Dreijährige Reitpferde: Neuer Modus bringt Irritationen
Mit deutlich veränderten Bedingungen und Vorzeichen gingen die Reitpferdekonkurrenzen über die Warendorfer Championatsbühne. War es bisher so, dass alle Starter die Qualifikation der Dreijährigen gingen und die besten sechs (bei entsprechend hoher Starterzahl manchmal auch acht) Pferde ins Finale kamen, so hatten nun alle Dreijährigen zunächst einen verpflichtenden Gewöhnungsaufenthalt auf dem Prüfungsplatz zu absolvieren, um am nächsten Tag dann die entscheidende Prüfung zu absolvieren. Den Pferden dürfte es dabei reichlich egal gewesen sein, ob sie währenddessen einmal oder zweimal Noten bekommen hätten. Ferner mussten sie einmal nach dem ersten Reiten einen guten Kilometer über das Championatsgelände (und auch wieder zurück) geführt werden, um in der Springhalle ungesattelt der Gebäudebeurteilung unterzogen zu werden. Diese stand jedoch nicht als Einzelnote auf dem Notenbogen, sondern wurde nach der Prüfung addiert mit einer Note für die „Funktionalität des Körperbaus“. Die daraus entstehende Summe wurde dann wiederum durch zwei geteilt. Der nicht unerhebliche Aufwand der vortägigen Gebäudebeurteilung (u. a. Schlangestehen mit ungeduldigen jungen Pferden und zunehmend auch Reitern) hatte letztlich somit nur ein Zehntel Einfluss auf das Gesamtergebnis. Einen in irgendeiner Weise sinnbringenden Mehrwert dieser komplizierten Änderungen konnten weder Zuschauer noch Teilnehmer erkennen.
In jeder Hinsicht unglücklich war nach über 40 Jahren auch die Rückkehr zu Zehntelnoten bei der Ausrichtung von Reitpferdeprüfungen. Seit Anfang der 1980er-Jahre gab es in Reitpferdeprüfungen nur noch halbe Noten; ein System, das sich unbedingt bewährt hatte, praktikabel und nachvollziehbar.
Minimales Notenspektrum
Die vorhersehbaren Folgen dieser Rückkehr in die richterliche Steinzeit bekam man in der Hengstklasse der Dreijährigen denn auch gleich überdeutlich zu spüren. Abgesehen davon, dass das Starterfeld insgesamt alles andere als eine Offenbarung und nur bedingt als Schaufenster der deutschen Pferdezucht tauglich war, spielten sich die ersten vier Plätze innerhalb eines Spektrums von 0,17 (!!!) Noten ab.
So stand Jakob Schenk (RG Klosterhof Medingen) mit dem aus väterlicher Zucht stammenden dunkelbraunen Hannoveraner Flacon (v. For Fontane-Floris Prince-Danone I-Ivernel/T.-Feinbrand-Aragon-Don Carlos, Hann. Stamm 620/Cadarina) mit der Endnote 8,46 ganz vorn. Der Hengst, der beim Hannoveraner Championat in Verden den dritten Platz belegt hatte, demonstrierte mit 9,0 seinen Höhepunkt im Galopp. Mit 0,08 Punkten dahinter folgte der pompös aufgemachte, in Brandenburg-Anhalt gezogene Fuchshengst DSP Quebec (v. Quaterback-Fidertanz-Dimension-Feuerschein I-Grünling-Wrede, Hann. Stamm 780/Almhaus, Z.: Lutz Jaap, Gumtow), der mit seiner Reiterin Leslie Rohrbacher (Iserlohn) DSP-Champion in Darmstadt gewesen ist und nun für den Galopp die Tageshöchstnote von 9,5 ernten konnte. Erinnerungen an den Vater Quaterback kamen auf, der vor 20 Jahren Bundeschampion wurde und dessen damaliger Reiter Christian Flamm 2026 als Trainer auf dem Bundeschampionat aktiv ist.
Mit wiederum 0,05 Punkten Abstand, den berühmten „Wimpernschlag“ dahinter (8,33), rangierte der recht wuchtige Oldenburger Obsidian Cadillac (v. Obsession Taonga-De Niro-Le Rouge/T.-Hohenstein I/T.-Karwendelstein/T., Trak. Familie O23A Kordel/Fürst zu Dohna-Schlobitten, Z.: Gert Laisbo) mit David Taylor (RFV Holzhausen). Die Wimpernschläge wurden immer kleiner: Nur 0,04 betrug der Abstand zum Viertplatzierten Hannu Haakon ND (v. Scaglietti-Millennium-Induc-Arsenal-Bergsturm, Trak. Fam. S 50 Herba AAH, Z.: Trakehner Gestüt Staffelde), Prämienhengst der Trakehner Körung 2025, mit der Dänin Mette Sejbjerg im Sattel. Mehrfach war das Publikum nicht einverstanden mit den Richterentscheidungen (gellende Pfiffe!) und Wolfgang Egbers als kommentierender Richter auch nicht unbedingt souverän.
Würdige Championesse
Bei den Stuten und Wallachen war die Entscheidung eindeutiger: Die Westfalenchampionesse Gut Neuenhofs Moon River (v. Maxim-Escolar-San Remo-Jazz-Akteur-Lucky Boy xx, NL-merrielijn 166, Z.: Gestüt Gut Neuenhof KG, Nideggen), bei der die Maximalnote 10 für den Schritt gezückt wurde. Für die Rittigkeit gab es 9,5, im Trab 9,0 und am Ende 9,15. Das war tatsächlich champion-like.
Zweite und auch Dritte wurde Sina Aringer mit zwei Secret-Nachkommen aus Hannover und Oldenburg. Rang zwei gab es für den Fuchswallach Sixpack (M. v. Sir Donnerhall I-Wolkentanz I-Rouletto-Wenzel I-Absatz-Valentino xx, Hann. Stamm 749/Eckernförde, Z.: Mathias Schulze), zuvor Dritter beim Hannoveraner Championat in Verden (8,72), und Rang drei für die Oldenburger Championesse Spotlight (M. v. Fürst Romancier-Davignon I-Ultraschall-Furioso II-Westerwald I, Hann. Stamm 847/Stahlfeder, Z.: Laura Brandenburg). Die weiteren Finalisten stammten ab von Vitalis, Be My Dance und Bon Vivaldi NRW und repräsentierten die Zuchtgebiete Hannover (2) und Westfalen.