Conthargos und Total Hope stellen die Königinnen
Nur acht Stuten nominierte der Springpferdezuchtverband Oldenburg-International zur Elitestuteschau, und wer am Tag der Nominierung in Vechta auf die "üblichen Verdächtigen" getippt hatte, der lag im Großen und Ganzen auch nicht verkehrt. Überhaupt hatte man anlässlich der Stutenleistungsprüfung mehrfach den Eindruck, dass mehr der Name als die Qualitäten der Stuten beachtet wurden, denn teilweise waren es Exemplare, die renitent, wehrhaft und maulig auf drei Hufschlägen ihre reiterliche Aufgabe absolvierten und zum Dank auch noch mit der Hauptprämie ausgezeichnet wurden.
Von den acht für den Auftritt im Schlosspark nominierten Stuten (drei Schimmel, drei dunkelbraune, ein Fuchs, eine braune) traten sieben in Rastede an. Drei erreichten den Brillantring. An der Spitze ging schließlich an die dunkelbraune Colleen (v. Conthargos-Action Breaker-Zeus-Admiral I-Furioso II-Condor, Oldbg. Stamm 24/Balsamita, vgl. ZÜCHTERFORUM 7/2023, Z.: Erich Stevens, Molbergen), deren Großmutter der Züchtersohn Mario Stevens seinerzeit bereits zu S-Siegen und auf Europaeisterschaften im Nachwuchsbereich geritten hat.
Als Berichterstatter fungierte Lars Gehrmann, soeben in den beruflichen Ruhstand getretener Zuchtleiter der Trakehner, der seinerzeit vor über 30 Jahren mehrere Jahre lang die Oldenburger Verbandsluft geschnuppert hat. "Die Stute ist taktbeflissen und konntesich im Brillantring noch einmal steigern. Sie ist immer bei der Sache, mit ganz viel Übersicht."
Der I b-Preis ging an die dunkelbraune Coeur Courage (v. Christian-Chacco Blue-Lord Pezi-Oldtimer xx-Contender-Weinstern-Lugano I-Domspatz, Z.: Carsten Middendorf, Dinklage) und auf Position I c folgte die Schimmelstute Cleopatra (v. Cornet Obolensky-Toulon-Cassini I-ContenderCapitol I-Maestose xx-Amboss-Alabaster, Holst. Stamm 1333, Z. u. B.:Bernd Kroeger, Dinklage). Die übrigen vier stammten ab von je nochmals Conthargos und Christian, Apardi und Checkter.
Im Dressursegment waren 39 Stuten im Katalog verzeichnet. Zwölf der Nominierten erschienen in Fuchs- bzw. Dunkelfuchs-Garderobe, ferner gab es zehn Rappen und Braune zu zählen, hinzu kamen sechs Dunkelbraune und eine Schwarzbraune.
Davon traten 35 an, und mit je drei Töchtern stellten dabei Escamillo und La Vie die größten Kontingente. Je zwei Stuten stammten ab von Bonds, For Romance I und Vitalis. Fünf Stuten stammten aus dem jeweils ersten Jahrgang ihres Vaters.
15 Stuten erreichten den Brillantring, sechs wurden schließlich rangiert.
Als Königin eines starken Jahrgangs wurde schließlich die aus einer seit fast 50 Jahren in Oldenburg beheimateten Vollblutfamilie gezogene Rappstute Royal Hope (v. Total Hope-Danciano-Rohdiamant-Donnerhall-Figaro-Clear Run xx) gekürt, für die es zudem ein Heimspiel war, denn Züchter Dirk Gloystein und Besitzer Theis Gloystein wohnen in Rastede. "Erhaben und taktbeherrscht" waren nur zwei der zahlreichen Attribute, die Lars Gehrmann ihr in seiner Schaukritik angedeihen ließ.
Reservesiegerin (I b) war die bedeutend geformte Dunkelfuchsstute Donna Baroness (v. Baron-Fidertanz-De Niro-Sergeant Pepper I, Z. u. B.: Elisabeth Wegert, Dinklage-Bünne), die laut Las Gehrman gleich als erste Kandidatin die Messlattebsehr hoch legte!"
Der Bronzerang (I c) ging an die braune, laut Lars Gehrmann mit "Wucht und Anmut gleichermaßen augestattete" Viva Diamond (v. Vitalis-Don Diamond-Sunny Boy-Don Gregory, Z.: ZUchthof Alberding, ESsen; B.: Nadine Heidrich, Esterwegen).
Der I d-Preis ging an die Rappstute Wunderbar (v. Florenz-De Niro-Plaisir d'Amour-Rubistein I, Z.: Georg Bisxchoff, Wardenburg-Littel), die der Besitzer Marco Trier aus Schlitz (Hessen) als Auktionsfohlen entdeckt hatte.
