WM der jungen Springpferde in Lanaken steht in den Startlöchern
FEI und WBFSH verschärfen Qualifikation und passen Prüfungsformat an
An diesem Wochenende steht im belgischen Lanaken die Weltmeisterschaft der jungen Springpferde auf dem Programm. Bereits am morgigen Donnerstag beginnen die ersten Qualifikationen für die fünf-, sechs- und siebenjährigen Nachwuchspferde.
Die Weltmeisterschaften der jungen Springpferde finden erstmals in einem deutlich überarbeiteten Rahmen statt. Die internationale Reitsportvereinigung FEI und die Weltzuchtorganisation WBFSH haben gemeinsam eine Reihe von Änderungen beschlossen, die sowohl die Qualifikation als auch das Prüfungsformat betreffen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Pferdewohl, altersgerechte Anforderungen und eine einheitlichere Gestaltung der Wege zur WM-Teilnahme.
Mindestqualifikation eingeführt
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Einführung von Mindestqualifikationsanforderungen für die Springpferde. Während vergleichbare Vorgaben bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde bereits seit Jahren gelten, werden sie nun erstmals auch im Springlager umgesetzt.
Künftig müssen alle Pferde vor einer Nennung zur Weltmeisterschaft nachweisen, dass sie den Anforderungen der jeweiligen Altersklasse gewachsen sind. Gefordert werden drei fehlerfreie Runden in Prüfungen mit festgelegten Mindesthöhen:
Fünfjährige Pferde: drei Nullrunden auf mindestens 1,15-Meter-Niveau
Sechsjährige Pferde: drei Nullrunden auf mindestens 1,25-Meter-Niveau
Siebenjährige Pferde: drei Nullrunden auf mindestens 1,35-Meter-Niveau
Die erforderlichen Ergebnisse können entweder bei internationalen Youngster-Prüfungen oder im Rahmen eines von den jeweiligen nationalen Verbänden organisierten Sichtungsverfahrens erzielt werden. Die Qualifikation muss im Kalenderjahr der Weltmeisterschaft und spätestens bis zum Termin der definitiven Nennung erfolgt sein. Mit der Nennung müssen die nationalen Verbände einen entsprechenden Ergebnisnachweis beim Veranstalter einreichen.
An den Zuständigkeiten bei der Auswahl der Pferde ändert sich nichts. Die Nominierung erfolgt weiterhin ausschließlich über die nationalen Verbände in enger Abstimmung mit den jeweiligen WBFSH-Mitgliedszuchtverbänden.
Idealzeit für die Fünfjährigen
Eine weitere bedeutende Änderung betrifft direkt das Prüfungsformat der niedrigsten Altersklasse. Die Wettbewerbe der fünfjährigen Pferde werden künftig nicht mehr auf Schnelligkeit ausgerichtet sein. Stattdessen erfolgt die Wertung nach einer Idealzeit.
Mit diesem Schritt wollen FEI und WBFSH den Ausbildungscharakter der Prüfungen stärker in den Vordergrund rücken. Korrektes, pferdegerechtes Reiten soll wichtiger werden als das Erzielen möglichst schneller Runden. Gleichzeitig soll der Zeitdruck reduziert und den entwicklungsbedingten Bedürfnissen der jungen Pferde besser Rechnung getragen werden.
Wer wird Sieger?
Noch offen war zunächst, wie die Siegerermittlung im Finale der fünfjährigen Pferde konkret erfolgt. Auf Anfrage des ZÜCHTERFORUMS teilte die WBFSH inzwischen mit, dass in der zweiten Finalrunde diejenige Pferd-Reiter-Kombination gewinnt, die der vorgegebenen Idealzeit am nächsten kommt. Bei Zeitgleichheit entscheidet das Ergebnis der ersten Finalrunde über die Platzierung.
Anpassung der Hindernishöhen
Darüber hinaus wurden die Anforderungen für Fünf- und Sechsjährige auch hinsichtlich der Hindernishöhen angepasst.
Fünfjährige Pferde
Qualifikation: 1,20 m (bisher 1,25 m), nicht gegen die Uhr
Qualifikation: 1,20 m (bisher 1,25 m), nicht gegen die Uhr
Finale, 1. Umlauf: 1,25 m (bisher 1,30 m)
Finale, 2. Umlauf: 1,25 m (bisher 1,30 m), Wertung nach Idealzeit
Sechsjährige Pferde
Qualifikation: 1,30 m (bisher 1,35 m), Zwei-Phasen-Springen
Qualifikation: unverändert 1,35 m
Finale: 1,35 m (bisher 1,40 m) mit anschließendem Stechen
Siebenjährige Pferde
Für die höchste Altersklasse bleiben die Anforderungen unverändert:
Qualifikation: 1,40 m
Qualifikation: 1,40 m
Finale: 1,45 m mit Stechen
Fokus auf Ausbildung und Pferdewohl
Die beschlossenen Änderungen sind das Ergebnis intensiver Gespräche zwischen FEI, WBFSH und weiteren Vertretern des internationalen Pferdesports. Hintergrund sind die in den vergangenen Jahren zunehmend geführten Diskussionen über altersgerechte Anforderungen an junge Sportpferde sowie die wachsende Bedeutung des Pferdewohls.
Mit den neuen Mindestqualifikationen soll sichergestellt werden, dass die Teilnehmer bereits vor der Weltmeisterschaft über ausreichende Erfahrung und Vorbereitung verfügen.
Die Anpassung der Parcourshöhen und die Einführung der Idealzeit-Wertung bei den Fünfjährigen verfolgen das Ziel, den Ausbildungsaspekt stärker zu betonen und junge Pferde schrittweise an den Spitzensport heranzuführen.