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von Claus Schridde am Montag, 03.08.2026 um 21:48

Herwart-von-der-Decken-Schau: Siegerinnen von Diacontinus und Bonds

Die Siegerstute Dressur Hann.Pr.A. Beautiful Vibe mit Carsten Leopold, Thomas Berger, Lukas Martens-Bruns, Anna-Luisa Hermann, Dr. Frederic Bünger, Heike Kemmer und Martin Klavsen.  /  © Hannoveraner Verband (frei)

Insgesamt 76 Stuten (22 springbetont gezogen, 54 dressurbetont) hatten sich auf den regionalen Stutenschauen zur Teilnahme an der diesjährigen Herwart-von-der-Decken-Schau in Verden empfohlen, die bei strahlendem Sommerwetter über die Bühne ging. Die 76 Stuten stammten von 56 verschiedenen Vätern ab. Dabei stellte der Schockemöhle-Hengst Escanto PS mit fünf Töchtern das größte Kontingent, gefolgt von Dynamic Dream (Schockemöhle/Helgstrand) und dem Celler Landbeschäler Von und Zu mit je vier Stuten, For Real (Schockemöhle/Helgstrand) mit drei sowie Bloomberg, Bonhöffer, Escolar, Macchiato, Secret, Va Pensiero, Valensky und Vitalis (je 2).

Der Tag begann traditionell mit dem Freispringen unter freiem Himmel für die Springstuten. „Die Springstuten zeichnete sich in der Breite durch ihr gutes Vermögen aus. Jede war aufgrund ihrer hohen Qualität zu Recht hier dabei“, lobte Zuchtleiter Ulrich Hahne die 22 Teilnehmerinnen. Siegerstute Springen wurde Hann. Pr. A. Dieke (v. Diacontinus-Lincolm L-Don Juan-Servus-Abhang II-Ahnherr I, Hann. Stamm 917/Sabalota, Z.: Christa Westermann, Dannenberg, B.: ZG Steffen & Hermanski, Dannenberg), deren Mutterstamm seinen Ursprung in der Artkenburger Elbmarsch hat. Die ausgesprochen formschöne, sehr elastisch auftretende Dunkelbraune Dieke begeisterte Präsidiumsmitglied Hergen Forkert und Zuchtleiter Ulrich Hahne mit ihrem Auftritt nicht nur über dem Sprung, sondern auch in der Bewegung. Hinzu kam eine makellose Konstruktion. Ihre Mutter Lotte ist auch Urgroßmutter des bekannten Vererbers Karajan (Klosterhof Medingen).

Auf dem beeindruckenden Endring folgte die Hann. Pr. A. Noblesse S (v. Nevados S-Diamant de Plaisir I-Gragenit-Windspiel-Novum xx-Lavendel-Endflug, Westf. Stamm 137/Nora, Z. u. Ausst.: Ernst Stahlhut, Stadthagen). Sie beeindruckte durch ihren Ehrgeiz und ihre schnellen Reflexe. Die Schimmelstute kennt es, an der Spitze zu stehen: Sie gewann im April dieses Jahres den Freispringwettbewerb des Programms Hannoveraner Springpferdezucht und war Siegerstute der Schau in Bisperode. Enge verwandtschaftliche Bande gibt es zum Moritzburger Landbeschäler Lemwerder. Hergen Forkert erklärte vor beim Schlussring der Springstuten: „Als ich hier seinerzeit im Präsidium anfing, habe ich mich dafür stark gemacht, dass wir bei den Springpferden wieder vermehrt auf einen starken Rücken und Schub auf der Hinterhand achten sollten. Ich denke, das ist beachtet worden und das Lot der Springstuten hat diesbezüglich voll überzeugt!“

