von Stephan Bischoff am Mittwoch, 07.02.2024 um 11:23

Verstörende Videoaufnahmen aus den USA

Vertreter eines Deutschen Pferdeverkaufsstalles involviert

Dr. César Parra und Van the Man beim Weltcup Finale in Lyon / © Lafrentz

Seit Freitag, dem 02. 02. 2024 versetzen diverse Videodateien die Pferdeszene, besonders die mit Vorliebe für das Dressurreiten, weltweit in Aufruhr. Müsste man eine Überschrift für die diversen Videos finden, wäre „Eindrücke aus dem Gruselkabinett des Dr. P.“ vermutlich ganz treffend. Zu sehen sind unterschiedliche Formen der Einflussnahmen, auf unterschiedliche Pferde im Rahmen dessen, was man an dem Entstehungsort der Aufnahmen anscheinend für eine Dressurausbildung hält.
Entstanden sind die Aufnahmen – das lässt sich mittlerweile so sagen – auf der Anlage des US-Kolumbianers, Dr. César Parra. Einmal ist Dr. Parra dabei zu sehen, wie er auf einem Rappen sitzt und diesem, während der brav Passage-artige Tritte zeigt, fortwährend mit der Gerte massiv auf Kopf und Hals schlägt, ein anderes Mal wird ein Fuchs ausgebunden an der Longe vom Boden aus mit einer Peitsch malträtiert, was diesen zu einer recht verzweifelt anmutenden Form der Gegenwehr veranlasst. Aber auch Videosequenzen die Pferde beim longieren zeigen, während sie mit derart abenteuerlich anmutenden Strick- und Gummibandwerken an den Beinen und teilweise zwischen den Vorderhufen, nebst deutlich zu vernehmendem Schellenklang, ausgestattet sind, dass jeder Bondage-Meister vor Neid erblassen würde. 
Aus deutscher Sichtweise bemerkenswert ist vor allem ein Video auf dem die Vertreter der Dressurstall Sandbrink GmbH, Stefan Sandbrink und Dr. Kerstin Klieber zu identifizieren sind. In dieser Videodatei wird ein Pferd, das von seiner Reiterin erkennbar mit Hilfszügeln deutlich in Beizäumung gezwungen wird, am Kopf mittels Longe von Stefan Sandbrink gehalten, während von hinten mit einer beidhändig gehaltenen Peitsche das Pferd fortwährend geschlagen wird. Die Gruppe bewegt sich auf diese Weise an der Hallenbande entlang und das Pferd zeigt an manchen Stellen sehr deutliche Versuche sich der Situation entziehen zu wollen, was der Peitschenführer mit einer Intensivierung seines Peitscheneinsatzes beantwortet. Aus dem Bereich der Bandentür, in dem sich am Bildrand mehrere Personen unter anderem auch Frau Dr. Klieber, aufhalten, wird währenddessen die Szenerie auf Englisch kommentiert, man denke das müsse gerade ein „amazing“ also ein tolles, ein großartiges Gefühl sein.
Die gesammelten Videodateien, die offenbar zumindest teilweise nicht verdeckt entstanden sind, haben mittlerweile deutliche und überraschend schnelle Reaktionen ausgelöst. So wurde Dr. César Parra von der FEI nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Videos, für Starts gesperrt. FEI und USEF kündigten Untersuchungen an und auch die FN in Warendorf kündigte an Strafanzeige zu stellen und zu prüfen, inwieweit sich verbandsrechtliche Maßnahmen ergreifen lassen, was sich mutmaßlich auf die in dem Video gezeigten, deutschen Staatsbürger beziehen dürfte.
Einen Schritt weiter ist mittlerweile der Zuchtverband für Deutsche Pferde e.V. der zu seinen Mitgliedern nach eigenem Bekunden auch die Dressurpferde Sandbrink GmbH zählt. Dort wurde wegen, des mit der Verbandssatzung nicht kompatiblen tierschutzrelevanten Verhaltens, ein Verbandsausschlussverfahren in Gang gesetzt. Der Informationsbeitrag des Verbandes auf Facebook wurde Stand 07.02. 2024 bereits 1512 mal geteilt. Weitere Zuchtverbände, die in der Vergangenheit intensive Beziehungen mit der Dressurpferde Sandbrink GmbH pflegten, haben sich bisher noch nicht öffentlich geäußert, aus einigen Verbandszentralen wurde uns allerdings auf Nachfrage angekündigt mit einer Positionierung sei in Kürze zu rechnen.
Derzeit arbeitet unsere Redaktion intensiv daran weitere Hintergründe und vor allem mögliche weitere Konsequenzen und denkbare Mechanismen um die Häufigkeit derartiger Vorfälle zukünftig zu minimieren, zu recherchieren.
Der im Zentrum der Ereignisse stehende Dr. Parra, der seit 2008 für die USA startet, ist in Sachen Tierschutz nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2015 wurde César Parra bereits wegen Tierquälerei angezeigt, im Zuge des Verfahrens jedoch freigesprochen. Dieses Mal dürften sich die Beweise allerdings als erdrückend erweisen. 

Dieser Beitrag wurd am 07.02. 2024 aktualisiert.

Stephan Bischoff (Redaktionsleitung)

Redaktion Züchterforum, Pferdefotograf und Journalist, der sich auch vor unangenehmen Themen nicht scheut. Stets mit einem offenen Ohr für Züchter, Leser und Pferdefreunde.

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