Zwei Titel für Karosser, drei für Wächter
Der Final-Sonntag beim Bundeschampionat der Fahrpferde in Moritzburg bot ein wahres Wechselbad an Höhen und Tiefen. Beginnen wir mit den Höhenflügen: Nachdem Kathrin Karodser bereits am Samstag den vierjährigen Edelbluthaflinger Amaari SCH zum Titel bei den vier- und fünfjährigen Fahrponys gesteuert hatte, holte sie auch die Schärpe bei den sechs- und siebenjährigen Fahrponys nach Bayern, und zwar mit der Edelbluthaflingerstute Delmara SCH (v. Salvator SCH-Nerv, Z.: Johann Schmid, Kirchenthumbach), die im letzten Jahr ebenfalls Championesse gewesen ist. Doch zwei Champions in einem Jahr, das war noch zu toppen, denn gleich drei Champions stellte die in der Nähe von Offenbach (Hessen) beheimatete Jessica Wächter (RFV. Wiesenhof/Obertshausen), zwei davon trugen den Hannoveraner Brand, und der ältere war ebenfalls „Wiederholungstäter“: Dream Catcher (v. De Niro-Epernay/T.-Mariner-Douglas-Advent-Xenopohon, Oldbg. Stamm 139/Maienpracht) aus der Zucht der Familie Temporini im südhessischen Heppenheim, absolvierte seine Dressur unter extremsten Witterungsbedingungen (was da innerhalb weniger Minuten an Wasser vom Himmel fiel, war unvorstellbar) und erhielt im Gelände zweimal die Maximalnote 10. Die Jury bescheinigte dem braunen Wallach eine „sehr gute Perspektive“ und er wurde zusätzlich noch als „das rasseübergreifend beste Pferd aller Championatsprüfungen“ besonders ausgezeichnet. Auch bei den vier- und fünfjährigen Fahrpferden ließ Jessica Wächter nichts anbrennen: Sie steuerte den braunen Hannoveraner Wallach Best Buddy (v. Benicio-Lauries Crusador xx-Frenchman I-Golfclub-Dakar-Winnetou-Joker-Feo-Impressionist xx, Hann. Stamm 412/Feuerbinde bzw. Weissa, Z.: Jürgen Wendelken, Schwanewede) mit einem Notenschnitt von 9,07 von Seiten der Richter zum Sieg. Fremdfahrer war in diesem Jahr erneut Warendorfs Obersattelmeister Christian Koller, der das Publikum wie immer launig mitnahm und sich zur Verkündung der Noten in diesem Falle das Mikrofon auf den Bock reichen ließ und Best Buddy munter weiter fuhr: „Er stellt sich links wie rechts und ist beim Fahren eine Klasse für sich! Es geht nicht besser: 10,0!“ Best Buddy ist ein Pferd mit besonderer Geschichte. Beim Hannoveraner Hengstmarkt 2019 als Prämienhengst ausgezeichnet und im Rahmen der Hengstauktion vom Aufzüchter zunächst zurückgekauft, ging er als „Stallgassengeschäft“ in den Besitz von Heinrich Brähler (Herbstein/Hessen) über und hat dort 2020 auch etliche Stuten gedeckt. Vor der Decksaison 2021 erlitt er einen Hodenbruch, der die Kastration nach sich zog. Gefördert wurde er künftig nicht nur unter dem Sattel seines Besitzers (2022 Sieger in Dressurpferdeprüfungen der Klassen A, L und M; qualifiziert zum Bundeschampionat des Deutschen Dressurpferdes), sondern auch in Eignungsprüfungen für Fahrpferde. Nächste Station: WM der jungen Fahrpferde in Ungarn.
Der dritte Bundeschampion von Jessica Wächter war der siebenjährige Schwere Warmblüter Eckstern (v. Eckstein-Lombard-Ellington-Edano I, Z.: Christel Nicklisch, Treugeböhla), wenngleich dieser Championatstitel einer gewissen Tragik geschuldet war, und jetzt kommen wir zu den vorgenannten „Tiefen“ dieser Championatstage. So hatte das Landgestüt Moritzburg vor hauseigener Kulisse gleich mehrere „bittere Pillen“ zu schlucken. Die bitterste war gewiss die, dass der als sicherer Champion mit deutlichem Vorsprung zum später ausgezeichneten Eckstern aus der Geländeprüfung hervorgegangene Landbeschäler Veritalis im Rahmen der Gebisskontrolle aufgrund einer (bis zum Ende offenbar strittigen) Befindlichkeit disqualifiziert worden war. Sein Fahrer, Dirk Hofmann, erlitt kurz nach dieser Entscheidung einen Bandscheibenvorfall und konnte so im Finale der vier- und fünfjährigen Schweren Warmblüter, für das er mit den Landbeschälern Lombardo und Ehrenwort qualifiziert war, nicht mehr antreten. Im Falle von Ehrenwort, der sich über das „Kleine Finale“ qualifiziert hatte, kam noch die besondere Tragik im Vorfeld hinzu, dass die Richter es nach Meinung des Fachpublikums offenbar zu gut mit Hofmann und dem Landbeschäler gemeint hatte. Gellende Pfiffe und lautstarke Buhrufe hat es bis dahin auf den Moritzburger Championaten in dieser Form nie zuvor gegeben. Eine besondere Tragik in den Ereignissen. Somit war der Weg frei für Dirk Hofmanns Ehefrau Marlen Fallak, die die braune Stute Euphorie R (v. Capitano-Elbling) souverän zum Champion der vier- und fünfjährigen Schweren Warmblüte steuerte. Noch einmal Christian Koller, der während des Fremdfahrens mehrfach seine Melone Richtung Publikum lüpfte: „Ein Genuss, dieses Pferd fahren zu dürfen! 10,0.“ Auch diese Stute wurde zum rasseübergreifend besten Pferd ihrer Altersklasse ausgezeichnet. Die Abläufe sind eingespielt; Geschäftsführer Christian Kubitz und sein Team haben das „Ding“ im Griff. Lobende Worte fand auch der Schirmherr, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, der Samstag erneut live die Championate besucht und ungekünstelt und unbefangen sein Wort an das Publikum richtete: „Wir haben hier Riesenchancen, und ich freue mich auf die Grundsteinlegung für die neue Reithalle, die für November fest eingeplant ist.“ Er machte den Besuchern und insbesondere den sächsischen Pferdeleuten in schwierigen Zeiten Mut und Hoffnung und ließ keinen Zweifel daran, dass das Land Sachsen hinter dem Standort Moritzburg, den hier ansässigen Institutionen und deren vielfältigen Aktivitäten steht. CS