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von Stephan Bischoff am Freitag, 06.06.2025 um 21:24

Diskussionen um das Landgestüt Redefin

Oder doch nur Sturm im Wasserglas?

Der Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern forderte die Privatisierung des Landgestüt Redefin  /  © Bischoff
Vielmehr als "nur" Pferde - Veranstaltungsort, Tourismusfaktor, Begegnungsstätte. Das Landgestüt Redefin wird vielfach von der Mecklenburgischen Bevölkerung und ihren Gästen genutzt.  /  © Bischoff

Man kann es getrost ein Lehrstück über die Schwächen moderner Mechanismen des Medienbetriebs, im digitalen Zeitalter bezeichnen, was da gerade in den vergangenen Tagen rund um das Landgestüt Redefin in Deutschlands Medienwelt aufgeführt wurde. Der Bund der Steuerzahler Mecklenburg-Vorpommern, als selbsternannter, angeblicher Wächter über eine effiziente Ausgabenpolitik des Staates, hatte in einer Pressemitteilung aufgefordert, das Land Mecklenburg-Vorpommern möge das Landgestüt Redefin endlich privatisieren, also veräußern. Dabei hatte die Presseaussendung zunächst erst einmal wirklich einen Punkt: In Fragen des Managements, der Erstellung eines Sanierungskonzeptes und der Personalführung, hat das zuständige Landwirtschaftsministerium nicht immer eine glückliche Hand oder gute Kommunikationsstrategie bewiesen. Betrachtet man die Pressemitteilung des Steuerzahlerbundes Mecklenburg-Vorpommern jedoch genauer, ist sie an Populismus und Clickbaiting kaum zu überbieten. Das beginnt bei der Frage der Bebilderung. Statt eines von geschätzt tausenden, existierenden realen Fotos zu verwenden, die in Redefin erstellt wurden und authentische Sachverhalte, Alltagsgeschäft, Veranstaltungen zeigen, hat sich der BdStZ M-V entschieden, die künstliche Intelligenz von Chat GPT ein Bild kreieren zu lassen. Entstanden ist ein Machwerk, das einen nur mäßig realistischen Schimmel zeigt, der in einem Setting, wie es vor den örtlichen Gegebenheiten in Redefin so gar nicht stattfinden kann, unter einem Reiter im schwarzen Frack und mit Zylinder! auf dem Kopf, ein Hindernis überwindet. Ganz offensichtlich sollte das Foto die folgende Erzählung der Pressemitteilung unterfüttern. Vom Pferd als Luxus-Gut und dem Landgestüt als Relikt längst vergangener Zeiten. Sogar einen angeblichen Widerspruch zu einem demokratischen Staatswesen ließ die Pressemitteilung anklingen, wenn sie wortwörtlich fragt: „Wofür ein demokratisches Land Relikte längst vergangener Zeiten aus Steuermitteln finanzieren muss, erschließt sich uns nicht.“ Als wäre Pferdezucht ein undemokratischer Umtrieb!

Das Landgestüt Redefin diene nicht der Sicherung der Daseinsvorsorge und gehöre nicht in staatliche Hände. Man fordere die Landesregierung mit Nachdruck auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und endlich die notwendigen Schritte zu einer Privatisierung einzuleiten", wird der BdStMV-Landesgeschäftsführer, Sascha Mummenhoff zitiert. Im aktuellen Schwarzbuch werde das Landgestüt Redefin als Fall von Steuergeldverschwendung aufgeführt. Allein in den vergangenen fünf Jahren seien mindestens 16,5 Mio. Euro Steuergeld in den Erhalt des staatlichen Gestüts geflossen, heißt es weiter. 

