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Samstag, 26.09.2026 um 16:36

Offener Brief: Sie verkaufen, was Ihnen nicht gehört

© honorarfreie Nutzung des Bildes

An den Vorstand und die Geschäftsführung des Holsteiner Verbandes

 

Herr Flinzer, meine Damen und Herren im Vorstand,

ich schreibe Ihnen nicht, um höflich zu sein. Ich schreibe Ihnen, weil Sie gerade dabei sind, in wenigen Monaten zu zerstören, was Generationen von Holsteiner Züchtern in über einem halben Jahrhundert aufgebaut haben – und weil Sie es tun, ohne diejenigen zu fragen, denen dieser Verband gehört.

Der Holsteiner Verband ist keine Firma, die Sie nach Belieben abwickeln können. Er ist das gemeinsame Werk von Bauern, Züchtern und Pferdeleuten, die aus einem Arbeitspferd das beste Springpferd der Welt gemacht haben. Sie verwalten dieses Erbe. Sie besitzen es nicht.

Krisen hat dieser Verband viele überlebt

Die Finanzkrise 2008 hat die Fohlenzahlen halbiert und die bäuerliche Zucht im Kernzuchtgebiet ausgedünnt. Die sogenannte Liberalisierung hat Holsteiner Blut und Holsteiner Züchter an andere Verbände verloren. Die Benelux-Auktionsshows haben die Züchter zu immer denselben „Fernsehhengsten“ getrieben. Die GOT macht Zucht für viele unbezahlbar.

Die früheren Verantwortlichen haben in dieser Zeit harte, auch falsche Entscheidungen getroffen. Die exzessive Öffnung der Zuchtregeln hat Holstein seine Exklusivität gekostet. Aber sie haben diese Entscheidungen offen getroffen – nach einer Debatte mit den Züchtern. Das war der Unterschied zwischen einer Führung, die sich irrt, und einer Führung, die sich über ihre Mitglieder stellt.

2019: der Ausverkauf beginnt

2019 wurde erstmals über die Köpfe der Züchter hinweg entschieden. Ein großer Teil des Pferdebestandes wurde im Schnellverfahren versteigert, nach meiner Kenntnis unter Buchwert. Der Ausbildungs- und Vermarktungsstall stand praktisch über Nacht still. Norbert Boley durfte keine Hengstfohlen mehr kaufen. Wenig später kam der Boom auf dem Reitpferdemarkt – und der Verband hatte nichts mehr, womit er ihn hätte nutzen können.

Man nannte das damals Sanierung. Ich nenne es das, was es war: die Vernichtung von Verbandsvermögen zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt.

Jetzt geht es an die Substanz

Eines hatte damals noch niemand angerührt: die Verbandshengste. Sie sind das Einzige, was den Holsteiner Verband noch von jedem anderen Zuchtverband unterscheidet. Sie gehören allen Mitgliedern gemeinsam. Sie sind der Grund, warum in Holstein junge Hengste wie United Way schon vor ihrer ersten S-Platzierung über 400 Nachkommen haben, während private Hengsthalter ihre jungen Springhengste kaum noch platziert bekommen. Sie sind der Grund, warum Züchter dem Verband treu geblieben sind.

Diese Treue beruhte auf einem Versprechen: Der Verband kauft die besten Hengstfohlen seiner eigenen Züchter. Und die Hengste, auf die wir unsere Zucht aufbauen, bleiben im Verband und im Frischsameneinsatz. So wie Casall. Clarimo. United Way.
Dieses Versprechen haben Sie gebrochen.

Die Hengsthaltung ist auf den Brennplätzen kaum noch zu sehen. Hengstfohlen werden nicht mehr dort gekauft, wo sie offen gezeigt werden. Die treuesten Züchter wenden sich ab – nachzulesen im Fohlenkatalog. Und nun sollen offenbar auch die Hengste gehen, die die Zukunft der Holsteiner Zucht tragen.

Ich bin nicht gegen jeden Verkauf. Zuccero zu verkaufen war richtig – mit 13 Jahren und unter 300 Nachkommen war er als Vererber nicht mehr zu etablieren. Über Crack kann man streiten. Aber United Way, Keaton, Vigado und Charaktervoll sind keine Verkaufsware. Sie sind das, was Caretino, Cassini und Corrado für frühere Generationen waren. Wer sie verkauft, verkauft die nächste Ära der Holsteiner Zucht.

