FN-Verbandstagung: Die Beitragserhöhung ist beschlossene Sache
Zu der diesjährigen FN-Verbandstagung luden am 2. und 3. Mai der Bayerische Reit- und Fahrverband, der Landesverband Bayerischer Pferdezüchter sowie der Bayerische Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen. Die FN-Verbandstagung stand in diesem Jahr unter einem besonderen Stern, da auf der Tagesordnung des zweiten Veranstaltungstages die Abstimmung über die monatelang emotional diskutierte Beitragserhöhung für jedes Mitglied eines Reitvereins sowie eines Zuchtverbandes auf dem Programm stand. Die letzte Erhöhung dieses Beitrags hatte es 2006 gegeben. Jahrelang konnte man auf Seiten der FN damit gut wirtschaften, seit der Pandemie zeichnete sich aber ab, dass der Finanz-Puffer, auf den die Deutsche Reiterliche Vereinigung bauen konnte, immer weiter abnahm. Zwar konnten seit 2020 in Summe rund fünf Millionen eingespart werden, dennoch sei eine Beitragserhöhung unumgänglich, hieß es von den Verantwortlichen. In den einzelnen Beiträgen wurde zum Teil emotional diskutiert, der Ausgang der Abstimmung war bis zum Schluss ungewiss.
Zur heutigen Abstimmung in München kamen 191 Stimmen aus Landesverbänden und Zuchtverbänden vor Ort zusammen, davon fielen 93 Stimmen in den Bereich Sport und 82 Stimmen in den Bereich Zucht. Zusätzlich waren 16 Delegierte der Persönlichen Mitglieder der FN stimmberechtigt. Erste Spannung kam auf, als eine Person vor Ort den Antrag auf eine geheime Wahl stellte. Dafür wurde eine einfache Mehrheit benötigt und letztendlich auch erreicht. 85 Personen waren für eine geheime Wahl, 82 Personen dagegen.
Die Verkündung des Wahlergebnisses leitete Präsident Hans-Joachim Erbel mit den Worten „Eine Odyssee geht zu Ende.“ ein. Das Wahlergebnis: 103 Stimmen sprachen sich für die Beitragserhöhung aus, 63 Stimmen dagegen, 24 Stimmen enthielten sich. Damit ist die Beitragserhöhung beschlossene Sache, 62 Prozent sprachen sich dafür aus. Präsident Hans-Joachim Erbel bedankte sich für das Wahlergebnis. „Ich möchte kein Versprechen geben, aber ich versuche alles Mögliche, dass es keine weitere Beitragserhöhung erst einmal geben wird.“ stellte er klar.
Rückblick
Bereits gestern hatten Beiräte Sport/DOKR, PM und Zucht einzeln getagt. Hier begrüßte der Vorsitzende des Beirats Zucht, Theodor Leuchten, die Anwesenden im Beirat Zucht. In einem kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr, welches geprägt war durch den Kriegsbeginn in der Ukraine und den damit verbundenen Kostensteigerungen in nahezu allen Lebensbereichen, konnten dennoch positive Bedeckungszahlen beobachtet werden. Trotz dieses Aufwärtstrends müsse die Prognose für die Zukunft vorsichtig getroffen werden. Wie sich der Markt an Pferden für den Amateur- und Freizeitbereich entwickle, sei ungewiss, Stichpunkte wie gestiegene Energiekosten oder GOT fielen hier. Wichtig sei daher umso mehr, der starke Schulterschluss zwischen Zucht und Sport.
Der Tagesordnungspunkt folgend wurde zunächst über einige Änderungen der LPO 2024 berichtet. Aus Zuchtsicht besonders spannend war ein Punkt, der auch umgehend für Diskussionen sorgte: Den Regelwerk der FEI folgend sind Stuten nach dem vierten Trächtigkeitsmonat sowie Fohlen führende Stuten nicht mehr an Prüfungen gemäß LPO startberechtigt. Damit soll sowohl die Gesundheit des ungeborenen Fohlens als auch die der Stute (ein Turnier bedeutet Stress) besser geschützt werden. Auch bei den Basis- und Aufbauprüfungen werden einige Änderungen in Kraft treten, beispielsweise wird es Gewöhnungsspringprüfungen (Höhenanforderungen gemäß der Klasse E) geben oder vermehrt auch Springpferdeprüfungen mit Clear-Round-Modus. Zur Gewöhnung junger Pferde an die Turnieratmosphäre sollen Starts außer Konkurrenz möglich sein, außerdem können Veranstalter Korrekturrunden, einen Probesprung oder Parcours- und Viereckbesichtigungen zu Pferd anbieten. Neu wird sein, dass die dreijährigen Pferde nur noch an 5 Pferdeleistungsschauen teilnehmen dürfen. Hierbei werden nicht die Starts, sondern die Veranstaltungen gezählt, heißt das Landeschampionat oder Bundeschampionat mit einer Qualifikation und einer Finalprüfung werden als eine Pferdeleistungsschau gezählt. Bernhard Feßler informierte über den aktuellen Stand zum Thema GOT, die keinen aktiven Tierschutz darstelle und erheblichen Schaden in Zucht und Sport anrichten könnte. Es gäbe aktuell andauernde Gespräche zum Thema. Turnierleiter Markus Scharmann stimmte auf die Bundeschampionate 2023 ein. Das Thema Eventisierung werde immer wichtiger und auch die Einbeziehung der regionalen Bevölkerung müsse weiter vorangetrieben werden. Es folgte der Tagesordnungspunkt Beratungs- und Beschlusspunkte. Hier herrschte bei den meisten Punkten Einigkeit. Über die genauen Abstimmungen informieren wir Sie in der Ausgabe 6/23 des ZÜCHTERFORUMS.