunkt war im Jahre 2011 die Veranstaltung anlässlich des 325-jährigen Gestütsjubiläums in Graditz, die seine Handschrift trug. Für die Trakehnerzüchter arbeitete Steffen Bothendorf aktiv im Vorstand des Zuchtbezirkes und war von 2002 bis 2019 Mitglied der Körkommission des Trakehner Verbandes. Der Lehrausbildung galt seine besondere Aufmerksamkeit. So konnten Lehrlinge aus dem Hauptgestüt in den sächsischen Mannschaften wiederholt vordere Platzierungen und Siege zu den Bundesberufswettkämpfen der Pferdewirte erreichen. Als geschätztes Mitglied der Prüfungskommission für Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister sowie für Zuchtrichter arbeitete er ebenfalls sehr engagiert.
Steffen Bothendorf konnte als Verfasser des Buches „Hauptgestüt Graditz-325 Jahre Gestütspferdezucht“ im Jahre 2011 eine Lücke in der hippologischen Literatur des vereinten Deutschland schließen. Für seine umfangreiche Arbeit erhielt er als Wertschätzung zahlreiche Auszeichnungen: die Gustav Rau Medaille der FN, die Freiherr von Schrötter-Medaille des Trakehner Verbandes, die Goldene Ehrennadel des Pferdezuchtverbandes Sachsen/Thüringen und weitere Ehrungen.
Alle, die ihn kannten, schätzten an ihm seine ruhige und besonnene Art, die Fähigkeit zuhören zu können und auch in schwierigen Situationen seine Zuverlässigkeit. Vielen Züchtern war er ein guter Ratgeber.
Alle, die ihn kannten, werden ihn ebenso wie seine Frau und Familie vermissen. Sein Andenken wird in seiner langjährigen Wirkungsstätte in der Sächsischen Gestütsverwaltung in Ehren gehalten.
Dr. Kati Schöpke, Landstallmeisterin
Dr. Matthias Görbert, Landstallmeister a.D.
Sächsische Gestütsverwaltung