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von Roland Kern am Dienstag, 28.05.2024 um 16:34

"Die FN ist kein Insolvenzfall!"

© honorarfreie Nutzung des Bildes

Aufgrund der Finanzsituation der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wurde in Dresden beim Verbandstag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, kurz FN, die Entlastung des Vorstands vertagt. Auch der DOKR-Vorstand wurde nicht entlastet. Nun soll zunächst ein Wirtschaftsprüfer Licht ins Dunkel bringen bevor erneut getagt wird. Wir haben uns mit FN-Finanzkurator Gerhard Ziegler über die aktuelle Situation und seine Einschätzungen unterhalten.

Herr Ziegler, Sie sind von Beruf Wirtschaftsprüfer, was sagen Sie einem Mandanten, der in einem Jahr ein Defizit von fast einer Million Euro in seiner Bilanz ausweisen muss?

Die Antwort hängt von dem jeweiligen Fall ab. Je nach Größe des Mandanten kann so ein Verlust wesentlich sein oder auch nicht, er kann durch Sondermaßnahmen begründet sein, durch eine temporäre Krise oder strukturell bedingt. Je nach Ursache, wie der Verlust entstanden ist, muss die Antwort ausfallen. Lassen Sie mich hier anmerken, dass wir für das Jahr 2023 einen Verlust in Höhe von Euro 450.000 geplant hatten. Leider hat sich der Verlust fast verdoppelt, was völlig inakzeptabel ist. Im Verhältnis der Summe unserer Erträge ist dies allerdings nur eine Abweichung von rund 2%. Abweichungen in dieser Größenordnung zwischen Planung und Ist haben viele Unternehmen. Solche Abweichungen sind oft auf außerordentliche und nicht vorhersehbare Umstände zurückzuführen. 

Würden Sie zu einem Insolvenzverfahren raten? Ist die FN ein Insolvenzfall? Oder zumindest ein finanzieller Sanierungsfall?

Das deutsche Insolvenzrecht kennt 3 Insolvenzgründe, die Anlass zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sein können. Das sind Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Alle 3 Voraussetzungen sind bei der FN nicht gegeben. Die FN hat zum 31. 12. 2023 keine Bankverbindlichkeiten. Eine bestehende Kontokorrentline war nicht in Anspruch genommen. Von drohender Zahlungsunfähigkeit kann somit nicht gesprochen werden. Zum 31.12. 2023 hat die FN ein Eigenkapital in Höhe von rund Euro 3.500.000 und erhebliches Anlagevermögen mit nicht unwesentlichen stillen Reserven. Somit kann auch von keiner Überschuldung gesprochen werden. Insofern die klare Aussage, die FN ist kein Insolvenzfall. Alle, die mit diesem Vokabular fahrlässig umgehen und das sind --wie ich auf Reiterturnieren feststellen muss- viele, sollten sich bewusst sein, dass sie damit dem Image der FN schaden und einen großen Vertrauensverlust herbeiführen.

Sie sind als Finanzkurator eigentlich das ehrenamtliche Kontrollorgan des Finanzgeschäftsführers René Straten gewesen? Haben Sie nie über diese Finanzmisere gesprochen? Wie sah Ihre Kommunikation aus, gab es regelmäßige Berichte und Gespräche?

Als Finanzkurator ist es eine meiner Aufgaben, die Finanzen zu überwachen. Über eine Finanzmisere wurde nie gesprochen. Gesprochen wurde häufig, wie die Ertragssituation verbessert werden kann. Mit Herrn Straten habe ich sehr häufig telefoniert und er hat die von mir gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt. Wir haben die Zahlen intensiv diskutiert.

War Ihnen die finanzielle Schieflage des Verbandes bekannt oder bewusst?

In jeder Präsidiumssitzung gab es einen Tagesordnungspunkt Haushalt, indem uns die aktuellen Zahlen vorgelegt wurden. Wir haben uns mit den Zahlen auseinander gesetzt, sie hinterfragt und  hatten bis  dahin  keinen Grund misstrauisch zu sein. In der Präsidiumssitzung am 13. Dezember 2023 wurde uns eine Hochrechnung zum 31.12.2023 vorgelegt mit der klaren Aussage, dass der geplante Verlust in Höhe von EUR 450.000 wie geplant eintreten wird. Über ein Vierteljahr später wurden wir trotz vieler vorheriger Nachfragen mit dem endgültigen Ergebnis konfrontiert, was uns alle entsetzt hat und zu einem großen Vertrauensbruch mit Herrn Straten geführt hat. 

