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von Tobias Hemken am Donnerstag, 09.10.2025 um 19:55

Absage Ponyforum Hengsttage: Interview mit Geschäftsführer Christian Tschoepke

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Wie wir vor wenigen Tagen berichteten, hat die Ponyforum GmbH die Ponyforum Hengsttage 2025 abgesagt. Grund dafür ist die zu geringe Anzahl an für die Vorauswahlen angemeldeten Hengsten. In diesem Zuge haben wir Geschäftsführer Christian Tschoepke zu den Hintergründen, möglichen neuen Ansätzen und weiteren Perspektiven befragt.

Die Ponyforum Hengsttage haben in der Züchterszene einen festen Platz. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung zur Absage gefallen?
Christian Tschoepke: „Uns ist die Entscheidung sehr schwergefallen. Unsere Vision war es, den Züchtern für jede Lebensphase ihres Ponys ein Vermarktungsevent anzubieten. Die Ponyforum Hengsttage gibt es schon seit 15 Jahren. Angefangen haben wir in Neumünster, waren dann viele Jahre in Alsfeld zuhause. Nach dem Verkauf dieser Anlage hatten wir nun mit Wickrath einen perfekten Standort mit einem super engagierten Pferdestammbuch als Partner vor Ort gefunden.

Aber auch die Ponyforum Hengsttage veranstalten wir nicht um ihrer selbst willen. Unser Anspruch ist es, den Ausstellern der Hengste neben der Körung eine optimale Vermarktungsplattform zu bieten. Der Unterschied zu allen Verbandskörungen liegt bei uns darin, dass alle vorgestellten Hengste auch verauktioniert werden. Wir sind der festen Überzeugung, dass ein attraktives Lot an Hengsten neben der Qualität der einzelnen Körkandidaten auch eine Mindestanzahl an Teilnehmern vorweisen muss. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass hier eine Anzahl von mindestens 25 Teilnehmern vor Ort vorhanden sein muss, damit ein attraktives Angebot für Kaufinteressenten besteht.

Als wir in diesem Jahr nach dem Anmeldeschluss erkennen mussten, dass wir diese benötigte Anzahl an kör- und vermarktungsfähigen Hengsten nicht erreichen werden, haben wir tatsächlich zum Schutz der Aussteller die Veranstaltung abgesagt.“

Wie haben die Aussteller und Züchter auf die Nachricht reagiert?
„Natürlich war insgesamt bei den Ausstellern eine große Enttäuschung zu spüren, besonders bei unseren langjährigen, treuen Beschickern, die dieses Event mit uns zusammen aufgebaut und weiterentwickelt haben. Fast alle hatten aber absolutes Verständnis für die Absage und konnten unsere Gründe nachvollziehen!“

Sie nennen mehrere Gründe für die rückläufigen Anmeldezahlen. Welcher Faktor war Ihrer Meinung nach der ausschlaggebendste?
„Die Gründe sind bestimmt vielfältig und es ist schwer, diese zu priorisieren. Bei der Entstehung der Ponyforum Hengsttage wurde von Seiten der Ponyforum Mitgliedsverbände beschlossen, dass jeder an der Körung teilnehmende Hengst auch anschließend an der Auktion teilnehmen muss. Das Ziel war es, mit dieser Regelung eine klare Abgrenzung zu den Verbandskörungen zu schaffen. Dieser Verkaufszwang führt klar zu einer Einschränkung der Teilnehmerzahl.

Den Beschickern der Ponyforum Hengsttage entstehen im Vergleich zu anderen Körungen somit auch höhere Kosten im Vorfeld, denn abweichend von den Warmblutkörungen gibt es bei den Reitponykörungen nämlich generell keine Röntgenuntersuchungen der Hengste. Bei den Ponyforum Hengsttagen hingegen schon. Eine umfassende tierärztliche Untersuchung - sowohl klinisch als auch röntgenologisch - ist hier unabdinglich und übersteigt natürlich die Kosten eines kurzen Attests, wie es bei den anderen Reitponykörungen verlangt wird. Verbunden mit den Foto- und Videokosten und den Kosten für die Onlineauktion kommen bei uns rund 800 Euro im Vorfeld zustande, die jeder Aussteller zu seinen regulären Kosten zu tragen hat. Dies hat mit Sicherheit dazu geführt, dass der ein oder andere Aussteller seine Teilnahme überdacht hat.

Für uns war und ist es essentiell, immer mit „echten“ Preisen zu arbeiten. Alle von uns veröffentlichten Verkaufspreise sind reell. Wir sind uns auch niemals zu schade, ein nicht verkauftes Pony als solches zu kennzeichnen. Unsere Auktionsergebnisse werden nicht geschönt und nur die wirklich verkauften Ponys werden auch so veröffentlicht. Das holt dann oftmals Ponyfans auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn nicht nur Traumpreise beschrieben werden, sondern reelle Preise, die der aktuelle Markt wirklich hergibt. Unsere Aussteller wurden oft von der Wirklichkeit am Markt eingeholt und einige Preisillusionen platzten. Die Verkaufsquoten unserer Hengsttage lagen immer bei 60 bis 80 Prozent, was wir auch immer nach den Veranstaltungen so kommuniziert haben. Die für uns so wichtige Transparenz und Ehrlichkeit tut halt manchmal weh.

