Bundeschampionate Fahren in Moritzburg
Heimspiel bei den Ponys
Der Final-Sonntag beginnt bei den Moritzburger Championatstagen traditionell mit der rasseübergreifenden Geländeprüfung der sechs- und siebenjährigen Fahrpferde. Bei den Ponys kam es zu einem Heimspiel für ein Duo aus dem Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen. Bettina Winkler (RFV. Gestüt Bretmühle) und der in Sachsen-Thüringen gezogene braune Wallach Ninnolo (v. Numero Uno-Be Happy, Z.: Jürgen Leuteritz, Penig) lieferten schon in der Dressurvorstellung am Vortag eine tolle Vorstellung mit hohen Noten ab (8,50) und bauten diesen Vorsprung im Gelände sicher aus. wobei trotz Abwurf eines Balls und dem damit verbundenen Abzug von 0,2 Punkten der Titel nicht in Gefahr war. Für seine Fahrerin Bettina Winkler war es der 15. Bundeschampionatstitel.
Zweite war die sechsjährige bayerische Ponystute Midnights Brianna (v. D-Power At-Hot Cream, Z.: ZG Mitnacht) mit Manuela Mitnacht. Die Geländedarstellung wurde mit der höchsten Bewertung honoriert. Den Bronzerang belegte Dr. Hans-Georg Röper (ZRFV. Mastholte) mit dem Rheinländer Chevalier’s Best of Magic (v. Paddock Chevalier-Movie Star, Z.: Volker Tabak). Auf den Plätzen folgten der sechsjährige in Weser-Ems gezogene Wallach Nottingham WE (v. Crown Notting Hill-Constantin, Z.: Tina Jost) mit seiner Besitzerin Saskia Oskamp (Fahr- u. RV. Wettringen), der niederländische Welshponywallach Ploeg Salvador (v. Spoorzichts Jupiter-De Goede Ree Now or Never, Z.: P. Ploegmakers) mit seinem Besitzer Daniel Müller und die in Hessen gezogene Edelbluthaflingerstute Naomy M (v. Wyno-Nantano, Z.: ZG Birgit und Robert Müller) mit Birgit Müller (RJFV. Weiten Gesäß).
Start-Ziel-Sieg für Hannover
Ein kleines, aber feines Starterfeld mit vier Kandidaten kam bei den vier- und fünfjährigen Fahrpferden zur Präsentation. Vier Warmblüter präsentierten sich, darunter ein Hannoveraner, zwei Mecklenburger und ein Trakehner. Dabei landete der fünfjährige Hannoveraner Wallach Bangor (v. Best of Gold-Royal Hit-Prince Thatch xx-Gigant-Adlerfarn II-Duft I-Markant, Hann. Stamm 692/Lobelle, Z.: Jörn Wedermann) mit seiner Besitzerin Lea Marie Hemken (Ammerländer Reitclub) einen Start-Ziel-Sieg, gewannen sowohl die Qualifikation als auch das Finale. Fremdfahrer Christian Koller zückte die Traumnote 9,8. Mit deutlichem Abstand folgte dann der fünfjährige Mecklenburger Rappe Fidibus B (v. Finest-Sancisco-Lord Kemm-Lomber-Juon I-Mars-Alberto, Z. u. B.: Jörg Bluhm) mit Tom Eichler (Reitverein To der Wese). An dritter Stelle rangierte die fünfjährige Trakehner Schimmelstute Sonina (v. Göteborg-Nerv-Caprimond-Alarm III-Modus xx-Almanach, Trak. Fam. O19A1 Samona-Gestüt Ganschow , Z.: Peter Haidan) mit Michelle Bloßfeld (Pferde SV Graditz), gefolgt von einem weiteren Mecklenburger Rappwallach, allerdings vierjährig: Mimikry E (v. Morricone I-Secret-Casaretto-Largos-Guam-Infant, Z. u. B.: Tom Eichler) mit Franziska Wüstenhagen (Reitverein To der Wese).