Man wird uns erklären, verkauft würden ja nur die „Sportrechte“, nicht die Hengste. Das ist eine Beruhigungspille für die Züchter. Faktisch verlässt der Hengst den Stall, steht im Sportstall eines Käufers und fällt aus dem Frischsameneinsatz. Die Züchter verlieren ihn genau in den Jahren, in denen er für die Zucht am wertvollsten ist. Zurück kommt er, wenn überhaupt, als alter Hengst – wenn der Markt längst weitergezogen ist. Ob auf dem Papier „Sportrechte“ oder „Pferd“ steht, ist für die Holsteiner Zucht gleichgültig: Der Hengst ist weg.

Wofür brauchen wir Elmshorn dann noch?

Die allermeisten Holsteiner Züchter verkaufen ihre Fohlen. Sie haben nichts von einem Sportstall, der Pferde einiger weniger fördert. Sie haben etwas von Verbandshengsten, die sie einsetzen können und die ihnen gemeinsam gehören. Wenn Sie diese Hengste verkaufen, um laufende Kosten zu decken, dann stellt sich jeder Züchter zu Recht die Frage: Warum sollen wir Elmshorn noch finanzieren?

Ein Landwirt, der sein Land verkauft, um seine Mitarbeiter zu bezahlen, saniert keinen Betrieb. Er löst ihn auf. Genau das tun Sie.

Es gibt eine Alternative – seit 2023

Wer behauptet, der Verkauf der Hengste sei alternativlos, sagt nicht die Wahrheit. Bereits 2023 wurde gemeinsam mit Experten ein Alternativplan erarbeitet, der beides sichert: die Hengsthaltung und die wirtschaftliche Zukunft des Verbandes. Sie kennen diesen Plan, Herr Flinzer – ebenso wie Teile Ihres Vorstandes.

Der Kern ist einfach: Ein Ausbildungs- und Handelsstall des Verbandes kauft vielversprechende Holsteiner Jungpferde an, bildet sie aus und verkauft sie mit Wertsteigerung weiter. Diese Pferde gehören – wie die Verbandshengste – allen Holsteiner Züchtern gemeinsam. Der Mehrwert fließt zurück in den Verband, statt dass sein Vermögen abgeschmolzen wird.

Das Modell verdient Geld mit dem, was Holstein am besten kann: gute Pferde züchten. Es gibt den Züchtern einen Käufer für ihre Jungpferde, bringt Holsteiner in den Sport und finanziert die Hengsthaltung, statt sie zu plündern. Es ist genau das, was 2019 überhastet stillgelegt wurde – nur konsequent zu Ende gedacht.

Die Frage ist also nicht, ob es einen anderen Weg gibt. Die Frage ist, warum Sie ihn kennen – und trotzdem die Hengste verkaufen.

Legen Sie die Karten auf den Tisch

Die Züchter haben ein Recht auf Antworten – jetzt, nicht nach vollendeten Tatsachen:

  • Soll Keaton verkauft werden? Wird United Way bereits von Kaufinteressenten ausprobiert? Welche Hengste stehen noch auf Ihrer Liste?
  • Gehört beispielsweise Conchezz dem Verband – oder vermarkten private Eigentümer ihren Hengst auf der Plattform der Holsteiner Züchter? Gibt es weitere Hengste die dem Verband teilweise oder gar nicht gehören (Eigentum)?
  • Wer hat diese Verkäufe beschlossen, und auf welcher Grundlage in der Satzung?
  • Wohin fließt das Geld aus dem Verkauf unseres Vermögens?

Meine Forderungen:

  • Sofortiger Verkaufsstopp für United Way, Keaton, Vigado und Charaktervoll – ausdrücklich auch für den Verkauf von „Sportrechten“.
  • Vollständige, schriftliche Antworten auf alle Fragen an sämtliche Mitglieder.
  • Eine außerordentliche Mitgliederversammlung, in der die Züchter über die Zukunft der Hengsthaltung mitbestimmen – nicht Sie allein.
  • Die Vorstellung und ernsthafte Prüfung des Alternativplans von 2023 in dieser Versammlung.

Wer diesen Weg nicht mitgehen will, sollte sich fragen, ob er noch der Richtige ist, diesen Verband zu führen.

An alle Holsteiner Züchter

Schweigen ist Zustimmung. Wenn Ihnen Ihre Verbandshengste etwas bedeuten, dann sagen Sie es jetzt – dem Vorstand, Ihrem Körbezirk und öffentlich. Wenn die Hengste erst verkauft sind, holt sie niemand zurück.

Der Holsteiner Verband gehört den Züchtern. Nicht seiner Führung.

 

Dr. Maximilian Slawinski
Holsteiner Züchter
Helsinki, 26. September 2026

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