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von Claus Schridde am Freitag, 12.04.2024 um 08:42

Großes Echo auf dem Dobrock- Zukunft der Weidetierhaltung

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Nie zuvor wurden so viele Weidetiere vom Wolf gerissen wie im letzten Jahr, als 1.400 Nutztierrisse zu beklagen waren. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Verletzungen in den letzten Jahren auf 10.000. Der Bezirksverband Stade e. V. im Hannoveraner Verband hatte daher unter Ägide von u. a. Uwe Wichers (Wingst) und Ira Hagemann (Stade) zu einem großen Austauschgespräch mit dem Titel „Zukunft der Weidetierhaltung“ in die Dobrock-Reithalle im Luftkurort Wingst (Kreis Cuxhaven) eingeladen und annähernd 2.000 Interessierte, darunter viele Opfer von Wolfsangriffen, waren dieser Einladung gefolgt.

Auf dem Podium saßen prominente Gäste. WELT-Herausgeber Stefan Aust, erfolgreicher Pferdezüchter, selbst im Elbe-Weser-Dreieck wohnhaft und als Lamstedter schon lange Jahre mit der Wolfsproblematik konfrontiert, als Gesprächsleiter und Moderator gut vorbereitet (u.a. mit einigen filmischen Sequenzen auf der großen Leinwand) und hat die Veranstaltung erwartungsgemäß souverän über die Bühne gebracht. Aust wörtlich: „Es ist ein ernstes Thema, das uns alle bewegt, die gesamt Landbevölkerung. Er hatte einige konkrete Fragen an den niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer vorbereitet. Meyer stellte in mehreren Gesprächssequenzen klar: „In Niedersachsen gibt es derzeit 55 Wolfsrudel, 44 wäre der Erhaltungszustand. Niedersachsen hat als Bundesland die zweitmeisten Wölfe bundesweit. Der Wolf ist nicht mehr bedroht.“ Mehrfach, gefühlt mindestens fünfmal, betonte Meyer, er habe letztens die Entnahme eines Problemwolfes angeordnet, diese Maßnahme habe dann allerdings das Gericht kassiert, mit der Begründung, man wolle den besenderten Wolf noch einige Zeit beobachten. Beängstigend ist die Reproduktionsrate: Bisher hat sich die Wolfspopulation alle drei bis vier Jahre verdoppelt. Die Kosten für den Herdenschutz hätten sich in Niedersachsen im letzten Jahr etwas mehr als sieben Millionen Euro belaufen.

Wolfsberater Michael Oloff sagte: „Die Politiker sind genau so beratungsresistent wie die Wölfe! Wir brauchen parteiübergreifend eine vernünftige Lösung!“ Der Präsident des Hannoveraner Verbandes, Dr. Hinni Lührs-Behnke erklärte: „Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge. Es ist ein im Hinblick auf das Tierwohl unerträglicher Zustand, bei dem der Wolf über alle anderen Lebewesen gestellt wird!“ Der Oberdeichgraf Dr. Albert Boehlke vom Deichverband Kehdingen-Oste: „Die Schafe sind unabdingbar nötig für den Deichschutz. Es wird immer schwerer, die Schäfer bei der Stange zu halten.“ Erst im letzten Jahr waren in seinem Einzugsgebiet bei einem Wolfsangriff in einer Nacht 55 Schafe gerissen worden.

David Mc Allister (Mitglied im EU-Parlament) war in Brüssel unabkömmlich und von dort aus zugeschaltet und konstatierte: „Die Situation ist nicht mehr tragbar. Immer nachträgliches Reagieren auf Nutztierrisse reicht nicht. Der Schutzstatus muss von streng geschützt auf geschützt gesenkt werden. Die EU-Mitgliedsstaaten sind am Zug einen entsprechemden Beschuss zu fassen.“ Dabei müssten 72 Prozent der Mitgliedsstaaten 65 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, so Mc Allister weiter.

Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes: Es ist ein Offenbarungseid, wie die Politik die Augen vor den Problemen verschließt!“ Deutlich wurde er in Richtung der Bundesumweltministerim Steffi Lemke, die im letzten Oktober vollmundig versprochen hatte, Anfang 2024 gebe es neue Regeln. „Ich spreche der Ministerin ab, dass sie etwas umsetzen will. Sie duckt sich weg!“ Und was die Bestandsregulierung angeht: „Mit uns hast keiner gesprochen. Und die Polizei soll aes ja sicherlich nicht machen!“ Kai Seefried, Landrat im Kreis Stade: „Passiert ist seitens der Umweltministerin gar nichts! Wir verlieren vor Ort jedes Vertrauen in der Bevölkerung!“ Aust schloss mit den Worten: „Die Politik  muss aufhören, der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. Rotkäppchen muss auch weiterhin auf dem Land leben können!“ Weitere Zitate und Fakten der Veranstaltung lesen Sie in der Print-Ausgabe am 5. Mai 2024. 

 

Foto: Schridde

Claus Schridde (Redaktion)

Zuchtexperte, Fachjournalist, Züchter und Pferdemann durch und durch, mit schier unendlichem hippologischem Fachwissen bereichert er jede ZÜCHTERFORUM-Ausgabe, auch als Richter und „Mikrofon-Stimme“ bestens in der Szene bekannt.

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