Die gelb-weiße Siegerschärpe der Dressurstuten gewann Hann. Pr. A. Beautiful Vibe (v. Bonds-Christ-Weltadel-Romadour II-Perlkönig I-Plutos, Westf. Stamm 363/Florette, Z.: Sebastian Kopp, Rohr, B.: Gestüt Allerhop, Hambühren), die mit großem Applaus die auf der Dreiecksbahn empfangen wurde und ihrem Namen (frei übersetzt wunderschöne Stimmung) alle Ehre macht. Die bildschöne, bergauf konstruierte Rappstute ließ in puncto Takt und Abfußen keine Wünsche offen. Dass sie auch ein überragendes Reitpferd ist, hat sie bereits mit dem Sieg in einer Reitpferdeprüfung unter Beweis gestellt. Nur Nuancen dahinter sahen die Richter Heike Kemmer, Martin Klavsen und Ulrich Hahne die Reserve-Siegerin Hann. Pr. A. Escalita (v. Escanto PS-Damon Hill-Ampère-Ravallo-Frühlingstraum II-Romadour II-Hartung/T.-Ehrenschild, Hann. Stamm 182/Astfläche bzw. Jucking, Z. u. Ausst.: Tobias Schult, Hünxe/Rhld.). Sie beeindruckte durch Ausdruck, Markanz sowie großen Fleiß und Raumgriff in der Bewegung. Der Stutenstamm der Jucking, seit vielen Generationen im Rheinland gepflegt bei Familie Schult in Hünxe, steht seit Jahren für Erfolge bei der Herwart von der Decken-Schau. Ihre Urgroßmutter St.Pr.St. Reine Freude, Mutter des bedeutenden Vererbers Fidertanz  stellte 2021 die Sieger- und 2025 die Reserve-Siegerfamilie.

„Heute haben wir eine große Kollektion mit außerordentlich hoher Qualität gesehen“, sagte Gastrichter Martin Klavsen. Der Zuchtexperte aus Dänemark beurteilte die dressurbetont gezogenen Stuten gemeinsam mit Heike Kemmer und Ulrich Hahne. „Es war deutlich zu erkennen, wieviel Arbeit, Fachwissen und Leidenschaft hinter jeder einzelnen Stute steckt, und es ist inspirierend zu sehen, wie der Hannoveraner Verband weiterhin Maßstäbe in der Sportpferdezucht setzt.“ Klavsen weiter: „Die Herwart von der Decken-Schau ist eine Veranstaltung mit großer Tradition und großer Bedeutung für die Hannoveraner Zucht!“

Ein besonderes Highlight der Herwart-von-der-Decken-Schau ist die Vergabe des Friedrich Jahncke-Preises für die höchstbewertete Familie der Schausaison. Mit dieser prestigeträchtigen Auszeichnung wurde die Familie der St. Pr. St. Sammy Jo (v. Silvio I-Escudo II-Wendekreis-Duktus-Marcio xx) geehrt. Sie und ihre beiden Cador-Töchter Hann. Pr. St. Confetti M und Hann. Pr. A. Catch Me M, ehemalige Hannoveraner Springpferdechampionesse, hatten den Schauplatz Wingst-Dobrock bereits als Gold-Familie verlassen. Der Züchterfamilie Mahler aus Neuhaus gelang damit ein besonderer Erfolg. Im vergangenen Jahr gewann nämlich die aus demselben Mutterstamm (Hann. Stamm 702/Lamm) und demselben Züchterhaus resultierende Familie der Coco M (v. Comte-Escudo II-Wendekreis-Duktus-Marcio xx) mit den Töchtern Golden Hour M und Golden Moment M (v. Grey Top) an gleicher Stelle den Herwart-von-der-Decken-Preis. 

Claus Schridde (Redaktion)

Zuchtexperte, Fachjournalist, Züchter und Pferdemann durch und durch, mit schier unendlichem hippologischem Fachwissen bereichert er jede ZÜCHTERFORUM-Ausgabe, auch als Richter und „Mikrofon-Stimme“ bestens in der Szene bekannt.

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