WM Lanaken: Neue Regeln, offene Fragen und weniger deutsche Pferde
Der letzte Tag der FEI WBFSH Jumping World Breeding Championship for Young Horses stand ganz im Zeichen der Finalprüfungen. Bei den Fünfjährigen wurde erstmals nach einem neuen Reglement geritten. Die Pferde sollten nicht auf Geschwindigkeit geritten werden, sondern möglichst nah an die vorgegebene Idealzeit herankommen.
Für die ersten Reiter war zunächst nicht ganz klar, was genau verlangt wurde. Im Verlauf der Prüfung verstanden die Teilnehmer das System jedoch immer besser. Dadurch waren deutliche Unterschiede zwischen den ersten Startern und den später folgenden Paaren zu erkennen.
Im Umfeld der Fünfjährigen sorgte das neue Format für einige Diskussionen. Kritisiert wurde unter anderem, dass das eigentliche Wettbewerbselement verloren gehe und die ersten Reiter gegenüber den späteren Startern benachteiligt gewesen seien. Zudem wurde darüber diskutiert, ob die laufende Zeit für alle sichtbar sein sollte. Um gleiche Bedingungen zu gewährleisten, könnte es sinnvoller sein, die Zeit nicht öffentlich anzuzeigen.
Andererseits zeigte sich einmal mehr: Die Iren gewinnen, wenn sie Vollgas geben und sie gewinnen auch, wenn sie möglichst genau an eine Idealzeit heranreiten müssen. Aus Sicht des Pferdewohls ist es sicherlich positiv, dass die fünfjährigen Pferde im Finale nicht mit maximalem Tempo geritten werden müssen.
Gerade das Thema Pferdewohl verdient jedoch eine weitergehende Betrachtung. An den ersten beiden Tagen des Championats war die erlaubte Zeit knapp bemessen. Viele Reiter hatten dadurch das Gefühl, bereits in den Qualifikationen beinahe wie in einem Stechen reiten zu müssen. Das neue Reglement liefert daher reichlich Stoff für weitere Überlegungen und Diskussionen.
Ein weiterer auffälliger Punkt ist die sinkende Zahl der in Deutschland gezogenen Pferde bei diesem Championat. Hängt diese Entwicklung möglicherweise damit zusammen, dass das Bundeschampionat nur kurze Zeit vor der Weltmeisterschaft stattfindet?
Deutsche Hengste waren über ihre Nachkommen in den Finalprüfungen dennoch gut vertreten. Conthargos stellte bei den Fünfjährigen drei Finalisten, Comme il faut zwei. Balou du Reventon, auch bekannt als Cornet’s Balou, Casalido und Diaron waren jeweils mit einem Nachkommen im Finale vertreten.
Bei den Fünfjährigen gewann die BWP-gezüchtete Stute Vintage van de Heyveldhoeve (v. Kasanova de la Pomme a.d. Nikita van de Heyveldhoeve v. I am Moerhoeve's Star, Züchter: Bert Stoop) unter dem irischen Reiter Sam Widger. Damit ging der erste Weltmeistertitel an den Stall Ballypatrick von Greg Broderick.
Bei den Sechsjährigen siegte der ZANG-gezüchtete Wallach Easy Peasy Indebus Z (v. Emerald van 't Ruytershof a.d. Bumblebee Indebus Z v. Baloubet du Rouet, Züchter: Dennis van Tilburg & Jasmien Thiry) unter der irischen Reiterin Niamh McEvoy. Damit holten sie den zweiten Weltmeistertitel für den Stall Ballypatrick in Irland.
Bei den Siebenjährigen gewann die ZANG-gezüchtete Stute Elotte Z (v. Eldorado van de Zeshoek TN a.d. Blackberry v. Larino, Züchter: Stal Everse) unter der niederländischen Reiterin Roosje Brouwer. Die Stute befindet sich noch immer im Besitz ihres Züchters.
Alle weiteren Informationen und ausführlichen Analysen folgen in einem umfassenden Bericht über diese Veranstaltung im kommenden ZÜCHTERFORUM (10/26).
- Adriana van Tilburg -