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Montag, 07.09.2026 um 09:38

Nachruf auf Zuchtleiter a.D. Gert Gussmann

Gert Gussmann ist verstorben.  /  © D. Matthaes

Gert Gussmann, der langjährige Zuchtleiter des Pferdezuchtverbandes Baden-Württemberg, ist am 4. September 2026 nach längerer Krankheit im Alter von 77 Jahren in Tübingen gestorben.

Die Berufsbezeichnung "Zuchtleiter" beschreibt nur unvollkommen, was Gert Gussmann als Nachfolger von Dr. Otto Frey in seiner Amtszeit von 1996 bis 2014 für die Landespferdezucht und weit darüber hinaus bewirkt und bedeutet hat. Er war Vordenker, Manager, Anführer, Motor, Trendsetter, Entertainer und Provokateur in einem. Bleibende Werte hat er mit den Leistungs-Programmen für Wartehengste, für „Busch“-Pferde und Sportstuten geschaffen. Nachhaltig hat sich sein Wirken auch im DSP-Zuchtbuch niedergeschlagen und in den von ihm begründeten „Events“ wie der PSA-Serie („packt sie aus“), dem „GG-Cup“ und im „Thomas-Konle-Cup“. Sie erwiesen sich als ebenso bedeutend wie die Erfolge von DSP-Pferden bei Körungen und bei internationalen Events bis zu Olympischen Spielen und bei großen Auktionen.

Wer damals den im Gespräch zurückhaltenden und etwas spröde wirkenden gebürtigen Pleidelsheimer im Alltag erlebte, musste sich mitunter wundern, wie der studierte Hohenheimer Absolvent der Agrarwissenschaften/Fachrichtung Tierzucht bei Marbacher Gala-Abenden und anderen öffentlichen Auftritten aus sich herausgehen konnte. Wie er - unterstützt von Co-Kommentator Hendrik Schulze Rückamp - die Zuchtprodukte aus dem Land professionell und manchmal auch etwas überschwänglich in's rechte Licht rückte. Engagiert und pointiert hat er sich auch stets in der von ihm als „Wort zum Sonntag", titulierten monatlichen Kolumne im „Reiterjournal“ geäußert. Für Zucht-Protektionismus war Gert Gussmann nicht zu haben. Sein Ziel war eine liberale, wettbewerbsorientierte Zucht, nach dem Motto: „Der Markt wird' s schon regeln". Die Körung von Hengsten und deren Anerkennung, die für seine Vorgänger oft eine Glaubensfrage und schwierige Gratwanderung war, ging er als amtierender Zuchtleiter deutlich lockerer an. Wer eine Hofkörung haben wollte, konnte sie haben. Er musste eben etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer keinen Baden-Württemberger in seinen Hengstbestand nahm, musste das entsprechend bezahlen. Wer keine süddeutsch anerkannten Hengste benutzte, musste das finanziell ausgleichen. Gert Gussmann war auch der Erfinder des bundesweit nachgeahmten „Wartehengstprogramms".

Als Zögling der Karlsruher Führungsakademie, der sich in dieser Ausbildungs-Phase auch in Japan umgeschaut hatte, wäre er auch für andere Aufgaben in Frage gekommen. Manche hätten ihn gerne als Marbacher Landoberstallmeister gesehen. Doch für diese Position bewarb er sich ebenso wenig wie für ein seiner Stellung entsprechendes Amt im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium. Unabhängigkeit in Amt und Urteil und die Nähe zu den Züchtern und Reitern waren dem geschätzten Turnierrichter lieber als Büro-Tätigkeiten. Zu einem der ersten Landes-Championaten in Bad Urach rückte er einst mit seinem Toyota mit Anhänger an, um höchstpersönlich die damalige Mindestleistungsstrecke mit Tännchen auszupflocken.

Lohnendes Ziel und selbst gesetzte Aufgabe war für ihn das Zusammenfinden und das erfolgreiche Weiterkommen des Süddeutschen Züchterverbundes. Die große Anerkennung, die süddeutsche Körungen, süddeutsche Fohlenchampionate und süddeutsche Auktionen inzwischen bundesweit erreicht haben, ist auch seiner Initiative zuzuschreiben. Dazu kommen Erfolge der in seiner Ägide gezogenen DSP-Pferde bei Bundeschampionaten, internationalen Turnieren, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Erfolgreiche Sportstuten in der Zucht einzusetzen, war für ihn kein Problem. Die immer zahlreicher gewordenen Erfolge von Württembergern und DSP-Pferden weltweit aufzuspüren, waren ihm noch im Ruhestand ein Vergnügen.  Sein Lebenswerk wurde 2014 in einer Feierstunde im Marbacher Kompetenz-Zentrum nochmals ausführlich gewürdigt. Deutlich wurde dabei, dass sein Ausscheiden auch einen Generationswechsel bedeutete. Mit seinen Visionen, Anregungen und Programmen sowie seinen treffenden und prägnanten Bewertungen war er die „Stimme aus dem Off". Als Abschiedsgeschenk erhielt er ein Klaus Philipp-Portrait des Vollblüters Stan the Man, den er einst mit entdeckt hatte.

Der damalige Ministerialdirigent Joachim Hauck würdigte Gussmanns hohe fachliche Fähigkeiten, die er vielseitig und erfolgreich zum Wohle der Pferdezucht eingesetzt hatte. Typisch sei Gussmanns Kommunikationsstil gewesen. Seine knappen Sätze seien zum Markenzeichen geworden. Gewürdigt in Gussmanns Lebenswerk wurden damals nochmals sein Einsatz und seine Verdienste um die „Süddeutschen". Der damalige AGS-Vorsitzende Karl-Heinz Bange, damals auch stellvertretendes Präsidiumsmitglied der FN, zeichnete Gussmann mit der „Gustav-Rau-Medaille" aus. Der damalige Verbandsvorsitzende Dieter Doll würdigte den mit dem Namen Gussmann untrennbar verbundenen umfangreichen Maßnahme-Katalog, der die Baden-Württemberger Zucht und die Süddeutsche Pferdezucht geprägt und die deutsche Zucht beeinflusst hatte. Gewürdigt wurde zudem Gussmanns Einsatz für den „Förderverein FBW“, der ihm eine „Herzensangelegenheit" gewesen sei. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung erhielt Gert Gussmann damals auch die „Goldene Ehrennadel“ des Zuchtverbandes. Viel Lob gab es zudem von den Süddeutschen Hengsthaltern, die sich aufgrund von Gussmanns enormer Vorarbeit nun Hengsthalter des Deutschen Sportpferdes nennen können. Gewürdigt wurde außerdem Gussmanns große Kollegialität.

Das Reiterjournal wird Gert Gussmanns große Verdienste in Ehren halten. Seine Anteilnahme gilt auch Gert Gussmanns Ehefrau Ingrid und den beiden Söhnen mit Familien. (E. Platz)

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