„Die meisten Freudentränen sind geflossen, als wir gehört haben, wo sie hingeht.“
Sie sorgte bei der diesjährigen Westfälischen Herbst-Auktion für Furore. Die Rede ist von der bewegungsstarken vierjährigen For Hope. Mit einem Spitzenpreis von 355.000 Euro avancierte die For Romance-Tochter zur unangefochtenen Preisspitze. For Hope wird künftig ihre Box bei Familie Werndl in Aubenhausen beziehen.
For Hope v. For Romance I a.d. Fiadora v. Fürst Wilhelm-Surprice-Samarant-Ginsberg I-Hohenstein I/Trak.-Damnatz I-Kurier-Don Carlos stammt aus der Zucht der Zuchtgemeinschaft Wierling aus Senden im Münsterland. Die Westfalen Stute führt gleich sechsfach das Blut des legendären Donnerhall in ihrem Pedigree sowie vierfach Stempelhengst Sandro Hit. Vor einigen Monaten absolvierte die vierjährige Tochter des For Romance I ihre Stutenleistungsprüfung mit einer Endnote von 8,48. Die Richter attestierten der Stute für den Trab und Galopp die Note 9,5. Ihre Mutter Fiadora v. Fürst Wilhelm beendete ihre Stutenleistungsprüfung mit einer Endnote von 8,41 und wurde Reservesiegerin der Elite-Schau 2020. Großmutter Skyline v. Surprice ist die Schwester des gekörten Vererbers Fontaine TN v. Finest von der niederländischen Hengststation Team Nijhof.
Hinter der Zuchtgemeinschaft Wierling stehen Gabriele und Mark-André Ridder. Der Name Wierling blickt auf eine lange Zuchttradition zurück: Bereits der Vater von Gabriele Ridder (geb. Wierling) züchtete erfolgreich Pferde. Es ist daher kaum verwunderlich, dass die Eheleute Ridder die Zucht unter diesem traditionsreichen Namen fortführen. Jedes Jahr erblicken rund sechs Fohlen auf dem Hof der Familie das Licht der Welt.
Wir haben mit den Eheleuten Ridder über ihre Stute For Hope, Anpaarungsentscheidungen und dem modernen Dressurpferd von morgen gesprochen.
Was zeichnet For Hope aus?
Gabriele und Mark-André Ridder: „Am meisten zeichnet For Hope ihr außergewöhnlicher Charakter aus. Sie hat den Willen, immer alles richtig machen zu wollen. Genau das lässt das Reiten dann so leicht und fein aussehen.“
Wieso haben Sie sich für die Anpaarung Ihrer Fürst Wilhelm-Tochter mit For Romance I entschieden?
„Das war damals ihr erstes Fohlen. Wir haben sie im Alter von drei Jahren decken lassen. Da die Stute recht groß ist, suchten wir gezielt nach einem eher feinen Hengst, um die erste Geburt möglichst unkompliziert zu gestalten. So sind wir schließlich auf For Romance I aufmerksam geworden.“
Sowohl For Romance I als auch Fürst Wilhelm gehen auf Fürst Heinrich zurück. Haben Sie das bewusst entschieden?
„Wenn wir ehrlich sind, ist uns erst nach der Geburt des Fohlens aufgefallen, dass die Anpaarung recht ingezogen war. Unsere Entscheidung damals basierte ausschließlich darauf, einen passenden, feinen Hengst für die junge Stute zu finden. Erst als das Fohlen da war, meinte meine Frau: ‚Da haben wir aber ganz schön ingezogen.‘“
Wie sah der bisherige Werdegang von For Hope aus?
„For Hope ist bei uns behutsam aufgewachsen. Anfang ihres vierten Lebensjahres haben wir sie zu Hause schonend angeritten. Anschließend stellten wir sie Anfang Juni nach Münster-Handorf ins Pferdezentrum, wo Julian Fetzer und sein Team den Beritt übernahmen. Dort wurde sie mit viel Ruhe und täglichem Weidegang zunächst sorgfältig auf die Stutenprüfung vorbereitet und im Anschluss weiter auf die Auktion.“
Was ist das Besondere an Mutter Fiadora?
„Zu Fiadora gibt es eine schöne Geschichte: Fiadora haben wir seinerzeit auf Empfehlung unseres damaligen Auktionators Bernd Richter bei der Fohlenauktion in Münster-Handorf von der Familie Fockenberg ersteigert. Der Plan war, sie frühzeitig in die Zucht zu nehmen als Verstärkung für unsere Stutenriege.
Als sie dreijährig war, haben wir sie angeritten. Sie präsentierte sich von Anfang an außergewöhnlich gut. Erst nachdem sie bereits von For Romance I tragend war, habe ich überhaupt jemandem ein Video von ihr gezeigt, weil meine Frau befürchtete, ich könnte sie sonst verkaufen. Während ihrer Stutenprüfung bekam ich schließlich eine WhatsApp von Thomas Münch: „Die geht aber zur Auktion.“ Da musste ich ihm natürlich absagen, denn sie war ja tragend, und damit war der Plan meiner Frau aufgegangen. Fiadora absolvierte eine überragende Prüfung und wurde Reservesiegerstute. Seitdem gehört sie fest zu unserer Zuchtstutenriege.“
Gibt es Parallelen zu ihrer Mutter?
„Die beiden Stuten sind sich schon sehr ähnlich in allem. Fiadora, die Mutter, war dreijährig, zwar recht groß, aber dennoch fein. Auch im gesamten Ablauf sind sie sich schon sehr, sehr ähnlich.“
Worauf legen Sie bei Anpaarungsentscheidungen großen Wert?
„Grundsätzlich vertrauen wir unseren Stuten. Wenn man gute Stuten hat und sie sorgfältig selektiert werden, kann man durch den Hengst nur noch Kleinigkeiten verbessern. Wir glauben jedoch nicht, dass ein Hengst grundlegende Eigenschaften komplett verändern kann. Bei jeder Anpaarung überlegt man sich natürlich etwas, aber grundsätzlich verlassen wir uns auf die Qualität unserer Stuten.“
Was zeichnet für Sie ein modernes Dressurpferd von morgen aus?
„Dieses besondere Leichtfüßige, das auch For Hope zeigt. Ein Pferd, das mit minimalem Aufwand und wenig Hilfen geritten werden kann und trotzdem das Reiten leicht, fein und harmonisch erscheinen lässt.“