Hat das Konsequenzen bei einer neuen Besetzung des hauptamtlichen Finanzgeschäftsführers? Wollen Sie künftig näher dran und besser informiert sein? Gibt es eigentlich schon Bewerbungen?

Ich glaube nicht, dass unsere Situation bei einer Neubesetzung des Finanz Geschäftsführers Konsequenzen haben wird. Wir werden mit der Situation offen umgehen und mit dem neuen Finanz Geschäftsführer die anstehenden Aufgaben diskutieren. Natürlich werde ich mich, wie bereits schon jetzt, noch intensiver um die Zahlen kümmern und den neuen Geschäftsführer bei der Einarbeitung unterstützen. Derzeit liegen mehr als 30 Bewerbungen vor. Noch im Juni wollen wir uns mit den in die engere Wahl kommenden Interessenten zusammensetzen.

In Ihrem Hauptberuf beraten Sie auch Unternehmen, wie sie sich wirtschaftlich besser aufstellen? Hat die FN als Verband nicht ein strukturelles Finanzproblem?

Wie bereits gesagt hat die FN, wenn wir auf Dauer zumindest ausgeglichene Ergebnisse erwirtschaften, keine Finanzierungsprobleme. Ein strukturelles Problem haben wir in der Tat. Aus diesem Grund hat es bereits ein Arbeitskreis mit den Landesverbänden gegeben, einen Arbeitskreis Finanzierung und ein gemeinsamer Arbeitskreis mit den Landesverbänden und den Zuchtverbänden ist terminiert.

Kann man die jetzige Situation alleine mit Sparen, Kürzen, Streichen lösen? Oder sitzt das strukturelle Problem tiefer?

Die jetzige Situation kann man sicher nicht alleine mit sparen, kürzen und streichen lösen. Wir müssen uns im Klaren sein, auf welche Leistungen der FN wir in Zukunft verzichten wollen. Insgesamt stellen wir fest, dass jede der Sparmaßnahmen kritisch und ablehnend beäugt wird. Vielfach hören wir sparen ja, aber warum gerade hier. Das zeigt einmal mehr, dass wir viele richtige und wichtige Aufgaben wahrnehmen. Doch die finanzielle Entwicklung lässt uns keine Wahl auch Wichtiges zu streichen oder zu reduzieren. Dieser Prozess wird auch weitergehen müssen. In Abstimmung mit allen  Mitgliedsverbänden  werden noch weitere Streichungen notwendig sein.

Was muss sich strukturell ändern, um die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben wieder herzustellen?

Wir müssen somit klar die Frage beantworten, ob wir Möglichkeiten sehen, die Einnahmen zu erhöhen oder die Ausgaben entsprechend zu vermindern. In 2024 betragen die Mitgliedsbeiträge und Spenden rund 20% unserer Erträge. Über 50% unserer Erträge entfallen auf Dienstleistungserlöse, das heißt Pferderegistrierungen, Fortschreibungen, Reiter-,Fahrer-und Voltigierlizenzen, Service Nennungssysteme etc. das heißt hier sind wir stark darauf angewiesen, wie intensiv sich  unsere Turnierlandschaft wieder stabilisieren wird und ein Niveau wie vor Corona wieder erreicht werden kann.

Hat die FN zu viel Personal, also zu hohe Personalkosten?

In der Tat beträgt die Personalkostenquote zwischen 33 und 34%. Wir haben für das Jahr 2024 bereits einen Einstellungsstopp vorgenommen und Zeitverträge werden nicht verlängert. Darüber hinaus haben wir noch keine Personaleinsparungen vorgenommen, die sich kurzfristig auswirken können.

Sie waren als Landesverbandspräsident in Baden-Württemberg selbst einer der einflussreichen „Landesfürsten“, die Landesverbände mussten im vergangenen Jahr einer Gebührenerhöhung zustimmen, angeblich um ein drohendes Defizit auszugleichen. Jetzt sind die Gebühren hoch, das Defizit aber auch. Wer erklären Sie jetzt das Ihrem Nachfolger in Baden-Württemberg?

