DSP Körung - Preisrekorde und Überraschungen
Jeweils acht Prämienengste in den Disziplinen Dressur und Springen, also 16 aus insgesamt 41 gekörten Hengsten, das war die große und vor allem großzügig bemessene Ausbeute der 21. DSP-Hengsttage in München-Riem.
Im Springen ließ sich die Erfolgsstory des Hauses Schadock (Heideblick-Wehnsdorf) weiterschreiben: Nach den Siegerhengsten der DSP-Körungen 2023 in Neustadt (Dosse) und München-Riem, nämlich Zimba (v. Zinedream) und Jack Blue (v. James Blue), war es nunmehr eine "Mischung" aus den beiden vorgenannten, nämlich erneut ein Sohn des James Blue, und zwar aus der Mutter des Zimba (v. Latour TN-Wunder Boy van de Zuuthoeve-Clinton) mit ursprünglich französischer Mutterlinie. Großformatig, vermögend springend und mit klarer Leistungsaussage, ging er als Boxennachbar in denselben Stall wie sein letztjähriger väterlicher Halbbruder: Richard Vogel, der in den USA weilt, schlug per Telefon zu und hatte ihn für 47.000 Euro gewissermaßen virtuell "am Strick". 1.000 Euro mehr als der letztjährige Sieger, also auch fast der gleiche Preis. Manche Dinge wiederholen sich eben - und das gleich auf vielfache Weise - schneller als man denkt. Der Sieger rangierte schließlich an vierter Stelle der Prämien-Preisskala.
Hoch gehandelt auf den Siegeslorbeer wurde auch der prämierte DSP-Sohn des Uricas van de Kattevennen (M. v. Chaman-Contender-Pessoa-Ehrentusch-General I-Report I-Realist, Westf. Stamm 284, Z. u. B.: Lea u. Antonius Schulze-Averdiek, Rosendahl), der einen faszinierenden Auftritt im Freispringen hatte, den Sieger preislich überholte und 52.000 Euro kostete.
Teuerster Springer war mit 85.000 Euro ein kraftvoll abdrückender, kugelrund springender und ungemein elastisch auftretender brauner OS-Sohn von Charthago Blue (M. v. Sir Shutterfly-Stolzenberg-Compliment-Glückspilz-Graphit-Gotthard-Landherr-Keith/T., Hann. Stamm 130/Anadyra I bzw. Julianca, Z. u. B.: Hendrik Niehe, Sieversdorf) Ihm folgte im Preisgefüge mit 53.000 Euro der Holsteiner Prämienhengst von Casall (M. v. Quo Vados-Corofino I-Lord, Holst. Stamm 3317, Z.: Hans-Peter Petersen, Tating, B.: SHK Horses, Lohne), der nach Österreich zugeschlagen.
Prämiert ohne Rangierung wurden Söhne der Hengste Cornet de Semilly, Crack, Grand Slam und Zinedream.
Der klare Favorit
Mochte es bei den Springhengsten noch angehen, dass man sich über den Sieger hätte streiten können, so beherrschte bei den Dressurhengsten ganz klar und eindeutig ein schwarzer Sohn des Springbank II (M. v. Dante Weltino-Sir Donnerhall I-Rohdiamant-Feiner Stern-Inschallah AA-Luciano-Vollkorn xx-Chronos, Oldbg. Stamm 189/Tambella, Z.: Franz Winklmaier, Buch am Erlbach, B.: Yara Reichert, Buch am Erlbach) das Geschehen. Jörg Schrödter im Einzelkommentar: "Ein beeindruckendes Pferd. So stellt man sich einen Hengst vor." Der war das meistbesprochene Pferd der Körtage. Umso überraschter war das Publikum dann, als statt seiner auf einmal der pompöse Fuchs von De Sandro (M. v. Domherr-Paradiesvogel-Kolibri-Laco-Cato-Frivol xx, Holst. Stamm 2456, Z.: Ariane Linneke, Gardelegen) als Sieger hereingebeten wurde. Keine Frage: Auch dieser Kandidat war mit Fug und Recht Prämienhengst, ein Hengst mit kräftigem Fundament, das Haltbarkeit verspricht, stabiler Oberlinie und erstklassigem Auftritt an der Longe. Dennoch kam er nicht an die alles überstrahlende Klasse des Springbank II-Sohns heran.
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Dass die Siegerhengste eine DSP-Identität haben sollen: Geschenkt! Die lag bei den Prämienhengsten in der Breite und auch durchaus in Varianz vor. Der Grund für die Rangierung war letztlich die Tatsache, dass der Fuchs verkäuflich war und der Rappe eben nicht. Nur sollte man dann für die Zukunft grundsätzlich kommunizieren, dass der Titel Siegerhengst nur im Falle der Verkäuflichkeit möglich ist, obwohl das bei einer Körung, die die vermeintlich Besten selektieren und auch nach vorne stellen soll, grundsätzlich nicht sein kann und darf. Bei der Siegerermittlung gegen die Favoriten zu entscheiden ist anderenorts zumindest ausder Mode gekommen.
