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von Tobias Hemken am Mittwoch, 16.09.2026 um 14:21

WM der jungen Springpferde in Lanaken steht in den Startlöchern

FEI und WBFSH verschärfen Qualifikation und passen Prüfungsformat an

© Lafrentz

An diesem Wochenende steht im belgischen Lanaken die Weltmeisterschaft der jungen Springpferde auf dem Programm. Bereits am morgigen Donnerstag beginnen die ersten Qualifikationen für die fünf-, sechs- und siebenjährigen Nachwuchspferde.

Die Weltmeisterschaften der jungen Springpferde finden erstmals in einem deutlich überarbeiteten Rahmen statt. Die internationale Reitsportvereinigung FEI und die Weltzuchtorganisation WBFSH haben gemeinsam eine Reihe von Änderungen beschlossen, die sowohl die Qualifikation als auch das Prüfungsformat betreffen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Pferdewohl, altersgerechte Anforderungen und eine einheitlichere Gestaltung der Wege zur WM-Teilnahme.

Mindestqualifikation eingeführt

Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Einführung von Mindestqualifikationsanforderungen für die Springpferde. Während vergleichbare Vorgaben bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde bereits seit Jahren gelten, werden sie nun erstmals auch im Springlager umgesetzt.

Künftig müssen alle Pferde vor einer Nennung zur Weltmeisterschaft nachweisen, dass sie den Anforderungen der jeweiligen Altersklasse gewachsen sind. Gefordert werden drei fehlerfreie Runden in Prüfungen mit festgelegten Mindesthöhen:

Fünfjährige Pferde: drei Nullrunden auf mindestens 1,15-Meter-Niveau

Sechsjährige Pferde: drei Nullrunden auf mindestens 1,25-Meter-Niveau

Siebenjährige Pferde: drei Nullrunden auf mindestens 1,35-Meter-Niveau

Die erforderlichen Ergebnisse können entweder bei internationalen Youngster-Prüfungen oder im Rahmen eines von den jeweiligen nationalen Verbänden organisierten Sichtungsverfahrens erzielt werden. Die Qualifikation muss im Kalenderjahr der Weltmeisterschaft und spätestens bis zum Termin der definitiven Nennung erfolgt sein. Mit der Nennung müssen die nationalen Verbände einen entsprechenden Ergebnisnachweis beim Veranstalter einreichen.

An den Zuständigkeiten bei der Auswahl der Pferde ändert sich nichts. Die Nominierung erfolgt weiterhin ausschließlich über die nationalen Verbände in enger Abstimmung mit den jeweiligen WBFSH-Mitgliedszuchtverbänden.

Idealzeit für die Fünfjährigen

Eine weitere bedeutende Änderung betrifft direkt das Prüfungsformat der niedrigsten Altersklasse. Die Wettbewerbe der fünfjährigen Pferde werden künftig nicht mehr auf Schnelligkeit ausgerichtet sein. Stattdessen erfolgt die Wertung nach einer Idealzeit.

Mit diesem Schritt wollen FEI und WBFSH den Ausbildungscharakter der Prüfungen stärker in den Vordergrund rücken. Korrektes, pferdegerechtes Reiten soll wichtiger werden als das Erzielen möglichst schneller Runden. Gleichzeitig soll der Zeitdruck reduziert und den entwicklungsbedingten Bedürfnissen der jungen Pferde besser Rechnung getragen werden.

Wer wird Sieger?

Noch offen war zunächst, wie die Siegerermittlung im Finale der fünfjährigen Pferde konkret erfolgt. Auf Anfrage des ZÜCHTERFORUMS teilte die WBFSH inzwischen mit, dass in der zweiten Finalrunde diejenige Pferd-Reiter-Kombination gewinnt, die der vorgegebenen Idealzeit am nächsten kommt. Bei Zeitgleichheit entscheidet das Ergebnis der ersten Finalrunde über die Platzierung.

Anpassung der Hindernishöhen

Darüber hinaus wurden die Anforderungen für Fünf- und Sechsjährige auch hinsichtlich der Hindernishöhen angepasst.

Fünfjährige Pferde
Qualifikation: 1,20 m (bisher 1,25 m), nicht gegen die Uhr
Qualifikation: 1,20 m (bisher 1,25 m), nicht gegen die Uhr
Finale, 1. Umlauf: 1,25 m (bisher 1,30 m)
Finale, 2. Umlauf: 1,25 m (bisher 1,30 m), Wertung nach Idealzeit

Sechsjährige Pferde
Qualifikation: 1,30 m (bisher 1,35 m), Zwei-Phasen-Springen
Qualifikation: unverändert 1,35 m
Finale: 1,35 m (bisher 1,40 m) mit anschließendem Stechen

Siebenjährige Pferde
Für die höchste Altersklasse bleiben die Anforderungen unverändert:
Qualifikation: 1,40 m
Qualifikation: 1,40 m
Finale: 1,45 m mit Stechen

Fokus auf Ausbildung und Pferdewohl

Die beschlossenen Änderungen sind das Ergebnis intensiver Gespräche zwischen FEI, WBFSH und weiteren Vertretern des internationalen Pferdesports. Hintergrund sind die in den vergangenen Jahren zunehmend geführten Diskussionen über altersgerechte Anforderungen an junge Sportpferde sowie die wachsende Bedeutung des Pferdewohls.

Mit den neuen Mindestqualifikationen soll sichergestellt werden, dass die Teilnehmer bereits vor der Weltmeisterschaft über ausreichende Erfahrung und Vorbereitung verfügen. 

Die Anpassung der Parcourshöhen und die Einführung der Idealzeit-Wertung bei den Fünfjährigen verfolgen das Ziel, den Ausbildungsaspekt stärker zu betonen und junge Pferde schrittweise an den Spitzensport heranzuführen. 

Tobias Hemken (Redakteur)

Seine Leidenschaft für Pferdezucht, Reitsport und die Partnerschaft mit dem Pferd prägen seinen Werdegang. Nach dem Studium des Equine Business Managements in den Niederlanden war er fast zehn Jahre als Redakteur im Bereich Pferdezucht tätig. In dieser Zeit entdeckte er nicht nur seine Begeisterung für Abstammungen und Pedigrees, sondern auch seine kreative Ader. Seit seinem zehnten Lebensjahr sitzt er im Springsattel und hat sich mittlerweile auch eine eigene kleine Zucht aufgebaut. Im Mittelpunkt steht für ihn dabei stets das Pferd als treuer Partner und sportlicher Begleiter.

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