Corona Pandemie erreicht die Pferdewelt
Die Pandemie, ausgelöst durch das neu beim Menschen aufgetretene Virus SARS-CoV-2, wirkt sich zunehmend auch auf das Geschehen rund um Reitsport und Pferdezucht aus. Mehrere Veranstaltungsabsagen treffen ein, dazu Überlegungen Sportveranstaltungen eventuell ohne Publikum durchzuführen. Dabei machte Prof. Dr. Lothar Wieler, Leiter des Robert Koch Institutes, zuletzt am Dienstag in seiner täglichen Pressekonferenz deutlich, das es aus seiner Sicht dringend Notwendig sei im Rahmen einer Schutzgüterabwägung zu hinterfragen, ob Großveranstaltungen derzeit tatsächlich zwingend erforderlich seien, da seiner Einschätzung entsprechend andere Bereiche der zentralen Daseinssicherung, wie etwa die Medizinische Versorgung, die Versorgung mit Lebensmitteln oder auch die Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Prozesse, durchaus durch einen laxen Umgang mit der Frage der Durchführung von Großveranstaltungen unter Druck geraten könnten. Ziel aller Verantwortlichen müsse es sein die Infektionsausbreitung zu verlangsamen um Kapazitätsengpässe möglichst zu vermeiden oder hinauszuzögern. Diesem Rat folgend haben sich auch mehrere Veranstalter im Bereich Pferdesport und -zucht entschlossen ihre Veranstaltungen vorsorglich abzusagen. So teilt das Gestüt Fohlenhof auf seiner Internetpräsenz mit „liebe Züchter -innen und Freunde des Gestütes Fohlenhof, mit großem Bedauern haben wir uns heute zur Absage unserer Hengstschau am 21.März entschlossen. Diese Entscheidung ist uns wahrlich schwergefallen, zumal dieses Jahr auch der Bundesberufsreitertag des BBR in Verbindung mit unserer Hengstschau stattfinden sollte, und wir uns alle schon sehr auf dieses interessante Wochenende im Kreise Gleichgesinnter gefreut hatten. Aber aufgrund von mehreren in den letzten Tagen nachgewiesenen Corona-Infektionen in verschiedenen Nachbargemeinden und dem unkalkulierbaren Risiko durch die offensichtlich aggressive Übertragung des Virus, lautete die Empfehlung des Kreis-Gesundheitsamtes heute leider „Absage der Veranstaltung“. Natürlich beinhaltet eine Empfehlung keine Verpflichtung zur Absage, aber wir halten es für falsch uns über diese hinwegzusetzen. Als Veranstalter tragen wir Verantwortung für unsere Gäste, die, neben der individuellen Gefährdung durch das in seiner Gefährlichkeit und seinen Eigenschaften noch weitgehend unbekannte Virus, auch von eventuellen Quarantänemaßnahmen immens hart getroffen werden könnten. Überwiegend sind unsere Besucher ja Pferdehalter, für die eine Quarantänemaßnahme höchst problematische Auswirkungen für die Versorgung ihrer Tiere haben könnte. Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahme und wünschen Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Tieren eine gute Zeit. Bleiben Sie gesund…“ Damit weist das Gestüt Fohlenhof ebenso wie auch bereits die FN in ihrer Mitteilung zum Thema Corona Pandemie auf eines der zentralen Probleme für Pferdehalter hin, die Sicherstellung der Versorgung ihrer Bestände im Falle von staatlich verordneten Quarantänemaßnahmen oder gar akuten Erkrankungen. Eine Vorbereitung bzw. ein Plan B für den Fall der Fälle, sollte – wenn noch nicht vorhanden – nun sicher erfolgen. Die FN hat unter https://www.pferd-aktuell.de/fn/newsticker/fei---fn---dokr/coronavirus-fragen-antworten-und-informationen eine umfangreiche Sammlung an Informationen, Antworten auf drängende Fragen und weiterführende Links zu den Seiten der WHO, des RKI und des Bundesgesundheitsministeriums zusammengestellt, die anlassbedingt auch aktualisiert werden sollen. Ebenso wie das Gestüt Fohlenhof hat sich auch das Gestüt Westfalenhof entschlossen seine für den 14. März geplante Hengstschau vorsorglich auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Ebenfalls abgesagt wurde die Hengstschau der Ludger Beerbaum Stables in Riesenbeck. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, halten sie aber angesichts der aktuell nicht kalkulierbaren Ausbreitung des Coronavirus für unumgänglich“, begründet Ludger Beerbaum die Absage seiner Hengstschau. „Die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren und wir waren überzeugt, dass wir unseren Züchtern in diesem Jahr wieder ein absolut sehenswertes Programm mit unseren Deckhengsten präsentieren können.“ Nach reiflicher Überlegung folge man aber der eindringlichen Empfehlung des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums.
Aktuell besonders betroffen von Quarantänemaßnahmen ist die Stadt Neustadt/Dosse. Am 02. März 2020 hatten insgesamt 19 Personen, darunter Mitarbeitende des Haupt- und Landgestüts sowie einzelne Lehrer der Prinz-von-Homburg-Schule, bei einer mehrstündigen Beratung Kontakt zu einer auf COVID-19 positiv getesteten Teilnehmerin aus Berlin. Die Prinz-von-Homburg Schule bietet in einem Pilotprojekt in Kooperation mit dem HuLG Neustadt/Dosse Reiten als Schulfach an. Am Samstag, 07. März 2020, wurde das Gesundheitsamt des Landkreises von der Infektion in Kenntnis gesetzt. Daraufhin wurde zunächst für diese unmittelbaren Kontaktpersonen eine Quarantäne verhängt und Tests durchgeführt. Die Ergebnisse sollten eigentlich bis Montag, 09. März 2020, vorliegen. Nach bisherigem Kenntnisstand weist keiner der Teilnehmer der Beratung Symptome einer Coronavirus-Erkrankung auf. Das Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse stellt auf Nachfrage dazu vor allem klar, dass die drei betroffenen Mitarbeiter des Gestütes, nicht an der Hengstschau am 07. März teilnahmen. Auch lägen Testergebnisse bisher noch nicht vor. Somit ließen sich Pressemeldungen die von angeblich bestätigten Corona-Fällen im HuLG Neustadt/Dosse berichteten, nicht bestätigen.
Am Dienstagnachmittag erließ das Gesundheitsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen einen bindenden Erlass, der Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zunächst verbietet. Kleinere Veranstaltungen sollen wie bisher individuell von den örtlichen Behörden beurteilt werden. Dieser Erlass wird neben dem Fußball auch Veranstaltungen des Reitsports und der Zucht beeinflussen, so beispielsweise den in zwei Tagen startenden Signal Iduna Cup in Dortmund.