Frankfurt: Ein echtes Spitzenduell
Das Top-12-Finale lockt beim Frankfurter Festhallen Reitturnier mit echter Weltklasse-Besetzung. Am Ende gaben die Europameister, Justin Verboomen mit Zonik Plus, höchstpersönlich den Ton an.
Ein 10er-Gewitter
Bereits beim ersten Blick auf die Starterliste entwickelte sich wohl bei jedem Dressursportfreund echte Vorfreude. Das Top-12-Finale könnte fast nicht besser besetzt sein. Klar, die Briten um Charlotte Fry mit Glamourdale oder Becky Moody mit Jagerbomb fehlen, dennoch schreiben sich Namen wie Justin Verboomen, Isabell Werth oder Cathrine Laudrup-Dufour in die Starterliste ein. Genau zwischen diesem Trio hatte sich bei den Europameisterschaften die Vergabe der Medaillen entschieden. Sollte es wieder genauso ausgehen? Die Antwort ist nein. Justin Verboomen befand sich mit seinem erst neunjährigen Hengst Zonik Plus (Z.: Dressage Plus LDA) erneut unangefochten an der Spitze. Es ist immer wieder beeindruckend, in welcher Ruhe, Zufriedenheit und Konzentration sich das Paar von Lektion zu Lektion bei stets bestem Seitenbild „schnurrt“. Absolute Highlights bildeten einmal mehr die Galopppirouetten, die sich einfach lehrbuchhaft präsentierten (mehrfach mit der Note 10 bewertet). Auch die Piaff-Passage-Tour überzeugte mit viel Gleichmaß. Die Wechseltouren gelangen fehlerfrei und in ihrem Durchsprung noch gelassener als zuletzt der Fall. Völlig verständlich durfte sich das Duo über ein neues Personal Best von 81,5 Prozent freuen. Doch die Tatsache eines Peronal Bests war dem Belgier gar nicht so wichtig. „Ich wollte meine Punkte nach dem Ritt gar nicht wissen“, gesteht er fast schüchtern. „Für mich ist das Gefühl viel wichtiger". Ein beeindruckender Fakt am Rande: Der Frankfurter Grand Prix war für den Hannoveraner erst der neunte Grand Prix überhaupt und der fünfte Sieg. Die beiden setzen also ihre Siegesserie fort und gelten schon längst nicht mehr nur als die „Shootingstars“ des Jahres.
Wendys bester Grand Prix
Doch der Belgier bekommt Druck von weiteren Plätzen. Vielmehr setzten Cathrine Laudrup-Dufour und Isabell Werth die Messlatte hoch. Letztere meldete sich nach einer Auszeit mit ihrer Wendy de Fontaine zurück, und wie. Man konnte fast schon sagen, dass es die beste Grand Prix Prüfung der elfjährigen Sezuan-Tochter (Z.: Kurt Gosmer) war, was auch mit einem neuen Personal Best belohnt wurde. Im Vergleich zu den Europameisterschaften zeigte sich Wendy in Frankfurt im Genick nachgiebiger, in sich noch losgelassener und dynamischer. Absolutes Highlight bildete die aktiv abfußende und hinsichtlich Gleichmaß einem Metronom gleichende Piaff Passage Tour (hierfür gab es mehrfach die Note 10). . „Alle drei Piaffen waren wirklich überragend: auf der Stelle, 15 absolut stabile Tritte und wenn ich gewollt hätte, hätte ich auch 30 machen können", resümierte Isabell Werth glücklich. Im Vergleich zu Zonik Plus hat die Stute hier vielleicht sogar die Nase etwas vor dem Hengst. Auch die Galopptour hat sich weiter gefestigt. So präsentierten sich die Serienwechsel noch gelassener in ihrem Durchsprung und die Galopppirouetten noch zentrierter. Alles in allem mussten sich Werth und Wendy mit 81,4 Prozent knapp von Justin Verboomen und Zonik Plus geschlagen geben. Sie verwiesen aber die Silbermedaillengewinnerin von Crozet, Cathrine Laudrup-Dufour mit Mount St. John Freestyle, auf den Bronzerang. Die Dänin brillierte mit ihrer 16-jährigen Fidermark-Tochter (Z.: Stephan Kurz) einmal mehr in puncto Harmonie und punktete mit einer gleichmäßigen Trabtour sowie den Galopppirouetten. Die Piaffen zeigten sich aktiv abfußend, wenn auch heute nicht mit dem letzten Gleichmaß. Hinzu kam ein sehr teurer Taktfehler in der letzten Trabverstärkung, was zu einem Endergebnis von 79,7 Prozent führte. Frederic Wandres mit Bluetooth OLD (76,6 Prozent) und Sandra Sysojeva mit Maxima Bella (74,3 Prozent) komplettierten die Top 5.
Am Sonntagvormittag wird es in der abschließenden Grand Prix Kür mit Sicherheit außerordentlich spannend. Und erneut gilt die Frage: Setzt der Europameister seine Siegesserie fort oder gibt es einen Sieg für eine der Damen? „Ich reite sehr gerne Kür“, erklärte Verboomen und fügte hinzu: „Und ich liebe unsere Kürmusik vom Anfang bis zum Ende.“ Man darf sich schon jetzt freuen. Schon der Freitagvormittag beim Frankfurter Festhallen Reitturnier war Werbung für den Dressursport!