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von Thomas Hartwig am Montag, 13.04.2026 um 18:56

Den Bock zum Gärtner gemacht

Kommentar zur Evaluierung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT)

Die von der Agentur AFC Public Services zurzeit erarbeitete Evaluierung der GOT lässt vermuten, dass man die Tierarzthonorare noch weiter anheben will.  /  © Thomas Hartwig

Eine Studie der Agentur AFC Public Services GmbH in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Eberhard Haunhorst, die von Mai 2020 bis Februar 2021 durchgeführt wurde, war Grundlage für die Entwicklung der ab November 2022 geltenden Gebührenordnung für Tierärzte (GOT).

Die Studie bei der rund 1300 Tierärzte selbst und ungeprüft angeben konnten, wie viel Zeit sie für bestimmte tierärztliche Maßnahmen benötigen, weist diverse Mängel auf. Wie unsicher über den Wert der Studie die Urheber selbst waren, entlarvt folgender Satz, der sich im Abschlussbericht der Studie wiederfindet und der sich mit der Sicherheit der bei der Studie gewonnen Daten beschäftigt: „…die angegebenen Werte aus der Zeiterhebung beruhen auf gefühlten Eindrücken der Tierärzte und sind keine gemessenen oder buchhalterischen Werte.“

Die GOT mit ihren exorbitant gestiegenen Honoraren hat zu katastrophalen Auswirkungen auf den Tierschutz, die Tierhalter, aber auch manche Tierärzte geführt, denen schlicht die Aufträge weggeblieben sind. Prof. Haunhorst ist heute Leiter der Abteilung „Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit“ im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. In dieser Funktion ist er für die anstehende Evaluierung der GOT zuständig. Wen hat er damit wohl beauftragt? Ausgerechnet die Agentur AFC Public Services GmbH, deren Gutachten auch schon zu anderen Themen in der öffentlichen Kritik standen. Sehr freundlich ausgedrückt erinnert der gesamte Vorgang doch recht stark an den bekannten Spruch: „Den Bock zum Gärtner machen.“  Oder anders ausgedrückt. Hier hat eine Auftragsvergabe deutlich mehr als nur ein Geschmäckle.

Die FN, die neuerdings unter dem Label Pferdesport Deutschland firmiert, Deutscher Galopp und der Hauptverband für Traberzucht (HVT) haben sich jetzt mit einer gemeinsamen Stellungnahme an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer gewandt und auf die katastrophalen Auswirkungen der GOT auf die gesamte Pferdezucht und den Pferdesport in Deutschland hingewiesen. So haben sich mit der GOT 2022 viele tierärztliche Leistungen um 100, teilweise um 200 Prozent und in Einzelfällen sogar noch darüber hinaus verteuert. Gleichzeitig betonten die drei Verbände, dass der von der AFC Public Services gewählte Ansatz zur Evaluierung vermuten lässt, dass zukünftig die Tierarzthonorare noch weiter steigen sollen.

Thomas Hartwig (Redaktion)

Freier Pferdesportjournalist, der stets mitten im Geschehen ist und bei seiner Berichterstattung kein Blatt vor den Mund nimmt.

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