NRW-Landbeschäler mit Aufholjagd
Bei den sechs- und siebenjährigen Fahrpferden ging ein sehr qualitätvolles Quartett junger Talente an den Start. Hier gelang dem der ausdrucksstarken, schwarzen Warendorfer Landbeschäler Litus (v. Licosto-Rockwell-Darlington-Gigant-Ducker, Westf. Stamm 272, Z.: ZG Klein und Mömesheim), präsentiert von Dominik Lübbecke (RV Vorhelm-Schäringer Feld) ein Meisterstück: Nach Platz drei der Qualifikation setzte er sich nach Final-Dressur inclusive Kegelfahren mit einem kleinen Vorsprung an die Spitze des Feldes und erhielt im Gelände gleich viermal die Note 9,0. Damit war der Weg zum Champion frei, sehr zur Freude des Warendorfer Landstallmeisters Dr. Felix Austermann, der dem Hengst und seinem Fahrer vor Ort die Daumen drückte.
Mit etwas Abstand folgte der siebenjährige imponierende braune Oldenburger Wallach Easy-E (v. Escamillo-Foundation-Day Dream-Argentinus-Königstreuer xx-Furioso II-Vollkorn xx, Oldbg. Stamm 104/Goletta, Z.: Marco Trier) an den Leinen von Antonio Wehe (RV. Freden Rittergut Esbeck/Niedersachsen) auf Platz zwei. Rang drei ging an Karl-Heinz Finkler (Klötze/Sachsen-Anhalt) mit der in Rheinland-Pfalz-Saar gezogenen braunen DSP-Stute La Jolie (v. Lord Leopold-Bentley-Licotus-Rubinstein I-Ramino-Welt As-Luciano, Oldbg. Stamm 136/Lucie, Z.: ZG Harald u. Pia Finkler), die die Qualifikation gewonnen hatte. La Jolie (zu Deutsch: Die Hübsche) resultiert aus demselben Mutterstramm (polnischen Ursprungs), der auch die bekannten Hengstbrüder Sandro Hit, Diamond Hit, Royal Hit und das aktuelle Dressur-WM-Pferd Bluetooth OLD/Frederic Wandres hervorgebracht hat. An vierter Stelle der Qualifikation rangierte Dr. Hans-Georg Röper (ZRFV. Mastholte) mit dem selbstgezogenen und bereits championatserfahrenen westfälischen Schimmelwallach First Magic NRW, der jedoch im Finale nicht mehr antrat.
Apropos Warendorf: Vier Grußworte zierten den Veranstaltungskatalog, vom Freistaat Sachsen, vom Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen, von der Gemeinde Moritzburg und von der FN, die sich nun hochtrabend Pferdesport Deutschland nennt. Was der Präsident Martin Richenhagen da nebst seinem Konterfei hat abliefern lassen, war – gelinde gesagt – an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Ein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit KI-generiertes Pamphlet, das je nach Belieben in jedwedes Turnierprogramm eingefügt werden kann. Belanglose Phrasen und Binsenweisheiten aneinandergereiht, Aussage gleich null, Bezug zur Veranstaltung? Fehlanzeige! Aber ganz zweifellos auch eine Art von Wertschätzung. Und offiziellen Besuch aus dem Reiterhauptquartier Warendorf gab es 2026 in Moritzburg auch nicht.
