Holsteiner Delegiertenversammlung
Zahlen, Diskussionen, Aussichten
In entspannter und gelöster Grundstimmung trafen sich Holsteins Delegierte um in Neumünster, anlässlich der im halbjährlichen Turnus stattfindenden Delegiertenversammlung über die Entwicklungen der ersten Monate des Jahres zu diskutieren sowie einen Ausblick auf die zweite Jahreshälfte zu gewinnen. Gleich zu Beginn gab der erste Vorsitzende des Verbandes, Ulrich Steuber eine erste Übersicht über die Ereignisse der ersten Jahreshälfte ab. Dabei ging er unter anderem auf die Beteiligung des Verbandes als Gesellschafter der International Association of Future Horse Breeding GmbH & Co KG, IAFH ein und teilte mit, diese Beteiligung sei nach einer IAFH-Tagung nun gänzlich abgeschrieben worden, da mit finanziellen Erträgen in überschaubarer Zukunft nicht zu rechnen sei.
In der Folge ging Ulrich Steuber bereits in seiner Eingangsrede auf die aktuelle finanzielle Situation des Verbandes ein. Dabei zeigte sich der Vorsitzende durchaus selbstkritisch, teilte aber auch bereits getroffene Gegenmaßnahmen, wie etwa ein monatliches Controlling der Wirtschaftszahlen an.
Ihm folgte Zuchtleiter und Geschäftsführer des Verbandes, Stephan Haarhoff mit einem Abriss der Themen die ihm für seinen Zuständigkeitsbereich relevant erschienen. Weiter berichtete Sebastian Rohde für die Hengsthaltung von Zahlen, die zunächst moderat durchaus Hoffnung machen konnten, so konnte die Hengsthaltung die Zahlen für die aktuellen Bedeckungen im Vergleich zum Vorjahr gar leicht erhöhen.
Ihm schloss sich Felix Flintzer als Geschäftsführer der Vermarktung an mit seinem Bericht. Alle Vortragenden hatten dabei zunächst das Thema Finanzen zurückgestellt.
Gesammelt wurde dann hinsichtlich der Frage der Finanzen berichtet. Erneut berichteten die drei Geschäftsführer für ihre jeweiligen Zuständigkeitsbereiche. Als Ursachen für die aktuelle finanzielle Situation wurde hauptsächlich zwei signifikanten Abschreibungen etwa beim Verband ausgemacht (IAFH und Vermarktung) aber auch die allgemein schwierige Situation für Zucht und Pferdesport insgesamt, umfassende Kostensteigerungen bis hin zu Skandalen wie dem um Dr. Cesar Parra, wurden in dem Kontext thematisiert. Für das Jahr 2024 wurde ein weiterer Verlust in Höhe von 75000 Euro in Aussicht gestellt. Für die Folgejahre wurden den Delegierten durchaus signifikante Gewinne in Aussicht gestellt, alleine für den Verband für 2025 ein Plus von 200000 Euro.
In der sich anschließenden Fragerunde stellten Delegierte kritische Fragen. Dabei wurde an einigen Stellen durchaus auch sichtbar, dass vielfach das Prinzip Hoffnung den in Aussicht gestellten positiven Entwicklungen zugrunde liegt. Beispielsweise wenn die Ertragserwartungen des Verkaufsstalls alleine an die Wertsteigerung durch die Ausbildungsarbeit eines einzelnen Ausbilders gekoppelt erscheint. Besonders kontrovers wurde dabei die Rolle des eigenen Handelsstalls der Vermarktung diskutiert, ebenso wie Mietkosten der Vermarktung für die Anlage in Elmshorn. Auch die Frage des Rückgangs der Liquidität aller drei Sparten von über drei Millionen auf 1,7 Millionen innerhalb 12 Monaten wurde angesprochen.
Deutlich wurde zudem, dass die Abschreibung in Höhe von über 400000 Euro beim Verband, der eine Finanzspritze an die Vermarktung zugrunde lag, alternativlos war. Andernfalls, so die Einschätzung bei Teilen der Delegierten hätte eine drohende Überschuldung der Vermarktung im Raume gestanden. Dabei wurde der Schritt der Abschreibung gar nicht im Delegiertenkreis kritisiert. Es war eher die Frage der transparenten oder wie es einige Teilnehmer ausdrückten eher intransparenten Informationsweise über die Vorgänge, die kritisiert wurden. Auch die positiven Aussichten wurden in der Diskussion thematisiert. So werde alleine für die Hengsthaltung eine Umsatzsteigerung von über 30% veranschlagt, die aus dem Auditorium kritisch hinterfragt wurden. Deutlich wurde abschließend das der Hauptansatz des aktuellen Vorstandes darin besteht, die finanzielle Situation zukünftig über einen Ausbau der verbandseigenen Handelsaktivität mit Pferden, auch über Auktionen hinaus, zu erreichen. Dafür soll eben neben der bereits erfolgten Reaktivierung des Handelsstalls auch die Aktivität der Hengsthaltung auf dem Feld des Erwerbs und der Fohlenaufzucht gestärkt werden.
Abschließend wurde ein Bericht der Prüfung des Jahresabschlusses des Verbandes vom Wirtschaftsprüfer vorgetragen, der sich ausdrücklich nicht auf die beiden Gesellschaften Vermarktung und Hengsthaltung bezog. Ausdrücklich hingewiesen wurde im Rahmen dieses Berichtes vom Wirtschaftsprüfer auch auf die Tatsache, das lediglich auf die Ordnungsmäßigkeit geprüft werde, nicht jedoch auf die Wirtschaftlichkeit. Ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk hinsichtlich der Ordnungsmäßigkeit – darauf wurde vom Prüfer erneut noch einmal hingewiesen – konnte erteilt werden. Bei ca. 9 Enthaltungen ( die genaue Anzahl wurde nicht kommuniziert) wurde der Vorstand im Anschluss an den Bericht des Kassenprüfers mit großer Mehrheit entlastet.
Auch ein Vorstandsposten musste durch Wahl neu bestimmt werden. Einstimmig wurde Inken Gräfin von Platen-Hallermund, ohne Gegenkandidat wiedergewählt.
Bei aller Kontroverse gelang es den Delegierten die Diskussionen des gesamten Abends grundsätzlich in großer Ruhe und Ernsthaftigkeit zu absolvieren.