Video-Affäre um die Leiterin des NRW-Landgestütes
Während die Video Affäre um Kristina Ankerhold, Leiterin des NRW-Landgestütes in Warendorf sowohl in den Fachmedien wie in den Sozialen Medien im höhere Wellen schlägt, hat der Vorfall nun auch eine politische Ebene erreicht. Gleichzeit versucht das Landgestüt in einer Pressemeldung vom Freitag das Thema abzuwiegeln.Wie das Fachmedium Dressur Studien auf seiner Homepage schreibt, hat sich auch der NRW-Landtagsabgeordnete Norwich-Rüsse des Themas angenommen. Der Sprecher der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Umweltausschuss des Landtages erklärte, dass er die Causa Ankerhold nicht auf sich beruhen lassen will, weil es sich beim Landgestüt um eine Institution des Landes handele, die auch vom Land NRW finanziert wird: „Das Landgestüt hat eine absolute Vorbildfunktion. Wenn nicht hier, wo sonst sollte eine sehr gute pferdegerechte Ausbildung zu finden sein? Ich bin sehr enttäuscht, dass unser Landgestüt so in die Schlagzeilen gerät“, und er ergänzt: „Es geht gar nicht, dass die Leiterin jetzt als Konsequenz das Filmen und Fotografieren verbietet – und das in einer öffentlich geförderten Einrichtung. Das wirkt wie ein ‚präventives Vertuschen'“. Rüsse kündigte an, das Thema in die nächste Ausschusssitzung auf die Tagesordnung zu bringen.
Liest man die Pressemeldung, die das Landgestüt am Freitag zu dem Vorfall veröffentlichte, wähnt man sich in einer anderen Welt. So ist auf der Homepage des Landgestütes folgende Meldung zu lesen:
STELLUNGNAHME
Vor dem Hintergrund der in einzelnen Medien vorgebrachten Vorwürfe zu angeblich tierschutzwidrigen Trainings im Landgestüt nehmen wir wie folgt Stellung:
Die Vorwürfe beziehen sich auf ein Training am 13. April 2021 zweier Landbeschäler in der Reithalle der Deutschen Reitschule. Aufgrund eines parallelen Reittrainings der Deutschen Reitschule mit fremden Pferden entstand eine ungewohnte Trainings- und Stresssituation. Mit Blick auf die unruhige Umgebung waren die Pferde nervös. Diese schwierige Situation machte ein sofortiges Eingreifen erforderlich.Infolge dessen kam es zu einer objektiv zu engen Anlehnung. Die beim Training anwesende Leiterin des Landgestütes, Kristina Ankerhold leitete die Reiterin an mit dem Ziel, in der angespannten Situation dennoch gelöst trainieren zu können. Anlehnung und korrekte Biegung sind mit einem Pferd nach und nach zu trainieren.„Eine zu enge Anlehnung und ein Aufrollen sind grundsätzlich zum Wohle der Tiere zu vermeiden. Insbesondere bei Pferden, die sich noch in der Ausbildung und in einer stressigen Situation befinden, sind sie nicht immer vermeidbar. Ich stehe für jeden Diskurs über Ansätze für lösende Arbeit von Pferden in Stresssituationen zur Verfügung. Zudem werden wir in Zukunft stärker darauf achten, die Reiteinheiten konsequenter zu trennen", erläutert Ankerhold.Zu dem genannten Training wurden der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) anonym Videos zugeleitet und über die FN auch dem Landgestüt zur Kenntnis gegeben. Darauf aufbauend gab es ein fachlich konstruktives Gespräch. Die Gestütsleiterin lädt die FN ein, an den Trainingseinheiten des Landgestütes teilzunehmen.Nach Einschätzung des Landgestüts bestand zu keiner Zeit eine tierschutzrechtliche Relevanz. Diese Einschätzung wird nach einem fachlichen Austausch und Prüfung der kurzen Videosequenzen grundsätzlich auch von den Fachleuten des Landwirtschaftsministeriums geteilt.
Fazit: Das Thema „Video-Affäre“ und die sich daraus noch weiterer ergebenden Aspekte dürften Pferdezucht und -sport in Nordrhein-Westfalen sowie das alt-ehrwürdige Landgestüt in Warendorf, das in weniger als fünf Jahren eigentlich sein 200. Jubiläum feiern möchte, in den kommenden Wochen und Monaten noch ausgiebig beschäftigen. Gleiches gilt für das für das Landgestüt zuständige Umweltministerium in Düsseldorf und seine Ministerin Ursula Heinen-Esser. Selbst für Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der im Herbst gerne Bundeskanzler werden möchte, könnte sich aus der Affäre eine unerwartete und unwillkommene Baustelle ergeben.
Thomas Hartwig