Beide SW-Titel für Marlen Fallak
Ein großes Starterfeld von 21 Pferden bewarb sich in der Einlaufprüfung der vier- und fünfjährigen Schweren Warmblüter; acht rückten vor ins Finale, dabei zwei über den „Umweg“ des Kleinen Finales. Dabei setzte Marlen Fallak (PSV. Nägelstedt) mit der selbstgezogenen fünfjährigen braunen Stute Tesslana (v. Loriot-Valerius-Centimo-Vasall-Don Carlos) bereits in der Qualifikation besondere Maßstäbe und hielt diese großartige Form auch im Finale mit Fremdfahrertest durch. Fremdfahrer Christian Koller: „Ein außergewöhnlich gutes Pferd mit einer sehr guten Einstellung! Für mich das beste Pferd. Ich gebe die 10!“ Und 2009 war Tesslanas Mutter Tessa FST – ebenfalls präsentiert von Marlen Fallak – ebenfalls Bundeschampionesse.
Der Zweitplatzierte war der fünfjährige Rappwallach Effektvoll (v. Effekt/Eklatant-Ellington-Elixier-Lord I-Coronat, Z. Helga Wendt), vorgestellt von Lars Krüger, der aus dem Kleinen Finale kam und fast ausschließlich 9er Noten hatte. Dritte wurde Bettina Winkler (RFV. Gestüt Bretmühle) mit der fünfjährigen braune Stute Tilda (v. Lexter’s Legacy-Veit), gefolgt von dem fünfjährigen Rapphengst Lennox (v. Loriot-Elbcapitän-Pesus xx-Gerit-Lotse, Z.: Reit- u. Fahrverein Noßwitz e. V.) mit Karl-Heinz Finkler (Klötze/Sachsen-Anhalt) an den Leinen. Die weiteren Finalisten waren Bettina Winkler mit Linus, mit Carola Slater-Diener mit Olena (v. Claudius-Veit) und Marlen Fallak mit dem Moritzburger Landbeschäler Centurio.
Im Finale der sechs- und siebenjährigen Schweren Warmblüter gingen die Titelverteidiger, Marlen Fallak mit ihrem ebenfalls selbstgezogenen Vittesko F nach Rang der in der Qualifikation konsequent auf Goldkurs. Nach bereits hohen Bewertungen im Teil A (Dressur und Kegelfahren) erhielt er im Gelände viermal die Maximalnote 10 und zweimal die 9,0. Der aus Südtirol (Italien) stammende Richter Roland Morat geriet ob der Qualitäten des Pferdes ins Schwärmen, traute sich selbst aber bei der Kommentierung zunächst nicht allzuviel zu: „Ich mit meinem Spaghetti-Deutsch….“ Das Gegenteil war der Fall: Ein in jeder Situation sympathischer Vortrag, treffend, abwechslungsreich und detailliert formuliert, der das Publikum begeisterte und für gute Stimmung sorgte.
Vittesko F ist ein Nachkomme des Vittaro Thekulies, der 2021 mit Marlen Fallak Bundeschampion gewesen ist, und stammt aus einer Elbling-Valerius-Edelfalk-Mutter. Für Marlen Fallak werden die Bundeschampionate 2026 in besonderer Erinnerung bleiben: Beide von ihr gesteuerten SW-Bundeschampions stammten aus eigener Zucht, auch die Eltern fuhr sie zu Championatsehren, für die aus Thüringen stammende Fahrerin waren es insgesamt die Champions Nummer sechs und sieben. Der im Familienbesitz stehende Vittaro Thekulies stellte in Wanda (M. v. Eposant-Glücksburg-Effekt, Z. u. B.: Christiane Herzberg-Kaufung) mit Anna Auburger noch eine weitere Finalistin, die Rang drei belegte. Der Silberrang ging an Phil Teifel mit dem Moritzburger Landbeschäler Cäsar (v. Cadett-Elbling, Z.: Danilo Grabowsky, Cottmar), der aus der Qualifikation einige Plätze gutmachen konnte und eine überaus frische Geländefahrt demonstrierte. Auf den weiteren Plätzen rangierten Nachkommen der Hengste Lombard und Veit. Der championatserfahrene Moritzburger Landbeschäler Lancelo, Sieger der Finalqualifikation, ging im ersten Teil des Finales deutlich unter Form und trat daher im Gelände nicht an.