Des Weiteren kommt hinzu, dass wir mit der Weiterentwicklung der mittlerweile monatlich stattfindenden Youngsterauktionen selbst ein alternatives Vermarktungsangebot zu den Ponyforum Hengsttagen anbieten. Im laufenden Jahr wurden so bereits 25 junge Reitponyhengste erfolgreich vermarktet, die sicherlich unser Hengstlot hervorragend ergänzt hätten. Selbstkritisch müssen wir aber vielleicht auch erkennen, dass wir wahrscheinlich zu spät erkannt haben, dass gerade im Bereich der Hengstvermarktung auf einer Körung eine Live-Auktion, wie wir das vor einigen Jahren noch selbst durchgeführt haben, mittlerweile bei den Beschickern eine höhere Präferenz hat.“

Hat sich das Bewerberverhalten in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, wie?
„Nein.“

Viele Zuchtverbände bieten inzwischen eigene Kör- und Verkaufsveranstaltungen an. Wie verändert das die Rolle der Ponyforum GmbH im Markt? Sehen Sie hier eher Konkurrenz oder mögliche Kooperationsansätze?
Sie sprechen auch von einem neuen Konzept. Können Sie das etwas genauer erläutern?

„Mit der Gründung der Ponyforum GmbH vor 20 Jahren durch elf der zwölf aktiven deutschen Zuchtverbände wurde uns zur Aufgabe gemacht, für die Züchter bis dahin nicht bestehende Vermarktungsmöglichkeiten für Ponys zu entwickeln und durchzuführen. Diesen Auftrag erfüllen wir mit mehr als 30 Auktionen im Jahr. Die Zuchtverbände sind Gesellschafter der Ponyforum GmbH und nicht unsere Konkurrenz!

In der Regel bieten nur Zuchtverbände, die sowohl Reitponys als auch Warmblüter und andere Rassen betreuen, Vermarktungsveranstaltungen an. Diese Veranstaltungen gibt es schon seit vielen Jahren und wir haben sie nie als Konkurrenz zu unseren Veranstaltungen angesehen. Wir haben unsere Aufgabe vielmehr darin gesehen, den reinen Ponyzuchtverbänden eine vergleichbare Plattform anzubieten. Und genau diesen reinen Ponyzuchtverbänden unterbreiten wir zukünftig ein maßgeschneidertes Vermarktungsangebot für ihre eigenen Körplätze. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis, dass wir diese Konzepte erst mit den Verbänden erörtern möchten, ehe wir sie im Detail öffentlich machen.“

Sehen Sie die Absage der Hengsttage als einmalige Maßnahme oder könnte dies ein dauerhafter Strategiewechsel sein?
„Wir haben in den letzten 20 Jahren unsere Vermarktungsstrategien immer wieder angepasst. Das führt auch dazu, dass liebgewonnene Veranstaltungsformate nicht mehr fortgeführt wurden und durch neue, an den Markt angepasstere Formate ersetzt wurden. Die logische Konsequenz hieraus ist, dass die Ponyforum Hengsttage für uns nun leider Geschichte sind, auch wenn diese Veranstaltung sicherlich eines der größten Herzensprojekte der Verantwortlichen war.

Das erste Feedback einiger Verbandsvertreter auf unser neues Konzept war absolut vielversprechend und hat uns ermutigt, dieses neue Projekt der Hengstvermarktung nun mit Vollgas anzugehen!“

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Ponyzucht und Hengstvermarktung in Deutschland?
„Es ist vollkommen egal, was wir uns wünschen. Am Ende müssen die Ponyzüchter auf den bundesweiten Ponyhengstkörungen attraktive Vermarktungsmöglichkeiten haben. Dies ist ein Teil unserer Aufgabe und unser Ziel für die Zukunft.“

Tobias Hemken (Redakteur)

Seine Leidenschaft für Pferdezucht, Reitsport und die Partnerschaft mit dem Pferd prägen seinen Werdegang. Nach dem Studium des Equine Business Managements in den Niederlanden war er fast zehn Jahre als Redakteur im Bereich Pferdezucht tätig. In dieser Zeit entdeckte er nicht nur seine Begeisterung für Abstammungen und Pedigrees, sondern auch seine kreative Ader. Seit seinem zehnten Lebensjahr sitzt er im Springsattel und hat sich mittlerweile auch eine eigene kleine Zucht aufgebaut. Im Mittelpunkt steht für ihn dabei stets das Pferd als treuer Partner und sportlicher Begleiter.

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