Horst Karcher zum 80. Geburtstag
Er ist einer der wichtigsten und international bekanntesten Pferdeexperten im Süden, obwohl er selbst nie richtig geritten ist: Horst Karcher, Besitzer und Gründer des Gestütes Dobel im Schwarzwald, Entdecker und bis zuletzt Besitzer des berühmten Schimmelhengstes Cento, feiert am Mittwoch, 4. Juni, seinen 80. Geburtstag. Der Unternehmer aus Birkenfeld bei Pforzheim ist ein besonderer Mensch.
Horst Karcher redet nicht so gerne. Er ist ein Macher. Und er hat, was den Pferdesport angeht, einfach ein Händchen für die richtigen Pferde und die richtigen Menschen. Da ist er ein Naturtalent. Geboren im Schwarzwald, wenige Wochen nach Kriegsende, wuchs er in einer Zeit auf, in der Mut, Fleiß und Kreativität gefragt waren und honoriert wurden. Mit 23 Jahren gründete er seine erste eigene Firma, handelte mit Produkten der Elektronik-Branche, investierte selbst in Produktionsanlagen, nutzte die aufstrebende Zeit des Wirtschaftswunders, baute die Karcher AG zu einem florierenden Unternehmen auf. Er ist bis heute im Geschäft. Einer wie er kennt keinen Ruhestand.
Pferde zu besitzen, sie zu fördern, zu züchten und zu organisieren, war sein Wunsch. Horst Karcher ist auf dem Land aufgewachsen, Pferde gab es dort überall. Aber er war auch Geschäftsmann. Pferde als Hobby, konnte er sich also eher nicht vorstellen. Eher als Geschäft. So stieg er in die Hengsthaltung ein, früh ausgestattet mit einem untrüglichen Blick, der bis heute bewundert wird. "Beim ersten Hingucken erkennt er die Qualität eines Pferdes", bescheinigt Pferdewirtschaftsmeister und Ausbilder Olaf Peters, den Karcher im Jahr 2003 als Gestütsleiter für sein Gestüt anheuerte. Es heißt bis heute schlicht "Dobel", wie der Berg, auf dem es liegt.
Olaf Peters, der in den 80er-Jahren aus dem Rheinland nach Baden-Württemberg kam, eigentlich aus einem Dressurstall, ist bis heute der einzige Reiter, der in einem Jahr die Landesmeisterschaften der Springreiter und das Hallenchampionat in der Stuttgarter Schleyer-Halle gewinnen konnte; das echte Double. Ein echter Profi, korrekt und ehrlich. Die beiden Männer verbindet viel.
Im Jahr 1989 hatte Horst Karcher das idyllisch gelegene Gestüt erworben. Im selben Jahr kam in Schleswig-Holstein ein Hengstfohlen zur Welt, Capitol I x Caletto II, das Pferdesportgeschichte schreiben sollte. Später wurde es Cento getauft, 1992 von Horst Karcher aus Birkenfeld als Junghengst gekauft. Seither hieß der Schimmel Dobels Cento, so wie Bond eben James Bond. Die Geschichte ist bekannt. Und wieder bewies Horst Karcher sein spezielles Händchen und seinen Blick für Menschen und Pferde. Er bot den Hengst dem heutigen Springreiter-Bundestrainer Otto Becker an, der sich gerade selbstständig gemacht hatte. Die beiden wurden zum Erfolgspaar. Olympiasieger, Weltcup-Sieger, Sieger im Großen Preis von Aachen. Und Horst Karcher lag wieder einmal richtig, dass man mit dem richtigen Pferd und dem passenden Plan auch viel Geld verdienen kann. Als Cento, Dobels Cento, im Jahr 2006 aus dem Sport verabschiedet wurde, hatte er über eine Million Preisgeld zusammengesprungen.
Decktaxe nicht mitgerechnet. Denn der Schimmel wurde zum prägenden Vererber seiner Zeit, vergleichbar am ehesten mit einem For Pleasure oder einem Donnerhall in der Dressur. 730 direkte Nachkommen im Turniersport, rund 20 gekörte Hengste. Cento wird man noch lange spüren.
So gibt es wenige Menschen, die auf den Springsport der vergangenen 30 Jahre mehr Einfluss hatten als dieser Pferdemann aus dem Schwarzwald, der selbst nie ein Reiter war. Aber Ehre, wem Ehre gebührt. Und multos annos, Horst Karcher!