Weltcup-Finale: Kent Farrington siegt, zwei Deutsche unter den Top5 und ein versöhnliches Ende für Richard Vogel
Spannender als jeder Krimi: Die FEI World Cup Finals in Fort Worth fanden am Sonntag ihren Abschluss im Finale der Springreiter. Dabei machte es der bislang Führende Kent Farrington mit seiner Greya noch einmal gewaltig spannend. Aus deutscher Sicht gab es schlussendlich ein (fast) gutes Ende.
Gewisse Hoffnung
Zunächst einmal muss man Parcourschef Anderson de Moura Lima ein Lob aussprechen: Ihm war es gelungen an allen Tagen faire Parcours mit dem für ein Weltcup-Finale passenden Schwierigkeitsgrad zu gestalten. Er ließ auch die Reiter, die vielleicht nicht jedes Wochenende einen Fünf-Sterne-Parcours meistern, gut aussehen. Doch nun zum Finale: Kent Farrington war mit einer weißen Weste in den Finaltag gestartet. Sollte seine bei Wilfried Sandmann in Niedersachsen geborene Colestus-Tochter Greya ihren bestechenden Eindruck bestätigen? Die Antwort ist jein. In einer erneut starken Runde der beiden fielen sie einem auf einer gebogenen Linie platzierten Steilsprung „zum Opfer“. Die Planke fiel und damit durfte sich der bis dato in der Gesamtwertung Zweitplatzierte Daniel Deußer Hoffnung auf einen Gesamtsieg machen. Sein Otello de Guldenboom, ein Sohn von Deußers Tobago Z, sprang gewaltig und gab einmal mehr 200 Prozent. Der Lohn: Eine fehlerfreie Runde im A-Finale am Finaltag. Diesen Eindruck bestätigten die beiden auch im B-Finale und setzten mit einer weiteren tadellosen Nullrunde Kent Farrington gewaltig unter Druck. Der US-Amerikaner durfte sich nun zwei Zeitfehler leisten, aber keinen Abwurf. Tat er Daniel Deußer den „Gefallen“ und ermöglichte ihm nach 2014 erneut einen Gesamt-Weltcup-Sieg? Die Antwort ist ganz klar nein. Kent Farrington ist bekannt für seine Nerven aus Stahl und über die Qualitäten von Greya muss man nicht sprechen. Völlig routiniert, fast schon am kleinen Finger, schnurrten sie sich durch den Parcours und sicherten sich verdient den Sieg. „Ich hatte am Ende ganz schön viel Druck durch den einen Abwurf in der ersten Runde heute. Das war natürlich nicht so schön. Aber zum Glück hat Greya wieder bewiesen, wie unglaublich sie ist, und in Runde zwei blieb dann auch alles liegen“, resümierte Kent Farrington. Auch Daniel Deußer zeigte sich natürlich hochzufrieden: „Ich bin total happy. Otello hat sich in den vergangenen Monaten großartig entwickelt. Ich bin einfach superstolz auf ihn!“ Er gestand, dass er sich vor dem Weltcup-Finale nicht ganz sicher war, ob er schon die Kraft für drei Prüfungstage auf diesem Niveau hat. Der zwölfjährige Hengst hat jedoch unterstrichen, dass er ein zukünftiges Championatspferd ist. Fast schon in einem Schockzustand, aber im positiven Sinne, befand sich die US-Amerikanerin Katherine A. Dinan. Ihr gelangen mit Out of the Blue am Finaltag zwei fehlerfreie Runden, womit sie in der Gesamtwertung das Podest komplettierte. „Ich stehe noch unter Schock. Diese Reiter waren immer meine Idole und nun stehe ich neben ihnen auf dem Podium“, resümierte sie überglücklich.
Auch Rene Dittmer und Cody setzten mehrere Ausrufezeichen, wobei sie am Ende für ihre bärenstarke Leistung über alle Tage hinweg nicht ganz belohnt wurden. Am Finaltag kassierten sie lediglich im A-Finale einen Zeitstrafpunkt, im B-Finale wurde es eine tolle Nullrunde. Am Ende hatte er, genauso wie Dinan, neun Strafpunkte auf seinem Konto. Katherine A. Dinan verfügte aber über die schnellere Zeit, weshalb Dinan Dritte wurde und Dittmer sich mit dem undankbaren vierten Platz zufriedengeben musste. Die beiden hätten einen Platz auf dem Podest wahrlich verdient, wenngleich sie sich gerade mit Blick auf kommende Championate für weitere Aufgaben empfohlen haben. Platz fünf holten Kevin Staut und Visconti du Telman vor Steve Guerdat und Albuehren’s Iashin Sitte.
Sieg zum Abschluss
Das kann man auch für Richard Vogel und Gangster Montdesir sagen. Der zehnjährige Kannan-Sohn präsentierte sich über alle Tage in bestechender und vor allem vielversprechender Form. Nur lag einfach nicht das letzte Quäntchen Glück auf ihrer Seite oder wie es Richie Vogel selbst beschrieb: „„Er gibt immer mehr als 100 Prozent und ich bin ihn einfach schlecht geritten.“ Nach ärgerlichen Abwürfen an den ersten Tagen, gelangen den beiden am Finaltag zwei tadellose Nullrunden, die schlussendlich mit dem Sieg im Einzelspringen am Sonntag belohnt wurden. „Ich bin erleichtert, dass ich ihm heute zwei gute Runden schenken konnte. Seine Qualität ist außergewöhnlich. Er hat gezeigt, dass er ein Championatspferd ist“, resümierte Richard Vogel. Nach dem Weltcup-Finale kann aus deutscher Sicht mit Sicherheit ein positives Fazit gezogen werden. Außerdem steht fest, dass Bundestrainer Otto Becker in den nächsten Wochen keinen leichten Job haben wird. Bei der Auswahl des Teams für die bevorstehende „Heim-WM“ in Aachen hat er wahrlich die Qual der Wahl.