Ein einziger Hengstparaden-Termin in Redefin zieht mehrere Tausend Menschen an.  /  © Bischoff

Dass es sich bei dem sogenannten „Schwarzbuch“ um eine Eigenmarke des Bund der Steuerzahler handelt, bleibt ebenso unerwähnt, wie der Hinweis, dass 10 Millionen der erwähnten 16,5 Millionen Euro auf eher einmalige, bauliche Renovierungskosten zum Erhalt des bedeutenden, denkmalgeschützten architektonischen Ensembles entfallen. Das wirklich fatale an dieser Geschichte ist, wie einfach sie funktioniert hat. Einmal quer durch die Republik, tauchte diese Presseaussendung in der Folge in den Onlineportalen deutscher Medien auf. Vom öffentlich-rechtlichen NDR bis zu derart renommierten Häusern wie der SZ. Dabei gab die Süddeutsche wenigstens noch den redaktionellen Hinweis, es handele sich bei der Meldung um einen Text, der automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen worden sei und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet wurde. Doch eine journalistische Einordnung blieb dennoch, wie auch andernorts, aus. Warum etwa der Bund der Steuerzahler Mecklenburg sowohl in seiner PM als auch in seinem Artikel im eigenen Schwarzbuch 2024 Pferdesport, Pferdezucht und das Landgestüt als Epizentrum des Luxus schlechthin charakterisiert und dann gleichzeitig die Existenz der Angebote, die Pferde und das Reiten eben auch für ökonomisch weniger starke Schichten zugänglich machen sollen, als Verschwendung brandmarkt ist nicht wirklich schlüssig. Auch die mehrfach geäußerte These, Pferdezucht, Reiten und ein Landgestüt gehörten nicht zur Daseinsvorsorge. Augenscheinlich nimmt der Bund der Steuerzahler M-V für sich in Anspruch die Deutungshoheit über den Begriff Daseinsfürsorge zu besitzen. Wörtlich heißt es im Schwarzbuch dazu, Zitat: “Es erschließt sich nicht, weshalb es notwendig sein soll, Pferde – als Luxusgut – und Reiten – als Luxussport – mit Steuergeld dauerhaft und in großem Stil zu fördern.“ Als alternative Ausgabemöglichkeit wird dann noch der Kinder- und Jugendbreitensport in MV genannt. Ganz so, als seien beide Komplexe Gegensätze und als gäbe es weder breitensportlichen Kinder- und Jugendreitsport noch gehörte es nicht eben auch zur Daseinsfürsorge einer modernen Gesellschaft, für Teilhabemöglichkeiten zu sorgen. Fast könnte man auf die Idee kommen, die Damen und Herren des Steuerzahlerbundes Mecklenburg-Vorpommern würden die Meinung vertreten wollen, breite gesellschaftliche Teilhabe am Zugang zum Pferd sei unerwünscht.

Auch die Tatsache, das das Landgestüt Ausbildungsstätte und damit für junge Menschen Garant für eine qualifizierte Berufsausbildung ist, wird nicht thematisiert.  /  © Bischoff

Dabei ist der Verein selber keineswegs unumstritten. Der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern vertritt gerade einmal 2900 Mitglieder, wie uns auf Anfrage mitgeteilt wurde. Da kommen zu einem einzigen Redefiner Hengstparaden-Termin, gerne schon einmal annähernd doppelt so viele Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Vielfach wurde der Bund der Steuerzahler in der Vergangenheit in Studien und Recherchen als intransparent und in seiner Kommunikation als skandalisierend bezeichnet. Eine langjährige Kooperation mit einem Versicherungskonzern zum Zweck der Mitgliederwerbung, kostete ebenso Glaubwürdigkeit, wie die Höhe der Bezüge von ehemaligen Vereinspräsidenten. Bereits 2005 berichtete der Spiegel, die vom Steuerzahlerbund angeprangerten Skandale würden „sich allzu oft eher als Skandälchen herausstellten, die zudem aus Rechnungshofberichten abgeschrieben worden waren“. Interessanterweise findet sich auch in der Antwort des Bund der Steuerzahler M-V auf ganz konkrete Fragen unserer Redaktion, ein Verweis auf „mehrere Erwähnungen des Landgestüts im Arbeitsbereich des Landesrechnungshofes über die vergangenen 10 bis 15 Jahre.“ Wirklich konkrete Antworten auf unsere Fragen hinsichtlich der Bedeutung einer Institution wie des Landgestütes Redefin für eine eher strukturschwache Region, die Wirkung auf lokale Wertschöpfungsketten oder den Tourismus, ebenso wie den gesellschaftlichen Nutzen als Veranstaltungsort vielfältiger Kulturangebote, blieben hingegen aus. 
Vor diesem Hintergrund mutet es fatal an, dass eine derartige Presseaussendung, ohne jedwede Gegenrecherche und Einordnung flächendeckend reproduziert wurde. Das Narrativ vom Landgestüt als Vehikel zur Steuerverschwendung gesetzt werden konnte. 