Auf Position I e fand sich die als Auktionsfohlen für das Schnäppchen von 4.000 Euro erworbene Rappstute Mocca de Luxe (v. Morricone I-San Amour I-De Niro-Rubinstein I, Z.: Dirk Heidler, Steinfeld; B.: Monika Quarz, Friesoythe). Der I f-Preis ging an die Schwarzbraune Nea Montana (v. Millennium/T.-Sir Gregory-Placido-Furioso II, Z. u. B.: Josef Kathmann, Hausstette). Die unrangierten Brillantringteilnehmerinnen stammten ab von Bernay, Follow Him's Schönweide, For Romance I, Foundation, Fürst Wilhelm, Fürstenball, La Vie, Jovian und Secret.Oldenburger Championate in Rastede: Goldschleifen für Incredible und Bon Bolero
Neun teils recht prominente Bewerber umfasste die Qualifikation der vierjährigen Hengste beim Oldenburger Landesturnier in Rastede. Den Sieg (9,2) holte der Oldenburger Körsieger aus 2021, Incredible (v. Indian Rock-For Romance I-K2/T.-Schwadroneur/T., Trak. Fam. O178A Hasta) aus dem Helgstrand-Patronat unter Maxi Kira von Platen. Nachdem sich im Laufe der letzten Decksaison herausgestellt hatte, dass der Hengst Probleme mit der Fruchtbarkeit hatte, war er aus dem Deckeinsatz genommen worden. Hinsichtlich Trab (9), Galopp (10) und Ausbildung (9) mögen die hohen Noten durchaus teilweise ihre Berechtigung haben, aber was das Gebäude angeht, so hatte schon kaum jemand die hohe Rangierung anlässlich der Körung nachvollziehen können, und welchem Fabelreich die Jury (Peter Olsson, Jan Schalk, Marret Maucher) hier ein glattes "sehr gut" für ein mangelhaftes "Fahrgestell", sprich: steile Fesselung, wenig Gelenk, schmale, steile Hufe (Zwang- und Bockhuf sind so unangenehme Termini) entliehen hat, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Incredible, also unglaublich oder unglaubhaft, wie es von Langenscheidt aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wird, war es allemal.
Auch Schritt scheint in Oldenburg aus der Mode gekommen zu sein, denn in etlichen Fällen hatte das, was da gerade in der Bahn stattgefunden hatte und das, was dem geneigten Betrachter via Notengebung infiltriert werden sollte, nichts oder nur wenig miteinander zu tun. Darüberhinaus sollten sich die Aufgabenschreiber in Warendorf vielleicht einmal Gedanken machen, dieses unerträgliche Trabrennen in den Reitpferdeaufgaben zu verkürzen.
Doch zurück zur Prüfung: Hohe Noten (Trab 10, Gebäude 9,5) erhielt auch der Schockemöhle-Hengst Escanto PS (v. Escolar-Fürstenball-Totilas-Londonderry-Sandro Hit-Donnerhall, Hann. Stamm 659/Kebandina bzw. Juromette) mit Brandi Roenick (USA), der am Ende mit 9,1 Rang zwei belegte. Bedeutung als Beschäler und ein diesbezüglich einnehmendes Seitenbild hat er sicherlich, auch wenn es ihm vielleicht für eine 9,5 etwas an Charme fehlte. Die Jury war in Geberlaune.
Genau wie Escanto PS, so hat auch der an dritter Stelle (9,0) rangierte Prämenhengst St. Emilion (v. Suarez-Dante Weltino-Rubinstein I-Traumdeuter/T.-Volturno-Chronos, Oldbg. Stamm 177/Rudigunde) vom Klosterhof Medingen enen großen ersten Fohlenjahrgang vorzuweisen. Hannah Laser präsentierte den Schwarzbraunen, der drei ausgeglichen sehr gute Grundgangarten bescheinigt bekam und für die Ausbildung sogar die 9,5.
Platz vier (8,3) ging mit etwas Abstand an den großlinigen Fuchs Viva Vitalis (v. Vitalis-Fürst Romancier-Sir Donnerhall I-Don Schufro-Sandro, Hann. Stamm 713/Mosaik bzw. Obandina), Siegerhengst der Mecklenburger Körtage 2021 in Diensten des Sächischen Lansdgestüts Moritzburg, unter dem Sattel von Linda Casper.
Bei den Dreijährigen gingen immerhin 13 Kandidaten ins Rennen. Den Sieg (8,7 mit 9,0 in Trab, Galopp und Ausbildung) holte der in dieser Decksaison auf der Station Ahlers in Hatten vielbeschäftigte, muskulöse Braune Bon Bolero (v. Bon Vivaldi-Fürst Romancier-Rubin Royal-Ehrensold-Nardus xx), der als nicht prämierter Hengst mehreren einst vor ihm rangierten Jahrgangskollegen die Hufe zeigte, wie es schon auf der Körung etliche Kenner vorausgesagt hatten.
Platz zwei und drei (8,6 bzw. 8,5) gingen jeweils an Julian Fetzer mit den Helgstrand-Hengsten Just Diamond (v. Jovian-Diamond Hit-Bretton Woods-Sir Donnerhall I) und Lord Extra (v. Lord Europe-Donnerschwee-Royal Disamond-Grundstein I-Black Sky xx). Der braune Just Diamond ist hinsichtlich der Hengstbedeutung ein eher leichtes Pferd, wogegen der Rappe Lord Extra eher schwer und wuchtig daherkam. Die Plätze vier und fünf gingen an das Ehepaar Fischer: Tanja Fischer präsentierte den Sieger der Mecklenburger Körung in Redefin 2022, Viva Romance PS (v. Vivino-Sir Donnerhall I-Don Schufro-Sandro, Hann. Stamm 713/Mosaik bzw. Obandina) und Lukas Fischer den Oldenburger Prämienhegst Zarenball (v. Zenon-Fürstenball-Londonderry-Werther-Dynamo, Hann. Stamm 692/Lobelle) mit 8,4 bzw 8,2. Beide Hengste haben 2023 auf der Station Fischer ihren züchterischen Einstand gegeben. (CS)