Holsteiner Delegiertenversammlung
Olaf Rörden bestätigt als Erster Vorsitzender – Matthias Wree neu im Vorstand
Es war eine wahrlich ausgedehnte Sitzung, die turnusgemäße Delegiertenversammlung des Holsteiner Verbandes – kurz vor Mitternacht konnte der Erste Vorsitzende, Olaf Rörden die Versammlung schließen. Dabei hielt die konstruktive Stimmung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dennoch, sowohl dem ausgedehnten Zeitplan, als auch den teilweise durchaus schwierigen Themen stand. Die Zeiten harter Zerwürfnisse auf offener Bühne, scheinen in Holstein -zumindest derzeit - vorbei.
Im Laufe des Abends standen etliche Wahlen an. Der erst im vergangenen Dezember, nach dem vorzeitigen Rückzug von Ulrich Steuber zum Ersten Vorsitzenden gewählte Olaf Rörden, musste sich turnusgemäß dem Vertrauenstest stellen. Das Urteil der Delegierten fiel in geheimer Wahl deutlich aus: Bei einer Gegenstimme wurde der Landwirt von der Insel Föhr mit 81 Ja-Stimmen in seinem Amt bestätigt. Eine Neubesetzung war für das Amt des ersten Beisitzers notwendig. Der bisherige Amtsinhaber, Dieter Feddersen, stand aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung und wurde vom ersten Vorsitzenden und den Delegierten mit Dank verabschiedet. Doch es blieb nicht bei warmen Worten alleine, für seine Verdienste um das Holsteiner Pferd wurde Dieter Feddersen die Ehrennadel des Verbandes in Silber verliehen. Neu ins Amt gewählt wurde als zukünftiger erster Beisitzer Herr Matthias Wree, der sich gegen zwei Mitbewerberinnen durchsetzen konnte. Der Geschäftsführer eines international agierenden Handelshauses für Agrarrohstoffe aus Hartenholm im Kreis Segeberg, kündigte an er wolle vor allem im Hintergrund dezent und leise für das Wohl des Verbandes agieren.
Es folgten etliche turnusgemäße Wahlvorgänge für die Vertreter der Züchter und des Sports in Kör- und Widerspruchskommission. Deike Ahsbahs wird zukünftig die Züchtervertreterin in der Körkommission sein, vertreten durch Carsten Lauck. In der Widerspruchskommission ist Rasmus Lüneburg die Stimme der Züchter, vertreten durch Friedrich Wettberg. Als Vertreter des Sports in der Körkommission wurde Lars Nieberg bestätigt. Bei Verhinderung wird ihn Lars Bak Andersen vertreten. In der Widerspruchskommission wurden Carsten Otto Nagel als Stimme des Sports und Peter J. Thomsen als sein Stellvertreter bestätigt.
Handlungsbedarf wurde hinsichtlich der ökonomischen Situation des Verbands deutlich. Dabei gab es durchaus auch positive Trends zu berichten. So konnte die Hengsthaltung des Verbandes ihren Anteil an der Zahl der Holsteiner Gesamtbedeckungen deutlich steigern. Und auch der Rückgang bei den Fohlenmeldungen fiele mit aktuell, Stand 11.06. 2025, -3,6%, moderater aus, als im Bundestrend und folge damit auch nicht voll dem Rückgang der Bedeckungen aus dem Vorjahr von annähernd 10%. Allerdings stehen diese Zahlen bereits am Ende einer mehrjährigen, wenig positiven Entwicklung. Dies gilt auch für die finanzielle Situation vom Verband und seinen Tochter GmbH’s. Der als externer Wirtschaftsberater vom Vorstand hinzugezogene Thies Beuck, erläuterte die finanzielle Situation, die Aussichten und ging auch auf zukünftige Erwartungen ein. Für etwas Diskussionsstoff sorgte dabei seine Formulierung der Erwartung eines moderat positiven Ergebnisses für das Geschäftsjahr 2025. Aus dem Delegiertenkreis wurde die Erwartung formuliert, ein doch deutlich positives Ergebnis nach dem Verkauf des Hengstes Zuccero zu erwarten. Es entstanden Mutmaßungen hinsichtlich des tatsächlich erreichten Erlöses für das ehemalige Aushängeschild der Holsteiner Verbands Hengsthaltung. Diese wollte Thieß Beuck aber nicht weiter bestätigen. Er sei einfach nur von Natur aus ein vorsichtiger Mensch und vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage, sei eine belastbare Prognose zur Mitte des Geschäftsjahres, einfach sehr schwer zu treffen. Deutlich wurde der Handlungsbedarf auch während des Berichts des Wirtschaftsprüfers für den Holsteiner Verband e.V. (für die GmbH’s gab es keinen Prüfauftrag). Die Prüfung habe zu keinerlei Einwendungen geführt und habe zu einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk geführt. Dennoch stellte der Wirtschaftsprüfer auch klar: Die operative Ertragslage des Verbandes sei für 2024 negativ. Die Liquiditätslage des Holsteiner Verband e.V. habe sich in 2024 verschlechtert. Der Wirtschaftsprüfer stellte allerdings auch fest, dass die Eigenkapitalquote mit derzeit 76% gut sei. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen verabschiedeten die Delegierten nach umfangreicher Diskussion, eine Anpassung der Gebührenordnung. Dabei wurden Gebührensteigerungen (der Jahresbeitrag für aktive Mitglieder beträgt künftig 150 Euro statt bisher 110 Euro) besonders auch für Leistungen des Verbandes wie etwa die Hofkörung, die Stutenfortschreibung, die Erstellung von Pferdepässe u.a. beschlossen. Gleichzeitig wurde die Möglichkeit einer passiven Mitgliedschaft zu einem ermäßigten Beitrag (125 Euro) neu geschaffen, der ermäßigte Mitgliedsbeitrag für Jungzüchter gilt zukünftig bis zum 30. Lebensjahr und die Aufnahmegebühr für Jungzüchter entfällt. Ohne Zustimmung der Delegierten blieb die geplante Erhöhung des Beitrages für die Hengstvorbesichtigungen, die mit 33 Nein-Stimmen zu 27 Ja-Stimmen, abgelehnt wurde.
Immer wieder wurde aus dem Delegiertenkreis die Notwendigkeit der Betrachtung der Ausgabensituation von Verband und GmbH‘s angesprochen. Diesem Ansinnen stelle sich auch der Vorstand, betonte der Erste Vorsitzende, Olaf Rörden. Als umfangreiche Maßnahme sei daher angedacht zum Jahr 2026 die beiden Gesellschaften, Hengsthaltung und Vermarktung, in einer gemeinsamen GmbH zusammen zu führen. Dies dann voraussichtlich weiterhin unter der Geschäftsführung durch Felix Flintzer, der aktuell beide Gesellschaften führt. Die Gespräche und Überlegungen hierzu liefen aktuell allerdings noch, die Delegierten und Mitglieder wolle man auf diesem Wege mitnehmen. Vermutlich wird es dazu auch entsprechende Satzungsänderungen geben (müssen).