Warendorf: Der nächste Titel an Felice FRH
Was hat Deutschland für tolle Nachwuchspferde. Das Finale der siebenjährigen Dressurpferde war ein Genuss, wobei gleich vier Pferde an der magischen 80-Prozentmarke kratzten. Eine, die befand sich dabei aber fast schon in einer eigenen Liga. Die Rede ist von der Hannoveraner-Stute Felice FRH (v. Fürst Samarant-Riverside, Z.: Rene Janzen), die einfach nur verzauberte.
Schon vor zwei Jahren hatte die elegante, gar einem Reh ähnelnde Stute unter dem Sattel ihrer Ausbilderin Greta Heemsoth bei den Bundeschampionaten mit den Siegen in der Finalqualifikation und im Finale der fünfjährigen Dressurpferde Ausrufezeichen gesetzt. Es folgten im vergangenen Jahr Finalstarts bei der WM der jungen Dressurpferde, wozu sie auch in diesem Jahr bereits gehörte. Gleich vorneweg: Besonders beeindruckend war die Selbstverständlichkeit, mit der sich Felice FRH durch die Dressurpferdeprüfung der Klasse S „schnurrte“, stets super geschlossen aus dem Hinterbein und schon sehr ausbalanciert. Gleich zum Prüfungsauftakt zeigte sich die Stute in den Trabseitengängen äußerst schwungvoll und elastisch. „In der Trabarbeit ließ die Stute kaum Wünsche offen. Diese fließende Energie ins Bergauf und dieses Hochmaß an Elastizität, das war absolut klasse“, erläuterte Nicole Nockemann, und so vergaben die Richter hier eine 9,5. Im Schritt konnte man, wenn man meckern wollte, den noch nicht ganz großen Vor- und Übertritt „bemängeln“. Der Schritt zeigte sich aber immer taktsicher (8,0). Im Galopp zählten die sicheren fliegenden Galoppwechsel sowie die bereits gut zentrierten Galopppirouetten mit hoher Bereitschaft für die Lastaufnahme zu den Highlights. Teilweise zeigte sich hier Felice FRH noch etwas übereifrig, so könnte sich der Durchsprung hier noch gleichmäßiger ins Bergauf entwickeln (8,5). Bei der Durchlässigkeit standen mit zwei knapp durchgesprungenen Galoppwechseln zwei wahre Schönheitsfehler (8,9). Im Gesamteindruck stand eine 9,0. Eine Prüfung, die sich insgesamt wie auf Schienen präsentierte und verdient in der technischen Note mit 75,6 Prozent und in der Note für die Qualität und Perspektive mit 87,6 Prozent bewertet wurde. Das machte unterm Strich starke 81,6 Prozent und den verdienten Titel im Bundeschampionat der siebenjährigen Dressurpferde.
Ellen Richter und der Oldenburger-Wallach Found Gody (v. Foundation-Vivaldi, Z.: Gestüt Lewitz) rollten das Feld fast ganz von hinten auf und wurden am Ende mit dem Vizetitel belohnt. Die beiden Spitzenpferde hätten wahrlich nicht unterschiedlicher sein können. So handelt es sich bei Found Gody um einen langbeinigen und äußerst großrahmigen Wallach, der hier und da auch noch größere Mühe hatte, diese Größe gepaart mit seinem enormen Bewegungspotenzial „zu verpacken“. Doch Ellen Richter wusste dies einmal mehr bestens zu unterstützen. Found Gody punktete besonders im Galopp, wobei er hier sehr viel Versammlungsbereitschaft zeigte und mit aktiv ins Bergauf gesprungenen Galoppwechseln punktete (8,8). Der Trab zeigte sich schwungvoll mit viel Abdruck, teilweise hätte er sich in den Seitengängen aber noch besser tragen dürfen (9,0). Der Schritt präsentierte sich klar im Takt, insgesamt hätte er hier den Hals aber noch besser fallen lassen dürfen (8,2). Apropos Takt: Die Taktsicherheit des Wallachs war in allen Grundgangarten besonders beeindruckend. Insgesamt hätte die Selbsthaltung aber noch stabiler sein dürfen, was in der Durchlässigkeit zu einer 8,4 führte. Im Gesamteindruck stand eine 8,6. So standen am Ende auf der Ergebnistafel in der technischen Note 73,1 Prozent und in der Note für die Perspektive und Qualität 86 Prozent, was unterm Strich 79,59 Prozent für den Bundeschampionats-Finalisten der vergangenen zwei Jahre bedeutete. Nicole Wego-Engelmeyer komplettierte mit Zuccador QD (v. Zenon-Lauries Crusador, Z.: Hof Kasselmann) das Podest (79,51 Prozent) und setzte sich damit knapp gegen den Bayer Franz Trischberger mit Zaubermann (v. Zoom-Belissimo, Z.: Winfried Albers) durch, der gleich zu Beginn der Prüfung mit 79,1 Prozent eine erste Messlatte gesetzt hatte.