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von Tobias Hemken am Samstag, 29.08.2026 um 14:58

Warendorf: Mit einem Schreckmoment zum Sieg

Die neue Bundeschampionesse Samba Royal K WE unter Wenke Kraus  /  © Equitaris

Bei den Bundeschampionaten stand heute das Finale der vierjährigen Reitpony-Stuten und -Wallache auf dem Programm. Acht Ponys gingen an den Start – und für einige von ihnen erwies sich das Pilotprojekt, die Dressurponyprüfung der Klasse A allein zu absolvieren, offenbar als zusätzliche Herausforderung. Wind und die offene kurze Seite ohne Tribünenbegrenzung machten den jungen Ponys die Aufgabe nicht leichter.

Am Ende setzte sich die Weser-Ems-Stute Samba Royal K WE mit der herausragenden Wertnote von 9,02 an die Spitze und sicherte sich den Titel. Damit steigerte sich die braune Tochter des Cosmo Royale aus einer Wengelo’s Ricardo-Mutter deutlich gegenüber der Finalqualifikation, in der sie eine 8,26 erhalten hatte. Vorgestellt wurde Samba Royal K WE von Wenke Kraus. Züchter der Stute ist Reinhard Kramer, Besitzer Ralf Knauf.

Schreckmoment auf dem Abreiteplatz

Dabei hatte es zunächst nicht nach einem so erfolgreichen Finaltag ausgesehen. Die Stute hatte Schwierigkeiten, die anderen Ponys auf dem Abreiteplatz zu verlassen und allein in das Viereck einzureiten. In der Aufregung stieg sie, kam ins Straucheln und stürzte. Der Vorfall klang spektakulärer, als er letztlich war: Nach einer tierärztlichen Untersuchung der Stute und einer ärztlichen Untersuchung ihrer Reiterin Wenke Kraus erhielten beide die Freigabe, am Finale teilzunehmen. Als letzte Starterin zog Samba Royal K WE schließlich ins Viereck ein.

Dort ließ sich von dem vorherigen Schreckmoment nichts mehr erkennen. Die Stute präsentierte sich souverän, losgelassen und mit viel Qualität und entschied die Prüfung am Ende überlegen für sich.

Besonders beeindruckend war ihre Durchlässigkeit, die mit einer 9,6 bewertet wurde. Samba Royal K WE ließ sich gut arbeiten und zeigte eine sehr vielversprechende und harmonisch Vorstellung. Für ihren schwungvollen und dynamischen Trab erhielt sie eine 9,4, der Galopp wurde mit 8,8 bewertet. Im Schritt vergaben die Richter eine 8,3, für den Gesamteindruck eine 9,0.

Die charmante Disney’s Mobility gewinnt Silber

Vize-Bundeschampionesse wurde mit einer Wertnote von 8,66 die Hannoveraner Stute Disney’s Mobility (v. The Braes My Mobility-Don Nobless). Die charmante, äußerst rittige und brave Ponystute stammt aus der Zucht der Zuchtgemeinschaft Frieling und steht im Besitz von Maik Cordes.

Unter Mailin Quast überzeugte Disney’s Mobility vor allem durch ihre hohe Rittigkeit und Souveränität. Für ihre Durchlässigkeit erhielt sie eine 9,5, der Schritt wurde mit einer 9,0 bewertet. Trab und Galopp erhielten jeweils eine 8,0, während es für den Gesamteindruck eine 8,8 gab. Vielleicht war ihre Vorstellung nicht die spektakulärste des Tages, dafür aber ausgesprochen sicher, harmonisch und rittig. Das was man sich von einem künftigen Kinderpony wünscht.

Bronze für Ghostkeeper

Die Bronzemedaille ging an den westfälischen Wallach Ghostkeeper (v. Goldecht P-Trentino). Unter Patricia Gehre erzielte der von Hermann Arts gezogene und im Besitz von Christoph Gehre stehende Wallach eine Wertnote von 8,28. Besonders überzeugen konnte Ghostkeeper mit seinem Trab, für den es eine 8,7 gab. Der Galopp wurde mit 8,5 bewertet.

Persönliche Einordnung: Junge Ponys nicht allein in den „Hexenkessel“?

Zum Glück handelt es sich beim Reiten der Einzelaufgabe nach Angaben der Veranstalter zunächst nur um ein Pilotprojekt. Nach diesem Wochenende sollten die Verantwortlichen die Erfahrungen aus Warendorf daher genau auswerten und kritisch hinterfragen, ob es für vierjährige Pferde und Ponys tatsächlich sinnvoll ist, die Aufgabe allein absolvieren zu lassen. Schließlich handelt es sich um sehr junge Pferde, die bislang noch vergleichsweise wenig Turnier- und Prüfungserfahrung sammeln konnten. Die Kulisse bei den Bundeschampionaten in Warendorf lässt sich zudem kaum mit einem kleineren Turnier vergleichen und somit im Vorfeld üben.

Für viele Pferde und Ponys dürfte es eine deutliche Erleichterung sein, die Aufgabe zu zweit zu absolvieren und damit zumindest etwas Orientierung und Sicherheit durch ein weiteres Pferd im Viereck zu haben. Gerade bei jungen Pferden sollte die Prüfung nicht nur möglichst aussagekräftig für die Richter sein, sondern den Nachwuchspferden auch die bestmöglichen Voraussetzungen bieten, ihr tatsächliches Potenzial zeigen zu können. Der Schreckmoment von Samba Royal K WE ging glücklicherweise glimpflich aus. Er zeigt aber auch, wie viel zusätzliche Nervosität und Anspannung eine solche Situation für junge Pferde erzeugen kann. Die Auswertung des Pilotprojekts dürfte deshalb mit besonderem Interesse erwartet werden.

Tobias Hemken (Redakteur)

Seine Leidenschaft für Pferdezucht, Reitsport und die Partnerschaft mit dem Pferd prägen seinen Werdegang. Nach dem Studium des Equine Business Managements in den Niederlanden war er fast zehn Jahre als Redakteur im Bereich Pferdezucht tätig. In dieser Zeit entdeckte er nicht nur seine Begeisterung für Abstammungen und Pedigrees, sondern auch seine kreative Ader. Seit seinem zehnten Lebensjahr sitzt er im Springsattel und hat sich mittlerweile auch eine eigene kleine Zucht aufgebaut. Im Mittelpunkt steht für ihn dabei stets das Pferd als treuer Partner und sportlicher Begleiter.

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