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von Thomas Hartwig am Mittwoch, 01.04.2026 um 06:00

FN lernt dank KI dazu

Dank KI-gestützter Technik kann auf die Exterieur-Beurteilung ohne Sattel der Drei- und Vierjährigen bei den Bundeschampionaten zukünftig verzichtet werden.  /  © Thomas Hartwig

Bundeschampionate und Wegfall der Exterieur-Beurteilung

Groß war vor einigen Wochen der Aufschrei in der Fachszene, als die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) verkündete, dass in den Reitpferdeprüfungen der Drei- und Vierjährigen bei den Bundeschampionate die Exterieur-Beurteilung ohne Sattel zukünftig wegfallen soll.

Doch die FN hat ungewohnt schnell auf die berechtigten Proteste reagiert und dazu gelernt. Dank Künstlicher Intelligenz (KI). Forscher der Technischen Hochschule Aachen sowie der Tierärztlichen Hochschule in Hannover haben jetzt in Zusammenarbeit mit der FN eine revolutionäre Methode entwickelt, die die Exterieur-Beurteilung mit Sattel und Reiter sogar in der Bewegung ermöglicht.

So werden bei den Bundeschampionaten 2026 die drei- und vierjährigen Pferde in der laufenden Prüfung von einem 3D-Scanner erfasst, der ganz ähnlich wie die Scanner bei der Gepäckkontrolle an den Flughäfen funktioniert. Dabei werden Reiter und Sattel von einem KI-gestützten Programm ausgeblendet und nur das komplette Exterieur des Pferdes wird erfasst. In einem Datenpool, der aus den Scanner-Bildern von bereits mehr als 10000 gescannten Pferden besteht, werden die Abweichungen vom Ideal-Exterieur ermittelt und innerhalb weniger Sekunden als Wertnote ausgerechnet. Dr. Andreas B. Scheuert, Leiter der neu geschaffenen KI-Abteilung der FN, zeigt sich nach ersten Versuchen begeistert: „Die zugrunde liegende Datenmenge ermöglicht Exterieur-Beurteilungen, die viel exakter sind, als die Entscheidungen die die Reitpferderichter bisher getroffen haben. Speziell Exterieur-Abweichung an den Extremitäten oder den Hufen werden deutlich besser erfasst als durch das menschliche Auge.“ Doch die neue KI-gestützte Technik kann noch viel mehr, wie Scheuert verrät: „Läuft der Einsatz bei den Bundeschampionaten 2026 zufriedenstellend ab, wovon ich überzeugt bin, können wir ab 2027 mit Hilfe dieser Technik noch eine weitere, wertvolle Aussage tätigen. Die so gewonnenen Exterieur-Daten werden dahingehend überprüft, ob das erfasste Exterieur eine Ausbildung des Pferdes bis hin zum Grand Prix-Niveau in gesundheitlicher Hinsicht zulässt oder ob es Anzeichen dafür gibt, dass Exterieur-Auffälligkeiten die Ausbildung des Pferdes auf dieses Niveau aus gesundheitlichen Gründen fraglich oder risikobehaftet macht. Die so gewonnenen Daten werden natürlich aus Datenschutzgründen nur den Besitzern zugänglich gemacht.“

Thomas Hartwig (Redaktion)

Freier Pferdesportjournalist, der stets mitten im Geschehen ist und bei seiner Berichterstattung kein Blatt vor den Mund nimmt.

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