Minister Till Backhaus (rechts im Bild) bekennt sich deutlich und nachdrücklich zum Landgestüt Redefin.  /  © Bischoff

Erfreulich hingegen, dass sich sowohl der zuständige Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, als auch die größte Fraktion im Schweriner Landtag, die SPD-Fraktion, klar positionierte und sich eindeutig zum Landgestüt Redefin bekannte. Till Backhaus sagte in einem Statement: „Das historische Landgestüt Redefin genießt als raumbedeutsames Denkmal einen besonderen Schutz und ist mit über 100.000 Gästen jährlich ein Besuchermagnet. Es ist das Zentrum der Pferdezucht und des Pferdesports in Mecklenburg-Vorpommern. Hier werden wichtige Genreserven alter Rassen vorgehalten und dringend benötigter Nachwuchs ausgebildet. Mit der Lage vor den Toren Hamburgs bietet der Standort außerdem hervorragende Voraussetzungen zur Ausrichtung von Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Die Entscheidung das Landgestüt in seiner Besonderheit erhalten zu wollen fiel bereits Anfang der 90ziger Jahre; im Übrigen in einer Zeit, in der die CDU mit in der Regierungsverantwortung stand. Diese Entscheidung hat bis heute durchgetragen, denn das Bekenntnis zu Redefin wurde über die vergangenen 30 Jahre hinweg im Schweriner Landtag immer wieder erneuert.
Damit verbunden war auch immer die Einsicht, dass das Landgestüt ein Zuschussgeschäft ist. Es ist vermessen zu glauben, dass sich ein solches Ensemble – mit ganz besonderen Anforderungen an den Denkmalschutz – selbst trägt. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit wird bei vielen anderen Denkmalen im Land berechtigterweise auch nicht gestellt. Niemand hat die Erwartung, dass sich das Schweriner Schloss selbst trägt und doch sind wir dankbar, dass wir es haben, dass es mit Leben gefüllt und öffentlich zugänglich gemacht wurde und mit der Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe nun die höchste Adelung überhaupt erhalten hat.
Das Landgestüt als verzichtbaren Luxus zu bezeichnen, ist für mich Polemik und verkennt die kulturhistorische Bedeutung der Anlage sowie die Leistungen, die vor Ort von den 30 Mitarbeitenden hinsichtlich Zucht und Ausbildung erbracht werden. 
Die wiederkehrenden Forderungen nach einer Privatisierung laufen aus meiner Sicht ins Leere. Kein betriebswirtschaftlich denkender Mensch, der mit seinem Gestütsbetrieb Geld tatsächlich Geld verdienen muss, würde die speziellen Rahmenbedingungen, die ein historisches Gestüt mit sich bringt, favorisieren. Das Landgestüt als Museum zu betreiben, ist für mich auch keine Option. Ein altes Gemäuer muss mit Leben gefüllt werden, damit es in die Zukunft überführt werden kann. Ein Leerstand wäre ein großer Verlust für den Pferdebereich, für den Tourismus und den ländlichen Raum insgesamt.“
Im Schnitt der vergangenen zwölf Jahre hat das Land die laufenden Kosten (inklusive Personal) des Gestüts jährlich mit ca. 1,5 Millionen Euro bezuschusst. Hinzu kommen Kosten für unterhaltende Baumaßnahmen in Höhe von rund 10,9 Millionen Euro, die im Wesentlichen zwischen 2010 und 2018 stattgefunden haben. Die Grundsanierung des Gestüts ist damit zunächst abgeschlossen.“

In der Juli Ausgabe des Züchterforum werden wir uns noch einmal intensiv mit dem Themenkomplex befassen.

Den kulturellen Wert den die Pferdezucht verkörpert scheint man beim Bund der Steuerzahler M-V nicht erkennen zu wollen.  /  © Bischoff

Stephan Bischoff (Redaktionsleitung)

Redaktion Züchterforum, Pferdefotograf und Journalist, der sich auch vor unangenehmen Themen nicht scheut. Stets mit einem offenen Ohr für Züchter, Leser und Pferdefreunde.

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