Es geht letztlich auch um die Glaubwürdigkeit der Körkommission, und am Ende hat diese überaus unglückliche Entscheidung viel "Wasser in den Wein" gegossen, denn die 21. DSP-Hengsttage waren ansonsten eine durch und durch gelungene Veranstaltung, die mehr und mehr auf dem Wege ist, die Nummer eins in Deutschland zu werden.
Der Siegerhengst kostete immerhin 270.000 Euro. Preisspitze (620.000 Euro) wurde jedoch ein drahtiger, leichter und edler Hannoveraner Prämien-Fuchs von Vivino (M. v. Lauries Crusador xx-Weltmeyer-Landadel-Wendulan-Wettstreit-Don Camillo-Solarius xx, Hann. Stamm 79/Alpenpalme bzw. Festungszeit, Z.: Eberhard Wotte, Rhede, B.: Rainer Schepergerdes, Twist).
Lange Online-Duelle
Auch der zweite Hannoveraner Prämienhengst von Vivino (M. v. Sandro Hit-Weltmeyer-Abajo xx-Duft II-Ernö-Julius Caesar xx, Hann. Stamm 789, Z.: Ruth Bramlage, Sögel, B.: Carmen Freisel, Emsbüren) gehörte mit 245.000 Euro zu den Preisspitzen. Er war annähernd eine Viertelstunde in der Bahn, weil sich zwei Online-Bieter aus Bayern und Niedersachsen im bereits gehobenen sechsstelligen Bereich stets mit Tausender-Schritten zu überbieten pflegten, was dem Publikum in der Halle gehörig auf die Nerven ging.
Gleiches galt in ähnlicher Weise für den Sohn des Dream Boy (M. v. Fürstenball-Diamond Hit-Lauries Crusador xx-Don Juan-Graditz-Joachim-Dömitz I, Hann. Stamm 606/Imortelle, Z. u. B.: Dr.Jutta Steidl, Eichstätt), der 185.000 Euro kostete.
Von und Zu hat in diesem Jahr nach Prämienhengsten in Verden und Vechta (Sieger) auch einen prämierten Hochkaräter in München präsentiert: Gezogen aus einer Mutter von Lauries Crusador xx-De Niro-Glückspilz-Galvano-Varus-Remus II-Senator (Hann. Stamm 748/Oboe, Z.: Malte Klar, Bad Homburg, B.: IB Berger, Sulzbach-Rosenberg). Der typstarke und sich effektvoll bewegende Dunkelbraune brachte 100.000 Euro und soll auf dem Ferienhof Stücker im rheinischen Weeze in den Deckeinsatz gehen.
Sterne für den Süden
Nicht verkäuflich war der typstarke und herausragend galoppierende Prämienhengst von Va Bene (M. Charmeur-Lord Sinclair I-Mago xx-Allegro-Lockruf I/T.-Nestor, Holst. Stamm 1241, Z.: Thomas Müller, Otterfing), der als Boxennachbar seines Vaters auf der Station Wadenspanner zum Einsatz kommen wird. Auch der vom Gestüt Birkhof ausgestellte Prämien-Sohn des So Perfect (M. v. Dancing World-Rotspon-Lancier-Marconi-Cid-Wirbel II, Hann. Stamm 173/Aslaug, Z.: Johannes Gab, Rainau) stand nicht zum Verkauf.
Nie zuvor hatte München ein derartiges Preisgefüge im Dressursektor. Ein Blick in die Pedigrees - und das ist beileibe keine Lex München - zeugte allerdings manchmal von einer gewissen Einfallslosigkeit der Züchter, die das vermutlich genau anders herum sehen. Dreimal Donnerhall als Mindestmaß scheint inzwischen schon zum guten Ton zu gehören, mehrfach Sandro Hit und Rubinstein I sind ebenso obligat. Wo führt das hin?
Als bester Vorführer wurde Axel Antrack mit dem 300-Euro-Scheck des ZÜCHTERFORUMS, überreicht durch Hugo Matthaes, ausgezeichnet. Den Sonder-Ehrenpreis für das beste Longieren (in diesem Fall des Siegerhengstes) erhielt Arndt Schwierking (Barver), der erstmals in München dabei war, gegeben von der Firma Devoucoux. Genau wie das ZÜCHTERFORUM, so erscheint auch BAYERNS PFERDEZUCHT UND SPORT ebenfalls unter dem Dach der Matthaes Medien, und hier fungierte insoweit ebenfalls Verleger Hugo Matthaes als Preisstifter des erstmals vergebenen Schecks über 300 Euro für den "Best Groom", also den besten Pfleger. Diesen erhielt das Team Baune. Claus Schridde