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Samstag, 25.03.2023 um 16:10

Das 9. Liebenberger Pferdeforum

Von neuen Wegen und interessanten Einblicken
© honorarfreie Nutzung des Bildes

Rund 180 Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet hatten sich am gestrigen Freitag zum 9. Liebenberger Pferdeforum, initiiert durch die Deutsche Kreditbank, das ZÜCHTERFORUM und den Oldenburger Pferdezuchtverband im Löwenberger Land (Brandenburg) auf Schloss und Gut Liebenberg eingefunden. Traditionell wird bei diesem „Get Together“ das „Netzwerken“ der unterschiedlichsten Pferdemenschen untereinander in Liebenberg groß geschrieben, und so spielte es nur eine untergeordnete Rolle, dass sich die Themen-Agenda mehr  oder weniger mit „Luxusproblemen“ der züchterischen Gegenwart beschäftigte, fernab von Basis und hierzulande gängiger Praxis. Den Auftakt der prominenten Referenten machte die Tierärztin Dr. Alexandra Görgens (Pferdeklinik Mühlen), die erklärte, dass die deutsche Pferdezucht verglichen mit den Populationen in Belgien und den Niederlanden doch noch eher in den Kinderschuhen stecke, was moderne, ursprünglich für  die Humanmedizin entwickelte Reproduktionsmethoden wie OPU (Ovum Pick Up) bzw. ICSI (Intra Cytoplasmatic Sperm Injection) anbelange. Auch Italien, Südamerika und die USA seien da sehr viel weiter. Die Pferdeklinik Mühlen bietet seit 2010 Embryotransfer an, seit 2019 OPU/ICSI. Dabei gehe es vorwiegend um Springstuten.

Weniger der Vortrag als solcher, sondern vielmehr die darin beschriebene Methode stießen beim anwesenden Publikum auf größtenteils offene Ablehnung, nicht zuletzt aufgrund der Befürchtung, dass wenig fruchtbare Stuten und wenig fruchtbare Hengste auf diese Weise widernatürlich vermehrt werden und der Gesamtpopulation somit Schaden zufügen können. Der brandenburgische Erfolgszüchter Tobias Pfitzmann (Löwenberg-Linde) erklärte: „Nicht alles, was technisch machbar ist, müssen wir auch machen!“. Sein Züchterkollege Dr. Ralf Peter-Roffeis (Zernitz-Lohm) ergänzte: „Ich wünsche mir, dass diese Techniken die Ausnahme bleiben!“

Dr. Görgens sprach Kritikpunkte allerdings auch selbst offen an und erklärte: „Wir bedienen den Markt, und der ist definitiv da. Wenn ich es nicht machen würde, fahren die Interessenten weiter zur nächsten Klinik.“ Utrecht in den Niederlanden sei für viele erreichbar. Die niederländische Journalistin Adriana van Tilburg erklärte, dass überall Tausende von Embryonen eingefroren lagerten. Das Studbook Zangersheide habe eine Quote von 20 Prozent ISI-Fohlen pro Jahr, und 30 Prozent der Zangersheider Auktionsfohlen seien 2022 aus ICSI entstanden. Sie führte auch das Unternehmen „Mares of Macha“ an, auf dessen Internetseite man sich aus einem Stutenpool von 35 Stuten und etlichen Hengsten ein Wunsch-Embryo zusammenbasteln kann, vorausgesetzt, man ist in der Lage, das finanziell zu stemmen. „Das ist wie Pizza bestellen!“, fasste sie nicht ohne einen gewissen Sarkasmus zusammen. Thomas Casper, Hengsthalter vom Gestüt Birkhof: „Die Züchter an der Basis, die Pferdezucht als Hobby machen, verlieren damit den Spaß an der Sache!“ Eine Werbeveranstaltung für diese Zuchtmethoden war Liebenberg unter dem Strich aber sicher nicht.

Der internationale Dressurreiter Sönke Rothenberger stellte das familiäre Konzept aus Reiterei, Aufzucht und Zucht vor (ZÜCHTERFORUM berichtete in Ausgabe 7/2022). „Mir ist ein hoher Anteil Grand Prix-Pferde im Pedigree wichtig. Meiner Meinung nach produzieren Grand-Prix-Pferde mit größerer Wahrscheinlichkeit auch Grand-Prix-Nachkommen. Ich habe festgestellt, dass die Springpferdezüchter mehr auf den Anteil von 1,60-Meter-Erfolgspferden in der Abstammung ihrer Produkte achten. Die Dressurpferdezüchter suchen schon mal nach einer Entschuldigung, warum das nicht so ist!“

Rothenberger, dessen Mutter bekanntermaßen aus den Niederlanden stammt, ist „Aspirant“ der KWPN-Körkommission und gab interessante Einblicke in deren Arbeit. So befürwortete er ausdrücklich eine Hengstleistungsprüfung mit Mindestnote, wie sie in den Niederlanden üblich ist, und gab noch eine bezeichnende Erkenntnis zum Besten: „Negative Attribute verankern sich schneller als positive Attribute!“

Ein großer Themenblock befasste sich außerdem mit dem NÜRNBERGER BURGPOKAL und dessen Finale in der Frankfurter Festhalle, unterhaltsam dargestellt durch Christoph Hess, der im Gespräch mit Weltklassereiter und Festhallen-Turnierveranstalter Matthias Alexander Rath, Burg-Pokalsiegerin Andrina Suter sowie Nadja-Luise Worschech und Alina Voigt, beide voll in der Praxis stehende Pferdefrauen aus dem Hause der Nürnberger Versicherungen, den Nachmittag gestaltete, wobei er Entstehung Historie und Gegenwart beleuchtete. So war es interessant, zu erfahren, dass in den letzten Jahren allein zehn Finalisten aus dem Hause Rath-Linsenhoff kamen. Die meisten Finalteilnehmer stellte aus züchterischer Sicht der Oldenburger Sandro Hit, gefolgt von dem Hannoveraner De Niro, Weltmeyer, Rubinstein I, dessen Sohn Rohdiamant und De Niros Vater Donnerhall. Verteilt nach Hengstlinien, waren die meisten Finalisten der Donnerhall-Linie zuzuordnen. Claus Schridde

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