Zu dieser Frage muss ich folgendes klarstellen. Wir haben in 2023 ein geplantes Defizit in Höhe von EUR 450.000. Wenn wir unsere Leistungen nicht merkbar zurückfahren wollen, kann dieses Defizit nur durch Erhöhung der Mitgliedsbeiträge oder anderer Leistungen ausgeglichen werden. Aus diesem Grund wurde eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge beschlossen. Die beschlossene Erhöhung der Mitgliedsbeiträge wird erst im Jahr 2024 einnahmenwirksam. Wir werden deshalb alles tun um in 2024 ein positives Ergebnis zu erwirtschaften. Insofern ist die Aussage, dass die Gebühren hoch sind und das Defizit auch falsch. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. 

Was würden Sie jetzt wohl über die FN sagen, wenn Sie noch Landespräsident wären?

Ich habe die FN und die Landesverbände immer als Ganzes gesehen. Insofern sind die Landesverbände gefordert auch Vorschläge einzubringen. Wer der FN kritisch gegenübersteht muss auch klar zum Ausdruck bringen, was verändert werden soll und die Veränderungen konstruktiv begleiten. Pauschale und generelle Kritik bringt uns nicht weiter.

Jetzt soll ein externes Finanzgutachten weiterhelfen, wie ist da der aktuelle Stand? Wurde es schon vergeben? Wie ist der Zeitplan bis zur nachträglichen Entlastung des Vorstandes?

Im Verbandsrat wurde beschlossen, eine gutachterliche Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer vorzunehmen. Leitfragen Prüfung sollen sein:

  • wurde das Controlling in der FN bislang ausreichend praktiziert?
  • welche Schwächen hatten die Kontrollmechanismen bislang?
  • können die Kontrollmechanismen optimiert werden?
  • sind die bestehenden Prüfungsumfänge durch den Wirtschaftsprüfer ausreichend?
  • istVorstand uder Haushaltsplan 2024 plausibel?
  • wie steht es um die Zukunftsfähigkeit der FN Finanzen?

Als Wirtschaftsprüfer wurde in der Zwischenzeit HLB Schumacher in Münster beauftragt. Den Auftrag wird Doktor Kaufmann mit seinem Team durchführen. Tätigkeitsschwerpunkte von Doktor Kaufmann sind die rechtliche, steuerliche und betriebswirtschaftliche Beratung von Unternehmen, speziell im gemeinnützigen Bereich. Wir haben hier einen sehr ambitionierten Zeitplan und wollen am 11. Juli in einer außerordentlichen Sitzung des Verbandsrates die Ergebnisse vorstellen.

Fürchten Sie, dass noch weitere Unstimmigkeiten ans Tageslicht kommen?

Wir können feststellen, dass der Jahresabschluss zum 31.12.2023 durch einen Wirtschaftsprüfer und unsere Rechnungsprüfer geprüft und auch festgestellt wurde. Anhaltspunkte für weitere Unstimmigkeiten bestehen derzeit nicht.

Nach dem Bekanntwerden der Finanzkrise gab es Rücktrittsforderungen, etwa durch den Unternehmer und Verbandskenner Martin Richenhagen? Diese haben sich auch auf Sie bezogen. Haben Sie jemals an einen Rücktritt gedacht?

Auf diese Frage möchte ich direkt nicht eingehen. Warten wir einfach das Ergebnis des Prüfungsauftrages ab. Dass Martin Richenhagen gerne Präsident werden würde ist nicht erst seit jetzt bekannt. Bis jetzt sind mir von ihm außer pauschalen und teilweise unsachlichen Vorhaltungen keine konkreten Vorschläge bekannt, was er besser machen würde. Ich bin seit über 20 Jahren in verschiedenen Funktionen bei der FN. In all den Jahren habe ich Herrn Richenhagen bei den verschiedensten Anlässen weder gesehen noch kennenlernen dürfen . Woher Herr Richenhagen seine guten Verbandskenntnisse nach innen und außen hat, erschließt sich mir nicht. Vorstand und Präsidium pauschal die Fähigkeiten abzusprechen ist mir zu wenig.

Aber wäre es jetzt vielleicht eine Lösung, wenn das engere Präsidium den Weg frei macht für ein neues Team? Martin Richenhagen hat sich als Sanierer ins Gespräch gebracht?

Das werden unsere Mitgliedsverbände zu entscheiden haben.

Roland Kern (Redaktion)

Der Ruhepol der Redaktion, der im Notfall immer noch eine Lösung parat hat. Die Stimme (The Voice) von Reiterjournal-TV, hat selbst Pferde bis zur Klasse S ausgebildet und kennt keinen Feierabend.

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